Rekonstruktion der Eröffnungsausstellung - Hommage an Wilhelm Lehmbruck

Auf das Zusammenwirken von Drinnen und Draußen sowie auf Sichtachsen hat der Architekt Manfred Lehbmruck bei der Präsentation der Kunst seines Vaters großen Wert gelegt.
Auf das Zusammenwirken von Drinnen und Draußen sowie auf Sichtachsen hat der Architekt Manfred Lehbmruck bei der Präsentation der Kunst seines Vaters großen Wert gelegt.
Foto: Tanja Pickartz
Hommage an den bedeutendsten Künstler der Stadt: Das Lehmbruck-Museum will mit einer Rekonstruktion der Eröffnungsausstellung mit Werken Wilhelm Lehmbrucks eben diesen ehren. Viele Kunstwerke müssen anhand von Fotografien reproduziert werden, was keine einfach Aufgabe ist.

Duisburg. Die Rekonstruktion der Eröffnungsausstellung mit Werken Wilhelm Lehmbrucks, wie sie vor 50 Jahren zu sehen war, ist eine Hommage an den bedeutendsten Künstler der Stadt. Wie das vom Architekten Manfred Lehmbruck geschaffene Gesamtkunstwerk „Lehmbruck-Flügel“ genau aussah, musste Kuratorin Dr. Marion Bornscheuer allerdings aus kleinen Fotografien und einem groben Plan rückschließen. Denn das Modell, für das Manfred Lehmbruck sogar die Werke seines Vaters klein in Holz geschnitzt hatte, um die richtige Platzierung unter den Oberlichtern des Dachs zu finden, war verschwunden. Die Figürchen gibt es noch, alles andere hat inzwischen die städtische Modellbauwerkstatt ersetzt.

1964 war die Lehmbruck Sammlung zwar noch nicht abgeschlossen (das war sie erst mit dem endgültigen Erwerb des Nachlasses 2011), aber prominente Skulpturen waren bereits im Besitz der Stadt oder als Dauerleihgaben vorhanden. Dazu zählen die ersten drei Werke, die nach Duisburg kamen: die „Große Stehende“ als erstes Werk, das Adelin Böninger, geborene Haniel, 1912 stiftete, der „Sitzende Jüngling“, der 1922 auf dem Ehrenfriedhof am Kaiserberg aufgestellt wurde und in der Ausstellung auf einen kleinen Hügel aus Marmorkieseln präsentiert wird, wo er eine ganz ungewöhnliche Wirkung entfaltet, und schließlich „Die Kniende“ von 1913, die als Bronzeguss 1925 nach Duisburg kam. „Der Gestürzte“ wurde 1964 noch als Leihgabe gezeigt, „1978 waren alle Hauptwerke Lehmbrucks in der Stadt“, so Marion Bornscheuer.

Ausschließlich Lehmbruck-Werke

31 Skulpturen und Bilder wurden 1964 und werden vorerst so im Lehmbruck-Flügel zu sehen sein, also wesentlich weniger Arbeiten als zuletzt und ausschließlich Lehmbruck-Werke. Vieles beeindruckt an dieser Ausstellung: Das perfekte Zusammenwirken von Architektur und Kunst bei intensivem, zum Teil wie Spots eingesetztem Tageslicht; die Verbindung von Schutzraum und Offenheit wie beim „Emporsteigenden Jüngling“ der seinen Platz im Lichthof gefunden hat; die Einbeziehung des Parks, der durch Glasscheiben geradezu in den Raum geholt wird; aber auch die raffinierten Sichtachsen, die Manfred Lehmbruck gezogen hat, wie Marion Bornscheuer herausfand.

Dass man diesen Werken, die zum Teil auf gewagten schmalen Sockeln stehen, „auf Augenhöhe“ begegnet, macht zudem einen großen Reiz aus. Diese direkte Nähe ist Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla auch in den anderen Bereichen des Museums ein wichtiges Anliegen. Außerdem geht es ihr darum, die Werke zu zeigen, die die zum Teil von weit her anreisenden Besucher erwarten: Das ist die internationale Sammlung mit Skulptur des 20. Jahrhunderts, an der vorerst nicht gerückt wird. Wechselausstellungen finden andere Plätze im Haus.

Familienfest in und ums Haus 

Nach einjähriger Sanierung wird zum 50. Geburtstag des Lehmbruck-Museums der Lehmbruck-Trakt am Samstag wieder eröffnet. Aber auch darüber hinaus präsentiert sich das Haus komplett verwandelt. Während im Lehmbruck-Trakt die Eröffnungsausstellung von 1964 rekonstruiert worden ist, wird – wie berichtet – in der großen Glashalle ein großer, repräsentativer Streifzug durch die Skulptur des 20. Jahrhunderts unternommen.

Den Geburtstag feiert das Museum nicht nur mit einem Festakt am Samstag, 14. Juni, um 16 Uhr, zu dem auch Christine Rotermund-Lehmbruck kommt, die Tochter des Architekten Manfred Lehmbruck. Beim zweitägigen Fest gibt rund ums Museum im Kant-Park auch ein großes Programm für Familien.

Am Samstag ist das Museum von 12 bis 21 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet (der Lehmbruck-Flügel erst zum Festakt um 16 Uhr). Das Programm im Museum und im Kant-Park: Vom 14 bis 17.30 Uhr laufen Workshops für Kinder und präsentieren sich Duisburger Künstler. Um 15 Uhr beginnt ein Fotoshooting mit einem Porsche Oldtimer und dem Fotografen Pascal Bruns.

"Pay what you want"

Nach dem Festakt beginnen um 18 Uhr Führungen durch die Ausstellungen mit dem Kuratoren und Kunstvermittlern und dem Duisburger Kabarettisten Kai Magnus Sting. Ab 19 Uhr gibt es Live-Musik und Beats der 60er Jahre auf dem Skulpturenhof.

Der Familientag wird am Sonntag, 15. Juni, von 11 bis 18 Uhr gefeiert. Dabei gilt: „Pay what you want“, also bei selbst bestimmten Eintritt. Um 11.30 Uhr beginnt eine Führung. von 14 bis 17.30 Uhr gibt es Bobbycar-Rennen durch den Park, werden „Jugend-trifft-Kunst“-Workshops angeboten und präsentieren sich erneut Duisburger Künstler. Schließlich gibt es um 15.30 Uhr eine Familienführung.

Die regulären Öffnungszeiten ab nächster Woche: montags, freitags und samstags 12 bis 18 Uhr, donnerstags 12 bis 21 Uhr, montags und dienstags geschlossen.

"Generation Guide" fürs Ohr 

In anderen Museen gehören sie längst zum Angebot – das Lehmbruck-Museum präsentiert zu seinem Jubiläum erstmalig einen Audio Guide. Der wurde allerdings nicht von Profis entwickelt, sondern entstand unter Federführung von Kunstpädagogin Sybille Kastner als „Generation Guide“: Junge und ältere Kunstfreunde haben die Texte geschrieben und in Dialogen gesprochen. Die Volksbank Rhein-Ruhr hat das Projekt finanziell gefördert.

Zusammengearbeitet haben jeweils ein jüngerer und ein älterer Kunstfreund im Zeichen eines Werks: Rieke Koßmann (17) und Helga Mietz (65) wählten unabhängig voneinander „Die Kniende“ – und taten sich dann zusammen. Nachdem sich die Teilnehmer mit den Werken beschäftigt hatten, entwickelten sie auch eigene Deutungen. Schließlich entstand der Dialog-Text, der dann aber nicht abgelesen, sondern frei eingesprochen wurde.

Jillina Kleemann (17) und Georg Ritterbusch (69) arbeiteten beim „Kopf des Denkers“ zusammen. „Ich fand es spannend, auch den Standpunkt aus der Sicht von Leid und Krieg kennenzulernen“, sagt die Max-Planck-Gymnasiastin, die wie Mitschülerin Rieke über ihren Literaturlehrer zum Projekt kam. „Es hat unheimlich Spaß gemacht“, sagt Helga Mietz. Sie sei schon seit langem ein Fan des Lehmbruck-Museums, so die Hamburgerin. Aber durch dieses Projekt habe sie über viele Werke noch einmal neu nachgedacht.

 
 

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