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NRW: Klinik-Arzt vergewaltigt Patientinnen im Schlaf – jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Duisburg

Gewahrsam? Festnahme? Was diese Polizei-Begriffe wirklich bedeuten

Bielefeld. 

Dieser Fall aus NRW hat bundesweit für Entsetzen gesorgt. Ein Assistenzarzt des Bielefelder Klinikums Bethel betäubte monatelang Patientinnen, vergewaltigt sie und filmte seine Taten.

Nach seinem Tod wurde das Verfahren eingestellt. Doch jetzt rollt die Staatsanwaltschaft Duisburg den schweren Missbrauchs-Skandal aus NRW wieder auf – nach schweren Vorwürfen aus Reihen der Belegschaft.

NRW: Das war die Masche des Skandal-Arztes

Die Fälle hatten sich gehäuft. Immer wieder sollen Frauen Ärzten und Pflegern im Klinikum Bethel von einem Arzt berichtet haben, der spätabends auf ihr Zimmer kam und ihnen Medikamente verabreichte. Danach hätten sich die Frauen an nichts mehr erinnern können.

Konsequenzen gab es keine für den Arzt, obwohl das Pflegepersonal die Vorfälle offiziell bei der Ärzteschaft gemeldet habe, teilte ein Informant aus Reihen der Klinik gegenüber dem ARD-Magazin „Kontraste“ mit.

Patientin erstattet Anzeige gegen NRW-Arzt – Festnahme erst nach Monaten

Im September 2019 erstattete eine betroffene Patientin dann Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung durch eine unzulässige Medikamentengabe. Dass sie Opfer einer Vergewaltigung gewesen sein könnte, das ahnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Der Arzt praktizierte derweil weiter in der renommierten Klinik in NRW. Erst sieben Monate später durchsuchte die Polizei die Wohnung des Verdächtigen. Sie fanden unter anderem Betäubungsmittel und eine Festplatte. Darauf Videos von mehr als 80 Vergewaltigungen von Frauen – auch aus dem privaten Umfeld des Arztes.

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Arzt nimmt sich das Leben – Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein

Nach seiner Verhaftung nahm sich der Assistenzarzt hinter Gittern das Leben. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld stellte das Verfahren daraufhin ein, obwohl nach Recherchen des ARD-Magazins nicht einmal alle Opfer informiert worden seien. Dabei habe es Listen mit Namen der Opfer gegeben. Dazu die Filmaufnahmen.

Der Arzt genieße auch nach seinem Tod ein Persönlichkeitsrecht, habe es von Seiten der Staatsanwaltschaft geheißen. Die Anwälte zweier betroffener Frauen bezeichneten das Vorgehen der Staatsanwaltschaft als skandalös: „Wenn sie gar nicht wissen, dass sie missbraucht worden sind, können sie keine Ansprüche stellen“, sagt Anwalt Daniel Farrokh in der „ARD“.

Ohne Zeugenaussagen könnten auch keine weiteren Ermittlungen darüber geführt werden, ob Klinikleitung oder verantwortliche Ärzte den Assistenzarzt schon viel früher aus dem Verkehr hätten ziehen müssen.

Staatsanwaltschaft Duisburg übernimmt Ermittlungen

Jetzt hat das NRW-Justizministerium nach hartnäckigem Kampf der Anwälte betroffener Frauen den Fall wieder neu aufrollen lassen.

Das Ministerium hat jetzt die Staatsanwaltschaft Duisburg für die weiteren Ermittlungen eingesetzt. Die ließ verlauten: „Die Dienstvorgesetzten des Assistenzarztes sollen von Patientinnen über Auffälligkeiten im Jahr 2019 unterrichtet worden sein. Sie sollen jedoch den Hinweisen nicht nachgegangen sein und so die Begehung weiterer Taten ermöglicht haben.“

Den Betroffenen bleibt also nach langer Wartezeit immerhin noch Hoffnung, dass der Fall restlos aufgeklärt wird.

>>Anmerkung der Redaktion

Zum Schutz der betroffenen Familien berichten wir normalerweise nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Wer unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidet oder jemanden kennt, der daran leidet, kann sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie ist erreichbar unter der Telefonnummer 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.