Krankenhaus ohne Apotheke - geht das?

Braucht ein Akut-Krankenhaus mit Maximalversorgung, mit Krebstherapie, Stammzellen-Transplantation, Frühgeborenen Station eigentlich eine eigene Apotheke? Was jeder Laie spontan mit einem „Ja“ beantworten würde, sieht das Helios Klinikum Duisburg (s. Info-Kasten) aber völlig anders.

Schon im kommenden Juli/August, so die Mitteilung der Helios-Geschäftsführung an die verdutzten Beschäftigten der Apotheke des Hamborner Krankenhauses, soll diese Einrichtung geschlossen und zur deutlich moderneren Helios-Klinik nach Krefeld verlagert werden. Von der niederrheinischen Nachbarstadt könne nicht nur die komplette Helios-Region Rheinland, sondern auch sehr gut die vier Helios-Standorte in Duisburg mit der notwendigen Medizin versorgt werden.

Medikamente mit beschränkter Haltbarkeit

Jörg Rheinbach* (*Name von der Redaktion geändert), ein sachkundiger Beschäftigter in der Hamborner Helios-Klinik, ist angesichts dieser Haltung des neuen Arbeitgebers, der im Dezember 2011 den völlig maroden katholischen Krankenhausverbund übernommen hat, in heller Aufregung: „Solch ein Haus wie das unsrige hier muss eine Apotheke vor Ort haben!“ Alleine die Patienten der Krebsstation (Onkologie), so Rheinbach, benötigten Medikamente, die oft eine beschränkte Haltbarkeit von nur 45 oder 90 Minuten hätten. Wie man eine solch sensible Fracht immer zum richtigen Zeitpunkt für Patient und für Medikament im Auto von Krefeld nach Duisburg bringen wolle, sei schleierhaft und sei letztlich auch unverantwortlich. Einen Stau auf der Straße dürfe es dann besser nicht geben und der Chemo-Patient müsse dann künftig wohl sehr viel Zeit und noch mehr Geduld aufbringen. Rheinbach: „Hier werden Stammzellen transplantiert, frühgeborene Kinder versorgt - all das bedarf engster Abstimmung mit den Apothekern vor Ort. Will man diese Fachleute künftig erst in Krefeld mal anrufen, wenn sie heute mit am Krankenbett stehen?“ Die verkündete Apotheken-Schließung, so sieht es der beunruhigte Pharmazeut aus Hamborn, sei „eine derart einschneidende Organisationsmaßnahme“, dass dadurch „dauerhaft die Qualität des Krankenhaus-Standortes Helios Duisburg“ berührt sei. Nach dem Verkauf an Helios und der einsetzenden Rationalisierung würden schon jetzt „gute und beste Ärzte“ das Klinikum verlassen und woanders anheuern. Allein dies sei ein bitterer Aderlass, der jetzt durch die geplante Schließung und Verlagerung der Krankenhaus-Apotheke verstärkt werde. „Wir sitzen hier allesamt in einer gefährlichen Abwärtsspirale!“

Das sieht man in der Geschäftsführung des Krankenhauses indes völlig anders. In Deutschland, so ihr Sprecher Felix Lennertz, gebe es etwa 2000 Krankenhäuser und nur rund 400 Klinik-Apotheken. Der überwiegende Anteil der Kliniken werde von nicht am Standort befindlichen Apotheken versorgt. Und: „Im Rahmen der Sterilherstellung von Medikamenten gibt es nur bei sehr wenigen Wirkstoffen eine zeitkritische Komponente, die im Rahmen der logistischen Planung voll berücksichtigt sind.“ Im übrigen sei Helios angetreten, den Duisburger Klinikstandort „medizinisch weiterzuentwickeln und wirtschaftlich langfristig zu sichern.“ Dazu gehöre es, „Doppelstrukturen“ wie zwei Apotheken in unmittelbarer Nachbarschaft abzubauen. Die von der Schließung betroffenen Mitarbeiter würden „attraktive Stellenangebote am Standort Krefeld“ erhalten.

Doppelstrukturen abbauen

Eine Aussage, die von den Betroffenen massiv angezweifelt wird: Sie sind zudem irritierend über den Umgang mit Mitarbeitern, die zum Teil 30 Jahre und mehr im Hamborner Krankenhaus arbeiten. Die 17 Apotheken-Beschäftigten könnten sich auf zehn neue Stellen von Helios Krefeld bewerben? „10 von 17? Bewerben? Wir haben unbefristete Stellen, seit Jahrzehnten!“ Zudem habe Helios beim Kauf den Festangestellten einen Bestandsschutz bis zum 30. Juni 2014 zugesagt. Davon sei hier schon mal keine Rede.

Ein Gewerkschafter, der die alte wie neue Geschäftsführung von St. Johannes bestens kennt, sagt: „Ja, da weht jetzt ein wirtschaftlich brutaler Wind durch die Flure. Den Beschäftigten wird regelrecht Angst gemacht. Sie sollen ihre Verträge besser freiwillig mit Abfindung auflösen, bevor man ihnen am Ende dann doch kündigt.“

 
 

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