Jede fünfte Firma im Ruhrgebiet klagt über Fachkräftemangel

Svenja Aufderheide
Jede fünfte Firma im Ruhrgebiet klagt einer aktuellen Umfrage zufolge über Fachkräftemangel. Jedes dritte Unternehmen sucht zurzeit gut ausgebildete Mitarbeiter. Als Lösung gegen den Fachkräftemangel setzen viele Firmen auf die Weiterqualifizierung ihres Personals und mehr Ausbildung.

Duisburg. 19 Prozent der Unternehmen klagen über Fachkräftemangel. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Konjunktur-Umfrage der Arbeitgeberverbände im Ruhrgebiet, an der sich auch der heimische Unternehmerverband beteiligt hat. 35 Prozent aller Unternehmen suchen zur Zeit branchenübergreifend Fachkräfte, weitere 35 Prozent werden in den nächsten drei Jahren gut ausgebildete Mitarbeiter suchen.

In der Metall- und Elektroindustrie suchen sogar 44 Prozent der Unternehmen. Branchenübergreifend sieht nur rund ein Fünftel der befragten Unternehmen auf absehbare Zeit keinen Fachkräftebedarf.

Offene Stellen können immer seltener besetzt werden

Dabei haben viele Unternehmen schon heute immer öfter Probleme, ihre offenen Stellen zu besetzen. Von jenen Firmen, die aktuell von Fachkräftebedarf berichten, konnten branchenübergreifend über ein Viertel ihre offenen Stellen nicht besetzen, vor allem in den sogenannten MINT-Berufen.

Als Berufe mit Nachwuchssorgen werden unter anderem genannt: Maschinenführer, Ingenieure, Baumaschinenschlosser, Landmaschinenmechaniker, Verfahrensmechaniker Kunststoff- u. Kautschuk, Werkzeugmechaniker, Zerspanungsmechaniker, Elektrotechniker, Prozessleittechniker sowie Gießereimechaniker.

Mädchen für technische Berufe begeistern

„Die aktuelle Konjunktur-Umfrage bestätigt unsere Schwerpunktsetzung beim Thema Fachkräftesicherung“, stellt der Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbands, Wolfgang Schmitz, fest. Für den Unternehmerverband gebe es derzeit insbesondere zwei wichtige Ansatzpunkte: „Wir versuchen, gerade Mädchen zu begeistern, entscheiden sie sich doch noch zu selten für technische Berufe“, führt Schmitz aus.

Die aktuelle Konjunktur-Umfrage zeigt, dass auch in den Unternehmen selbst die Zeichen der Zeit erkannt werden. Branchenübergreifend besteht die „Hitliste“ der geplanten Maßnahmen aus Verstärkung der innerbetrieblichen Personalentwicklung (13 %), aus verstärkter eigener Ausbildung (11 %) und der Verbesserung des Kontakts zu Schulen und Hochschulen (12 %). In der Metall- und Elektroindustrie plant ein hoher Anteil (14 %) mehr Angebote für spezielle Arbeitnehmergruppen.

11 Prozent der Unternehmen wollen verstärkt ausbilden 

Auf die Weiterqualifizierung, vor allem von älteren Arbeitnehmern, setzt auch die Duisburger Agentur für Arbeit, wie deren Sprecher Hans-Georg Grein bestätigt. Daneben hat die Agentur aber auch die vielen Alleinerziehenden im Auge, die eine gute Ausbildung haben. Ihnen gilt, zurück in den Beruf zu helfen, so Grein. Insgesamt sei das Thema in Duisburg hoch aktuell, allein schon des demografischen Wandels wegen.

Neben den vom Unternehmerverband angesprochenen Arbeitsbereich, sieht Grein auch bei den Gesundheitsberufen und bei den Berufskraftfahrern einen Fachkräftemangel. Insgesamt, bilanziert Grein, „können wir gemeldete Stellen besetzten, aber nicht immer sofort und nicht immer mit Bewerbern aus Duisburg.“

"Die Demografie lässt grüßen"

Bei Thyssen-Krupp-Steel ist der Fachkräftemangel noch nicht angekommen, erklärte eine Unternehmenssprecherin der NRZ.: „Wir werden im September mehr als 300 Auszubildende übernehmen.“ Auch halte das Unternehmen intensiven Kontakt zu Schulen und Hochschulen, um gute Bewerber im Akademikerbereich zu kommen. Aber - „Die Demografie lässt grüßen“ - es gebe bereits die ersten Anzeichen. Kamen früher bei TKS 17 Bewerber auf eine Ausbildungsstelle sind es heute „nur“ noch 13 Bewerber.

HKM im Duisburger Süden stellt seinen Bedarf an Fachkräften durch die eigene Ausbildung sicher, sagt Arbeitsdirektor Peter Gasse: „Das schaffen wir zur Zeit“. Aber die Suche nach fähigen Auszubildenden sei schwieriger geworden. Problematisch werde es bei den technischen Ingenieuren. „Wir suchen seit vier Monaten einen Bauingenieur“, nennt Gasse ein Beispiel aus der Praxis. Deshalb stelle das Unternehmen im technisch-akademischen Bereich auch durchaus mehr Personal ein als aktuell benötigt, „um die Qualifikation zu sichern.“

Siemens in Hochfeld hat noch keinen Fachkräftemangel, „aber er wird kommen“, sagt Unternehmenssprecher Georg Lohmann. 80 Prozent der Berufe seien im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich angesiedelt. „Wir leisten hier viel Entwicklungsarbeit für den weltweiten Verdichterbereich.“ Also interessiert sich Siemens vor allem für Maschinenbau- und Elektroingenieure sowie Metall- und Elektrofacharbeiter. Bundesweit verzeichnet Siemens 3000 offene Stellen, in Hochfeld sind es allerdings „0“.