Für Star-Fotograf Gerrit Starczewski zogen sich Tausende freiwillig aus - nun muss er in Duisburg vor Gericht

Auf dem Frequency Festival zogen sich 120 Menschen für das Foto-Projekt NakedHEART aus und bildeten ein riesiges Herz vor der Green Stage.
Auf dem Frequency Festival zogen sich 120 Menschen für das Foto-Projekt NakedHEART aus und bildeten ein riesiges Herz vor der Green Stage.
Foto: imago/ STAR-MEDIA
  • Star-Fotograf Gerrit Starczewski (30) macht seit 2010 das Projekt nakedHEART
  • Menschen lassen sich auf Festivals nackt fotografieren
  • Nun wurde er von einer Teilnehmerin verklagt
  • Denn sie war bei der Teilnahme 2011 noch keine 18 Jahre alt

Circa hundert Menschen. Nackt. Vor der Hauptbühne eines Festivals in Herzformation. So begann das Projekt nakedHEART.

Hunderte Nackedeis für eine bessere Welt

Der Gedanke dahinter: Die Menschen sollen sich wieder auf das Natürliche besinnen. Frei von Kommerz und gesellschaftlichen Schönheitsidealen.

Initiator und Fotograf Gerrit Starczewski trommelt Menschen auf Festivals oder auch auf dem Fußballplatz zusammen und fotografiert sie nackt.

Dabei gehe es nicht um das Sexuelle, erzählt Starczewski im Gespräch mit DER WESTEN. Auch verfolge er keine finanziellen Absichten mit dem Projekt.

Die Fotos, die seit 2010 entstehen, begeistern den Fotografen und die Teilnehmer gleichermaßen. Doch nun muss er wegen einer Aufnahme aus dem Jahr 2011 vor Gericht.

Jeder kann mitmachen, keiner muss

Lena B. (Name geändert) lernt er auf dem Appletree Festival 2011 kennen. Sie ist sofort begeistert von der Idee. „Das war mein zweites NakedHEART“, erzählt er. Er verteilt Flyer an die Festivalteilnehmer. Jeder kann mitmachen, keiner muss.

Lena hilft beim Flyern fleißig mit. Sie nimmt dann nicht nur selbst an der Aktion teil, sondern führt die Nacktformation noch an. Bevor Starczewski die Truppe anfängt zu fotografieren, erklärt er, was mit den Aufnahmen passieren wird.

Alle sind sich bewusst: Starczewski fotografiert und filmt sie splitterfasernackt und verwendet das Material für seine Fotokunst. Die Fotos: ein nackter Traum - und am Ende des Festivals fährt er Lena sogar noch zum Bahnhof. Sie habe gelacht und gestrahlt, erzählt Starczewski. „Es war ein toller, schöner Vibe.“

Drei Monate bis zur Volljährigkeit

Ein paar Wochen nach dem Festival flattert plötzlich ein Brief bei Starczewski ein. Lenas Mutter hält nichts von den Aufnahmen. Das Mädchen ist noch keine 18 gewesen, als Starczewski auf den Auslöser drückte.

Drei Monate fehlten ihr zur Volljährigkeit. Eigentlich hätte sie ohne die Einverständniserklärung ihrer Eltern nicht posieren dürfen.

Er nimmt den Brief nicht ernst - er hatte Lena ja nicht nur über eine Freundin kennengelernt, sondern sie half ihm ja auch noch aktiv bei der Organisation mit.

Amsterdamer Ausstellung wurde zum Verhängnis

Danach hört er weder was von Lena, noch von ihrer Mutter. Starczewski macht weiter mit seiner Kunst. Und die wird immer bekannter. Am Ende hat er sogar eine Ausstellung in Amsterdam. Und mit dabei: ein Foto, auf dem Lena ist.

Darauf sieht man sie, wie sie nackt die Bühne hochklettert. Ihr Gesicht ist nicht zu erkennen, die Haare hängen davor. Das Bild ist eins von vielen, die Starczewski auf dem Festival schoss.

Mehrere Tausend Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld

Sein Ausstellungskatalog ist auch online einsichtbar: das Bild mit Lena ist darin briefmarkengroß verzeichnet.

Ende 2014 hört Starczewski dann wieder von Lena. Es ist ein Anwaltsschreiben. Lena fordert mehrere Tausend Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld.

„Solange ich lebe, stehe ich für meine Ideale ein“

Am 6. März diesen Jahres wird der Fall am Duisburger Landgericht verhandelt. Es ist völlig offen, wie der Richter entscheiden wird. Obwohl man sie auf dem Bild nicht erkennt, stehen die Persönlichkeitsrechte der damals Minderjährigen gegen die Kunstfreiheit des Fotografen.

Starczewski ist sich auf jeden Fall sicher: auch wenn er verurteilt wird, für ihn ist es Kunst. „Solange ich lebe, stehe ich für meine Ideale ein.“

Er will das Projekt auf jeden Fall weiterführen und noch viele Nackedeis vor seine Kamera bekommen.

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