Duisburger Dirigent ist 1. Kapellmeister der Staatsoper Hannover

Rudolf Hermes
Seit Beginn der Spielzeit 2013/14 fungiert der Duisburger Benjamin Reiners als 1. Kapellmeister an der Staatsoper Hannover.
Seit Beginn der Spielzeit 2013/14 fungiert der Duisburger Benjamin Reiners als 1. Kapellmeister an der Staatsoper Hannover.
Foto: Christian Burkert
Weniger Arbeit, mehr Geld, wichtigere Stücke. So fasst der Duisburger Benjamin Reiner augenzwinkernd seine Beförderung zum 1. Kapellmeister der Staatsoper Hannover zusammen. Für den Posten des Generalmusikdirektors will er sich allerdings noch einige Jahre Zeit lassen.

Duisburg. Seit zwei Jahren ist der Duisburger Dirigent Benjamin Reiners an der Staatsoper Hannover engagiert und hat dort ein vielfältiges Repertoire in Oper und Ballett dirigiert. Zur neuen Spielzeit 2013/2014 wurde er zum 1. Kapellmeister befördert. Die Vorteile des Postens fasst er augenzwinkernd zusammen: „Ich habe weniger Arbeit, verdiene mehr Geld und darf wichtige Stücke dirigieren.“

Anstatt 14 Produktionen, die er in der Vorsaison geleitet hat, sind es demnächst nur noch zehn Stücke. Seine wichtigsten Premieren sind Kurt Weills „Street Scene“ (2. November 2013) und Mozarts „Don Giovanni“ (17. Mai 2014). Premieren im Ballett oder in der Jungen Oper wird er hingegen nicht dirigieren, was er bedauert. Die Arbeit in der Kinderoper mache immer viel Spaß, weil dort die Reaktionen des Publikums sehr unmittelbar und spontan seien.

Wichtige Premieren

An der Staatsoper Hannover schätzt Reiners nicht nur das große Repertoire, sondern auch die Zusammenarbeit mit den anderen Dirigenten: „Wir kommen hier sehr freundschaftlich miteinander aus, besuchen unsere Proben und Aufführungen und geben uns Tipps. Das funktioniert nur, wenn man sich vertraut und gut versteht.“

Bevor Reiners den Schritt zum Generalmusikdirektor eines deutschen Opernhauses wagt, möchte er sich aber noch einige Jahre Zeit lassen: „Ich kann den Drang vieler Theater zu einem jungen GMD nicht verstehen. Man benötigt große Repertoire-Kenntnisse, um diesen Posten auszufüllen. Außerdem gibt es viele administrative Aufgaben und man muss psychologisch geschult sein.“

Wichtig für die künstlerische Arbeit sei es, nicht die Bodenhaftung zu verlieren: „Man muss authentisch bleiben und mit beiden Beinen im Leben stehen.“ Deshalb hält sich Reiners stets über das Weltgeschehen auf dem Laufenden und hat auch Freunde, die nicht im Theater arbeiten – was bei den ungewöhnlichen Arbeitszeiten gar nicht so einfach ist.

Die Freizeit verbringt Reiners auf dem Rad und im Fintnessstudio

Seine Freizeit verbringt Reiners auf Radtouren und im Fitnessstudio: „Da trainiere ich vor allem für meine Kondition. Bei einem Abend am Dirigentenpult verbrenne ich mehr Kalorien als bei einer Trainingseinheit.“

Über Eltern und Freunde hält Reiners den Kontakt zu Duisburg, muss aber gestehen, dass das Image der Stadt nicht das Beste sei: „Ich bekomme ich immer wieder Fragen nach der geschlossenen Mercatorhalle oder zu den Sparmaßnahmen bei der Rheinoper zu hören.“ Prägend scheinen aber Reiners Erfahrungen als jugendlicher Besucher des Duisburger Theaters gewesen zu sein: „Als ich meinen ersten Rigoletto dirigiert habe, hatte ich Bilder der Rheinopern-Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle vor Augen. Das passiert mir oft bei Stücken, die ich zuvor oft in Duisburg gesehen hatte.“

Benjamin Reiners machte sein Abitur am Hamborner Abtei-Gymnasium. Von 2003 bis 2007 studierte er Kirchenmusik in Köln, danach folgte bis 2009 ein Kapellmeisterstudium in Detmold. Den evangelischen Kirchenchor Beeck leitete er von 2000 bis 2007, das Jugendorchester Duisburg von 2003 bis 2009. Nach zwei Jahren am Münchener Gärtnerplatztheater ist Reiners seit 2011 an der Staatsoper Hannover engagiert