Duisburg

„Marxloh ist ganz anders, als die Leute denken“- Warum sich dieser Geschäftsmann mächtig über den Ruf seines Viertels ärgert

Selgün Calisir hat seit 25 Jahren eine Lohnsteuerberatungsstelle in Marxloh. Er weiß genau, wie es wirklich um die Kaiser-Wilhelm Straße steht.
Selgün Calisir hat seit 25 Jahren eine Lohnsteuerberatungsstelle in Marxloh. Er weiß genau, wie es wirklich um die Kaiser-Wilhelm Straße steht.
Foto: Madeline Jäger
  • Duisburg-Marxloh genießt einen denkbar schlechten Ruf
  • Geschäftsmann Selgün Calisir erklärt, warum das Unsinn ist

Duisburg. Vereine, Kaufleute, Brautmodengeschäfte und eine Lohnsteuerberatungstelle in Duisburg-Marxloh? Selgün Calisir steht stolz vor seinem Laden auf der Kaiser-Wilhelm Straße. Er steht auf der Straße eines Stadtteils, der mittlerweile deutschlandweit vor allem für seine Brennpunkt-Qualitäten bekannt ist.

Calisir deutet auf die vielen Geschäfte, die die Kaiser-Wilhelm-Straße ausmachen. Von überall her kommen eine Menge Besucher, um sich die Brautmodenmeile in der Nachbarstraße, der bekannten Weserstraße anzuschauen.

„Wir konzentrieren uns hier alle nur auf unser Geschäft“

„Wir konzentrieren uns hier alle nur auf unser Geschäft“, sagt Selgün Calisir. Auch gegen die Vermüllung der Straßen hätte die Stadt vor langer Zeit schon durchgegriffen, das zeige Wirkung. „Manchmal sammeln wir Geschäftsleute auch Müll auf, die Kunden müssen eine ordentliche Straße vor sich haben“, erklärt Calisir. Seit 1992 leitet er eine kleine Lohnsteuerberatungsstelle in Duisburg-Marxloh.

Seit zehn Jahren keine Demonstrationen und Ausschreitungen mehr

Vor zehn Jahren habe es regelmäßig Demonstrationen und Ausschreitungen auch auf seiner Straße gegeben. Jetzt hätte sich die Situation aber schon seit zehn Jahren beruhigt.

„Von den Konflikten zwischen Türken und Kurden bekommen wir hier gar nichts mit“, betont Calisir. Auch der Millitäreinsatz der Türkei in Syrien spiele auf den Straßen von Marxloh keine Rolle.

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Früher viele Konflikte: „Auf der Straße brannte offenes Feuer“

Im hinteren Teil der Straße gibt es ein kurdisches Kulturzentrum. Da sei es ruhig. Früher habe es hier viele politische Vereine in der Straße gegeben. „Vor zehn Jahren gab es hier viele Konflikte mit Randgruppen, fast jede Woche“, erklärt Calisir.

„Damals brannte hier auf der Straße offenes Feuer.“ Jetzt seien die Vereine zum Beispiel durch Kioske und andere Läden ersetzt worden.

Kein Streit, sondern Konzentration auf florierenden Einzelhandel

„Sehen sie hier Ausschreitungen und Schlägereien?“, fragt Calisir genervt. Marxloh sei komplett anders als viele denken. Die vielen Familien, die hier leben, würden sich ansonsten schließlich nur fürchten.

„Wichtig sind uns hier die Kunden und dass die Läden in Marxloh gut laufen. Wir konzentrieren uns hier ganz interkulturell auf unsere Kunden“, sagt Calisir und deutet auf die vielen Schilder in unterschiedlichsten Sprachen; sie hängen für jedermann sichtbar an der Hausfassade seiner Beratungsstelle. Ob Lohnsteuer, Hartz IV oder Arbeitslosengeld, jeder kann sich hier auf allen möglichen Sprachen zu seiner persönlichen Situation beraten lassen.

„Was interessiert uns, wie sich die Türkei politisch entwickelt?“

Für das, was in der Türkei und in Syrien passiert, interessieren sich die Marxloher Geschäftsleute wenig, weiß Calisir. Keiner sei motiviert zu demonstrieren, das passiere anderswo im Ruhrgebiet. „Was interessiert uns, wie sich die Türkei politisch entwickelt? Wir wollen unsere Brötchen verdienen, darum geht es“, sagt Calisir.

Viel Zeit hat er nicht mehr, denn er muss schnell wieder zurück in seinen Laden: Die Kunden warten.

 
 

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