Bilder von Gefahr und Lebensmut bei Filmwoche

Anne Horstmeier
„Ausgänge“ ist das Motto der 39. Duisburger Filmwoche. Festivalleiter Werner Ruzicka, Ministerin Christine Kampmann und Kulturdezernent Thomas Krützberg (v.l.) am Eröffnungsabend.
„Ausgänge“ ist das Motto der 39. Duisburger Filmwoche. Festivalleiter Werner Ruzicka, Ministerin Christine Kampmann und Kulturdezernent Thomas Krützberg (v.l.) am Eröffnungsabend.
Foto: FUNKE Foto Services
Zur Eröffnung der 39. Filmwoche in Duisburg lief der Film „Arlette – Mut ist ein Muskel“. Er zeigt auch Krieg und das Elend, das er auslöst.

Duisburg. „Ein Programm zum Mitfühlen und Mitdenken“ hatte Festivalleiter Werner Ruzicka angekündigt, bevor sich der Vorhang für den Eröffnungsfilm der 39. Duisburger Filmwoche öffnete. Wohl wissend, dass „Arlette – Mut ist ein Muskel“, der als Deutsche Erstaufführung lief, genau das einlösen würde. Und darüber hinaus das große Thema Flucht berührte, das eine Rolle spielte sowohl in den Reden des Eröffnungsabends im Filmforum als auch als ein Aspekt der Globalisierung im Festivalprogramm.

Warum Menschen ihre Heimat verlassen

Zwar geht es in Florian Hoffmanns Film nicht um Flucht, sondern um ein Mädchen aus der Zentralafrikanischen Republik, das in Deutschland an einer Schussverletzung ihres Knies behandelt wird. Aber der Film zeigt zugleich den wichtigsten Grund, warum Menschen ihre Heimat verlassen: Krieg und alles Elend, das er schon immer ausgelöst hat und weiter auslöst. Gegenwärtig eben auch in Ländern, die als Staaten gescheitert sind. Wie der Zentralafrikanischen Republik. „Im gesamten Land besteht die Gefahr, Opfer von Gewaltkriminalität (Entführungen, Plünderungen, Straßenüberfälle) und von militärischen Handlungen zu werden“, heißt es in der aktuellen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Arlette ist ein einheimisches Opfer. Der Schuss, der ihr Knie verletzt hat, ist ohne medizinische Versorgung schlecht verheilt, das Bein ist unbeweglich und schmerzt. Der Film begleitet die 15-Jährige beim Abschied aus ihrem Dorf, beim Flug nach Berlin, wo sie operiert wird, und bei der Reha in Brandenburg. Er zeigt ihre Furcht vor der Operation, ihr Gefühl von Fremdheit und die Mühen, sich zurecht zu finden ohne Deutschkenntnisse. Er zeigt ihr Heimweh, ihren Kampf, ihre Erfolge, ihre Neugier, ihre Freude und ihren Lebensmut.

Wir reden von Flüchtlingen, wir sollten von Menschen reden“

Aber als sie schließlich so weit genesen ist, dass sie zu ihrer Familie zurück kehren kann, sind in ihrer Heimat wieder Kämpfe ausgebrochen. Ihr Vater sei verletzt worden, erfährt sie. Ihre Familie will, dass sie bleibt, wo sie in Sicherheit ist. Arlette ist verzweifelt, wochenlang wartet sie auf ihre Abreise. Endlich erfährt sie, dass ihre Familie sie am Flughafen abholen wird und ist überglücklich.

Was wird aus Arlette in einem Land, in dem Frieden unmöglich erscheint? Und was wird aus den Menschen, die vor Kriegen nach Europa fliehen und abgewiesen werden? „Wir reden von Flüchtlingen, wir sollten von Menschen reden“, hatte Ruzicka gesagt.

„Beschämend und traurig“, findet Christina Kampmann die Bilder von erschöpften Kindern, die sich mit Pappkartons vor Kälte schützen, sagte die neue NRW-Kulturministerin, die seit ihrem Amtsantritt „noch in keiner Stadt so oft war wie in Duisburg“. Das zeige, dass „viel passiert, was über die Stadt hinaus strahlt“. Bei der Filmwoche seien „tiefere Bilder“ zu sehen, „die nicht nur beobachten, sondern auch reflektieren lassen“, so die Ministerin.

Kulturdezernent Thomas Krützberg nannte die Filmwoche „einen Lichtblick im November“.