Teures "U" - Politiker fürchten um Dortmunds Kulturbetriebe

Nadine Albach
Foto: WR RALF ROTTMANN

Dortmund. Unruhe um das "U": Dortmunds Grüne und die CDU kritisieren mangelhafte Transparenz bei den Kosten für Umbau und Betrieb des U-Turms. Das Projekt droht, zu teuer zu werden. Die Politiker rechnen nun mit spürbaren Einschnitten bei den Kulturbetrieben.

In der Diskussion um das Dortmunder "U" fordern die Grünen Klartext - sowohl bei der Frage, wie die Mehrkosten finanziert werden sollen, als auch bei der Benennung der Gesamtbaukosten, die Fraktionsvorsitzender Mario Krüger mit circa 65 Millionen taxiert. Die „Kostensteigerungen nicht nur bei den Investitionen, sondern auch bei den Betriebskosten” seien „immens”.

Nicht mehr als 50 Millionen

Um eine aufwendige EU-Prüfung zu umgehen, dürfen die Kosten für den Umbau 50 Millionen Euro nicht überschreiten. Kulturdezernent Jörg Stüdemann spricht von „großer Schlitzohrigkeit” und „bösartiger Irreführung der Öffentlichkeit”: Krüger habe Kosten addiert, die unabhängig von der Förderung durch EU und Land durch die Stadt finanziert würden - wie etwa die Dach- und Fachsanierung. Krüger will natürlich auch keine EU-Prüfung. Ihm geht es darum, „dass wir belastbare Zahlen bekommen. Also wo geht die Reise hin?”

Von 51,7 Millionen Euro auf nun 66,7 Millionen Euro seien die Kosten für Investitionen und Betriebskosten gestiegen, rechnet die CDU in einem Antrag für die Ratssitzung am Donnerstag vor. Den Kern des Problems sieht Ulrich Monegel, Vorsitzender CDU-Ratsfraktion, darin, dass die Eckdaten für den Umbau des U auf der Nutzung als reines Museumsgebäude basiert hätten. „Jetzt haben wir ein Konzept von hoher Komplexität mit verschiedensten Nutzern.”

Entsprechend fordert die CDU wie die Grünen ein Konzept zur Finanzierung der zusätzlichen Kosten - weil sie mit spürbaren Einschnitten bei den Kulturbetrieben rechnen. „Wir drohen, die Kulturbetriebe kaputt zu sparen, ohne, dass wir mehr als einen Rohbau präsentieren können und langfristige Effekte gesichert haben”, so Monegel. Sein Vorschlag: Eine dauerhafte finanzielle Beteiligung des Landes. Und zunächst eine Eröffnung „mit reduziertem Programm”, möglichst auf den beiden Museums- und der Wechselausstellungsetage.

"Mein Termin ist immer schon der 28. Mai gewesen"

Andere Ideen haben die Grünen: Sie fordern eine stärkere Einbeziehung der Politik beim „U”-Lenkungsgremium, dem Zentrumsrat. Und wollen den Turm als „Kunstbaustelle” präsentieren, mit Begleitprogramm am Bau und Transfer zu anderen Veranstaltungen. „Es sollte nichts versprochen werden, was nicht sicher eingehalten werden kann”, so der kulturpolitische Sprecher Jürgen Brunsing. „Wichtig ist es, Dortmund im Rahmen der Kulturhauptstadt gut darzustellen.” Stüdemann hingegen hält nichts von dem Plan B: „Es geht doch nicht, dass wir auf den letzten Metern völlig kopfscheu werden.” Es sei ein völlig falsches Signal an die Bauarbeiter, die „Tag und Nacht rackern”, jetzt das Tempo herauszunehmen.

Auch die ausführenden Kräfte versuchen, ruhig Blut zu bewahren: Hieß es noch Anfang Februar in einer nicht-öffentlichen Vorlage an den Rat, dass beim Zeitplan eine erneute Kälteperiode „nicht mehr kompensiert werden” könne, scheint der andauernde Schnee keine größeren Konsequenzen zu haben. „Natürlich hat das Einfluss auf den Fortschritt der Bauarbeiten”, räumt Ingo Schmitt, Sprecher von Gerber Architekten ein. Trotzdem stehe der 9. Mai als Eröffnungsdatum für die ersten drei Etagen in Messebaustandard nicht zur Disposition.

Regisseur Adolf Winkelmann hingegen kalkuliert mit einem anderen Datum: „Mein Termin ist immer schon der 28. Mai gewesen.” Die Bauleute müssten ihre Arbeit erst soweit fertig gestellt haben, dass „wir die Technik einrichten können.” Winkelmann will die Außen- und Inneninstallation nicht getrennt eröffnen. „Wenn ich das zeige, dann alles auf einen Schlag.”