Sierau und Bollermann „hätten Envio-Gelände längst saniert“

Gerald Nill
Ullrich Sierau und Gerd Bollermann erheben schwere Vorwürfe gegen Envio.
Ullrich Sierau und Gerd Bollermann erheben schwere Vorwürfe gegen Envio.
Foto: Georg Hennecke
„Wenn es nach uns ginge, wäre das Envio-Gelände längst PCB-saniert.“ Das erklärten am gestrigen Montag unisono Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann und Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

Dortmund. Zur langatmigen Sanierung des PCB-verseuchten Geländes der Dortmunder Skandalfirma Envio meldeten sich nun Arnsbergs Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann und Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau zu Wort. Das Amtsgericht müsse dringend in dem Insolvenz-Verfahren der Envio Recycling entscheiden. Erst dann gebe es Gewissheit, hieß es gestern bei der Unterzeichnung der Vertragsverlängerung um ein Jahr mit Erwin Pfänder als Ombudsmann für die PCB-Opfer.

Zum Stand der Dinge informierte Dr. Gerd Bollermann: „Die Bezirksregierung hat die Sanierung des Geländes am 29. Juni angeordnet." Daraufhin habe Envio eine französische Firma als möglichen PCB-Sanierer benannt.

„Wir prüfen dieses Angebot gerade intensiv“, so Bollermann. Parallel werde aber auch eine europaweite Ausschreibung weiter vorangetrieben. Zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens erklärte der RP: „Uns wäre wohler, wir hätten bereits einen Termin oder die Gewissheit eines starken Insolvenzverwalters.“

Das Amtsgericht müsse „bald“ entscheiden, macht er Druck. Und der OB ergänzt: „Es kann doch keinem mehr vermittelt werden, dass dort noch nicht längst saniert worden ist.“

30 Verfahren bei Gerichten anhängig

Envio werfe den Behörden Knüppel zwischen die Beine, wo immer es gehe. „Jede Anordnung der Bezirksregierung wird beklagt.“ Es seien mittlerweile 30 Verfahren in Sachen Envio bei Amtsgericht, Landgericht und Verwaltungsgericht anhängig.

Ombudsmann Erwin Pfänder wertet dies als Teil einer „Verzögerungstaktik“ seitens Envio. Aus einem Verfahren berichtete Pfänder, es sei ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen, mit welcher Dreistigkeit die Firma den PCB-Opfern vorwerfe, sie hätten doch gewusst, mit welch’ gefährlichen Stoffen sie hantierten.

Dieser Ombudsmann soll nach dem Willen von Stadt und Bezirksregierung weitermachen. Er genieße das Vertrauen der Betroffenen. Viel besser als eine Behörde, könne er auf die Sorgen und Nöte der Betroffenen eingehen. Pfänder verhandelt die Interessen der über 20 Leute gegenüber Ämtern und Krankenkassen, Ärzten und Arge, Berufsgenossenschaften und Polizei. Und schlichtet letztlich sogar bei familiären Krisen, die nicht zuletzt durch die belastende Situation entstanden sind.

Die Krebsgefahr und die Ängste stellen eine erste Belastung dar, so Pfänder. OB Sierau pflichtete bei: „Es ist noch ein weiter Weg.“ Es sei noch nicht absehbar, welche Spätfolgen das PCB für die Betroffenen habe, ergänzte Pfänder.

Beratungsstelle für Betroffene gefordert

Er fordert die Einrichtung einer unabhängigen Beratungsstelle für die Betroffenen. Außerdem solle die Landesregierung einen Härtefallfonds für die In Not geratenen Betroffenen auflegen.

In einem Milliarden-Etat müsse ein Posten von 100.000 Euro noch möglich sein, meinte Pfänder.