Nazis drohen Anmelderin von Flüchtlings-Demo

Weil sie eine Unterstützungs-Demo für Flüchtlinge angemeldet hat, ist die Westerfilderin Dorothea Moesch ins Visier von Neonazis geraten. Die Rollstuhlfahrerin bekam Anrufe mit Todesdrohungen. Wie die Rechtsradikalen an ihren Namen und ihre Telefonnummer kamen, beschäftigt nun die Polizei.

Westerfilde. "Die Angst sitzt tief", sagt Dorothea Moesch. Angst gemacht haben ihr zwei Anrufe, die sie am vergangenen Dienstag bekam, an dem Tag, als Moesch und rund 60 Mitstreiter in Oestrich demonstrierten, für Flüchtlinge und gegen Neonazis. Etwas entfernt hetzten rund 30 Rechtsextremisten gegen Ausländer.

"Du Hexe wirst brennen!", drohte ihr eine verzerrte Stimme noch während der Demo, im Hintergrund war Gegröle zu hören. Dann, spätabends, klingelte das Telefon wieder: "Wir stehen vor deiner Tür", sagte eine hasserfüllte männliche Stimme. Moesch rief sofort den Notruf, die Polizei schickte einen Streifenwagen vorbei. Der Anruf stellte sich als leere Drohung heraus.

Anmeldebescheid bei Twitter veröffentlicht

Die Todesdrohungen waren möglich, weil den Rechtsextremen Moeschs Demo-Anmeldung in die Hände gefallen war. Zu Beginn der Demo am Dienstag veröffentlichte die Neonazi-Splitterpartei "Die Rechte" ein Foto vom Anmeldebescheid des Gegenprotests beim Kurznachrichtendienst Twitter im Internet.

Darauf deutlich zu lesen: Moeschs Daten. Kurz darauf nannten die Neonazis nochmals gesondert die Telefonnummer, mit der ironischen Anmerkung, sie nicht anzurufen: "Ihr wollt doch die linke Versammlungsleiterin nicht nerven … " Inzwischen ist die Nachricht gelöscht.

"Soko Rechts" ermittelt

Nun rätselt Moesch, wie die Rechtsradikalen an ihre Anmeldung kamen. Das interessiert auch die Polizei: Noch am Tag der Drohanrufe nahm die "Soko Rechts" die Ermittlungen auf. "Bei welcher Gelegenheit das Foto mit dem Bescheid entstand, ist Gegenstand der Ermittlungen", sagt Nina Vogt von der Pressestelle der Polizei.

Egal was die Ermittlungen bringen werden: Moesch will sich weiter gegen Neonazis einsetzen. "Ich werde mich nicht einschüchtern lassen." Am Samstag war sie wieder auf der Straße - in Eving, Huckarde und im Kreuzviertel demonstrierte sie gegen drei kaum beachtete Neonazi-Mahnwachen.

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