Juicy Beats soll „grünes Festival“ werden

Das Dortmunder Juicy Beats, größtes Festival für elektronische und alternative Musik in NRW, will zum „grünen“ Festival werden. Foto: WAZ-Fotopool/Vossgraff
Das Dortmunder Juicy Beats, größtes Festival für elektronische und alternative Musik in NRW, will zum „grünen“ Festival werden. Foto: WAZ-Fotopool/Vossgraff
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Dortmund.. Das Juicy Beats soll zum „grünen Festival“ werden – mit Ökostrom, regionalen Produkten und weniger Müll. Aber die Idee steckt noch in den Kinderschuhen: Bei der 16. Auflage am 30. Juli gibt’s Öko vorerst nur in Ansätzen.

Keine Frage: Ein grünes Festival entspricht dem Zeitgeist. Das ist auch den Organisatoren des Juicy Beats bewusst, das am 30. Juli zum 16. Mal den Westfalenpark aufmischt. „Und das hat nicht nur Imagegründe“, versichert Mit-Veranstalter Paul Baranowski von der Stadt Dortmund. „Wir stehen auch voll dahinter.“

Denn eines müsse jedem klar sein: Eine Veranstaltung dieser Größenordnung (25.000 Besucher) verbrauche nun einmal Ressourcen – und die müsse man nachhaltig nutzen. Andere große Festivals wie Melt, Wacken oder Rheinkultur machen es vor. Und um ihre Bemühungen auch nach außen zu tragen, bemühen sich die Dortmunder derzeit um eins der Umweltschutz-Siegel wie „Green Events“, „Green Rocks“ oder das „Sounds for Nature“ des Bundesamts für Naturschutz.

Festival-Experte Baranowski ist überzeugt, dass der grüne Touch den Nerv der Festival-Besucher trifft. Die Zielgruppe sei ohnehin fürs Thema Umweltschutz sensibilisiert – und wer es noch nicht ist, auf den färbe die Idee womöglich ab. Ein Festival mit Vorbild-Charakter also.

Festival mit Ökostrom und Bio-Imbiss?

Strom: Das Ziel ist klar: Ökostrom. Und obwohl Wechseln doch eigentlich so leicht ist, wird das Juicy Beats 2011 noch konventionell bestromt – zumal der Westfalenpark als „Verteiler“ keinen Ökostrom bezieht. „Aber für 2012 finden wir eine Lösung finden“, ist sich Baranowski sicher. Auch an eine Solaranlage wie beim Melt-Festival haben die Organisatoren schon gedacht. „Das ist durchaus nachdenkenswert, vor allem, wenn die Anlage vom Westfalenpark weitergenutzt wird.“

Essen: Bio-Lebensmittel gibt’s bislang auf dem Juicy Beats nicht. Aber wenn sich ein Anbieter findet – Baranowski nähme ihn mit Kusshand. Das gleich gelte für fair gehandelte Produkte wie Kaffee. Andere Festivals setzen auf Anbieter, die ihre Zutaten überwiegend aus der Region beziehen. Auch da werde man in Zukunft die Augen offen halten und nach Partnern suchen.

Müll: Müllvermeidung ist schon lange ein Thema beim Juicy Beats. „Ein Pfandsystem für Getränkebecher haben wir schon, und dieses Jahr sind zum ersten Mal alle Gastronomen dabei.“ Aber wie sieht’s mit Mehrwegtellern aus? Schwierig, weiß Baranowski. Denn für die vielen kleinen Imbisse lohnen sich teure Teller nicht. Deshalb suche man nach einem „Generalanbieter“, der ab 2012 alle Gastronomen unter einen Hut bringt – unter anderem mit einem Pfandsystem. Übrigens: Bratwurst-Buden sind schon jetzt angehalten, nur ein Brötchen dazuzugeben und auf Pappteller zu verzichten. Mit der Mülltrennung sieht’s weniger gut aus: „Die Leute halten sich ohnehin nicht dran“, vermutet Baranowski. Nur in den Glasbehältern am Eingang wird getrennt. Glas ist im Park tabu und wird eingesammelt. Die Pfandflaschen werden von Mitarbeitern des städtischen Sozialprojekts „Grünbau“ aussortiert – den Erlös fließt in das Projekt. Das restliche Glas landet im Container. Ansonsten setzen die Veranstalter auf große, gut platzierte und einfach nutzbare Mülleimer ohne Deckel. So landet der Müll zumindest nicht in den Rabatten.

Anfahrt/Logistik: Das wichtigste gibt’s beim Juicy Beats schon länger: ein Kombiticket inklusive Anreise im VRR – Standard bei vielen Festivals, Konzerten und Sportveranstaltungen, aber eben nicht bei allen. Ein weiterer Punkt: die Logistik. „In der Auf- und Abbauphase rollen Tausende Lkw über das Gelände“, weiß Baranowski. Schlecht fürs Grün – noch schlechter für die Luft. Um CO2 zu vermeiden, haben die Veranstalter die Transporte besser koordiniert, legen Fahrten zusammen, weisen die Fahrer besser ein. Auf die Anreise der Künstler haben die Organisatoren natürlich keinen Einfluss. „Von vielen DJs weiß ich aber, dass sie mit der Bahn kommen“, meint Baranowski. Aus dem Ausland wird das allerdings beschwerlich. Aber daran lässt sich auch künftig nichts ändern...

Chemie: Chemie-Klos sind auf dem Juicy Beats kein Thema. Die Veranstalter setzen seit Jahren auf „echte“ Toiletten-Wagen mit Anschluss ans Abwassersystem. 2011 gibt’s sogar doppelt so viele Anlage als sonst. Das hält hoffentlich den ein oder anderen vom Gang ins Gebüsch ab.

Lärm: Für die Lautstärke gibt’s klare Auflagen vom Ordnungsamt. „Aber an vielen Stellen unterschreiten wir die Dezibel-Grenzen“, erklärt Baranowski. Durch moderne Technik, gezielten Technik-Einsatz und bessere Ortswahl für die Floors habe man den Lärm in den vergangenen Jahren schon deutlich reduziert. Und um wirklich sicher zu gehen, dass es nicht zu laut wird, sind ständig Mitarbeiter mit Messgeräten unterwegs und drosseln wenn nötig die Lautstärke. Einigen DJs gefällt das allerdings gar nicht...

Beim Juicy Beats 2012 wird das Festival richtig grün

Während bei der 16. Auflage des Festivals erst ein paar dieser Ideen umgesetzt werden können (größere Müllbehälter, Pfandbecher, VRR-Ticket, Glas), soll’s ab 2012 die volle Dröhnung in Grün geben. Außerdem, kündigt Baranowski an, ließen sich all diese Visionen auch auf andere Veranstaltungen anwenden – eben immer dort, wo viele Menschen im Freien zusammenkommen, wie bei „Rock in den Ruinen“ oder dem Lichterfest.

Und was kostet das alles? „Klar, je besser wir es machen und je umweltfreundlicher wir werden, desto teurer wird’s“, gibt Baranowski zu. VRR, Ökostrom und größere Müllbehälter haben eben ihren Preis – das Pfandsystem dagegen trägt sich selbst. Aber was heißt das alles für den künftigen Ticketpreis? Das Juicy Beats liege bei den Tickets ohnehin am untersten Rand. Wenn man da für Umweltschutz 50 Cents aufschlage, vermutet der Festival-Experte, werde das kaum jemanden stören.

 
 

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