Dortmund

„Hätte ich das gewusst, hätte ich das nicht gemacht“ - was wurde eigentlich aus 1.000 geplanten Stellen bei Amazon in Dortmund?

Der Internetriese Amazon hat seit Oktober 2017 in Dortmund ein Logistikzentrum in Betrieb genommen: 1.000 Arbeitsplätze sollten neu geschaffen werden. Wie ist nun der Stand der Dinge?
Der Internetriese Amazon hat seit Oktober 2017 in Dortmund ein Logistikzentrum in Betrieb genommen: 1.000 Arbeitsplätze sollten neu geschaffen werden. Wie ist nun der Stand der Dinge?
Foto: dpa
  • Neues Amazon-Logistikzentrum in Dortmund
  • Was ist aus den 1000 neu geplanten Stellen geworden?
  • Verdi Dortmund: „Mitarbeiter haben Angst“

Dortmund. Im Oktober 2017 ging ein neues Amazon-Logistikzentrum in Dortmund in Betrieb. Das Unternehmen wollte dafür ganze 1000 neue Mitarbeiter einstellen.

Dabei hätten laut Amazon auch unbefristete Stellen in Vollzeit besetzt werden sollen, die jedoch eine höhere Qualifizierung erfordert hätten. Damals mutmaßten Kritiker, dass Amazon nur vorübergehend Mitarbeiter für das anstehende Weihnachtsgeschäft suchte - und eben keine langfristigen Mitarbeiter.

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Mehr Stellen als geplant geschaffen: Doch zu welchen Bedingungen?

„Ja, wir hatten zunächst die Schaffung von 1.000 Stellen innerhalb des ersten Betriebsjahres angekündigt. Wir konnten nun bereits innerhalb der ersten drei Monate unsere ursprüngliche Prognose deutlich erhöhen und 800 Positionen mehr besetzen,“ so Amazon-Sprecherin Antje Kurz-Möller.

Aber: Alle Verträge für die frisch gesuchten Dortmunder-Mitarbeiter begannen im Oktober 2017 und dauerten lediglich bis zum 31. Dezember 2017 an. Die 1.000 neu eingestellten Mitarbeiter im Logistikbereich hatten somit nur einen Dreimonatsvertrag.

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„Hätte ich das gewusst, hätte ich das nicht gemacht.“

Diese Praxis lässt jedoch auch Raum für Kritik in Dortmund. Karsten Ruprecht, der zuständige Gewerkschaftssekretär bei Verdi steht mit einigen der betroffenen Amazon-Mitarbeiter in Kontakt. Er bekommt dadurch mit, was ein Dreimonatsvertrag für die Mitarbeiter bedeutet.

„Ich habe mit Menschen gesprochen, die extra für den Job nach Dortmund gezogen sind. Die Angestellten haben mir gesagt: Hätte ich das mit der Befristung gewusst, hätte ich das nicht gemacht.“

Die Versandmitarbeiter hätten außerdem Angst sich zu organisieren und einen Betriebsrat zu gründen. „Gerade bei einem so kurz befristeten Vertrag befürchten die Amazon-Mitarbeiter, dass ihr Vertrag dann erst recht nicht verlängert wird,“ so der Gewerkschaftssekretär.

„Unbefristete Verträge sind der deutlich geringerer Anteil“

Amazon allerdings betont: 90 Prozent der neuen Logistikmitarbeiter hätten zu Beginn des Jahres 2018 einen auf ein Jahr befristeten Vertrag erhalten, zehn Prozent einen Halbjahresvertrag. „Die meisten Stellen sind für Logistikmitarbeiter, die für die Warenein- und ausgänge zuständig sind,“ so Kurz-Möller.

Einige wenige Mitarbeiter, so der Konzern, hätten auch gar keinen neuen Vertrag bekommen. Dies sei oft auch aus persönlichen Gründen passiert, sagt die Amazon-Sprecherin.

Auf die Frage zum Amazon-Vorhaben aus dem letzten Jahr, vor allem auf unbefristete Verträge für Mitarbeiter setzen zu wollen antwortet Kurz- Möller: „Sicher gibt es auch einige unbefristete Verträge mit den Mitarbeitern in Dortmund. Die sind der deutlich geringere Anteil.“

Amazon: „Langfristig wird es mehr unbefristete Stellen geben“

Amazon plane in Dortmund aber schon, „so wie an anderen Standorten auch“ langfristig mehr unbefristete Stellen zu vergeben, sagt die Sprecherin. Dabei habe man sich die Marke 80 Prozent zum Ziel gesetzt.

 
 

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