Flughafen Dortmund will für EU-Beihilfen Stellen sparen

Der Flughafen Dortmund muss sparen, um eine Chance auf EU-Beihilfen zu haben.
Der Flughafen Dortmund muss sparen, um eine Chance auf EU-Beihilfen zu haben.
Foto: ddp
Der defizitäre Flughafen Dortmund macht sich fit für Verhandlungen mit der EU: Um von Umstrukturierungsbeihilfen aus Brüssel zu profitieren, stehen mehrere Abteilungen auf der Abschussliste — mit rund 100 Mitarbeitern. Zudem droht ein Notlagentarif.

Dortmund. Der Flughafen und seine Muttergesellschaft, die Dortmunder Stadtwerke (DSW21), bereiten sich weiter auf die Verhandlungen mit der Europäischen Union (EU) vor, um in Brüssel so genannte Umstrukturierungsbeihilfen für den dauerdefizitären Airports anzapfen zu können.

Um die Wettbewerbshüter gnädig zu stimmen, hat sich jetzt ein Kreis von Flughafen- und DSW-Leuten auf eine „Liste der Grausamkeiten“ mit einschneidenden Maßnahmen verständigt. Grundlage dieser Liste ist ganz offensichtlich ein Gutachten, das bereits im vergangen Jahr im Auftrag der Stadtwerke auf der Suche nach Einsparpotenzial am Dortmund Airport fündig wurde. Nun konkretisiert sich das Vorhaben.

Demnach sollen wichtige Bereiche am Flughafen privatisiert und ausgeschrieben werden - betroffen wären etwa ein Drittel der gut 300 Beschäftigten.

20 Mio. Euro Verlust

Wie berichtet, waren die Stadtwerke im Januar bei der Brüsseler EU-Kommission vorstellig geworden. Sie hatten dafür geworben, die EU möge ihre Prüfverfahren gegen den Flughafen wegen möglicher Wettbewerbsverstöße einstellen. Umgekehrt werde man daran arbeiten, den Flughafen, der pro Jahr rund 20 Mio Euro Verlust macht, im Sinne der EU wirtschaftlicher zu betreiben. Und zwar so, dass am Ende des Prozesses ein EU-Betriebsergebnis herauskommt, das mindestens ausgeglichen ist.

  • Ganz oben auf der Giftliste steht der eher kleine Cargo-Bereich mit 15 Mitarbeitern. Er soll notfalls komplett aufgegeben werden.
  • Auch der Bereich Passage/Gepäckermittlung mit 29 Mitarbeitern steht zur Disposition. Auf Verlangen der EU ist man bereit, den gesamten Bereich auszuschreiben und an private Interessenten zu übergeben, wo vermutlich niedrigere Löhne gezahlt werden.
  • Auch die Gepäckabfertigung mit 23 Mitarbeitern soll an private Dienstleister vergeben werden.
  • Treffen kann es auch jene gut 50 Beschäftigten in der Verwaltung: Sie könnten, so die Überlegung, zu den Stadtwerken wechseln und dort als Dienstleister für den Flughafen tätig werden, dem die erbrachten Leistungen anschließend in Rechnung gestellt werden - zu geringeren Kosten als bislang.
  • Sollte das alles nicht reichen, soll am Airport auf einen Notlagentarif umgeschaltet werden, der im Kern aus einer Stunde Mehrarbeit pro Woche besteht.

Unter dem Strich will man mit der „Giftliste“ pro Jahr rund zwei Mio Euro sparen, um das Flughafen-Ergebnis den Anforderungen der EU gerecht zu machen. Ob sich Brüssel im Gegenzug einverstanden erklärt, ihre Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht einstellt und die Verlustübernahme durch die Stadtwerke auch die nächsten Jahre absegnet: All das ist offen. Einen Gesprächstermin in Brüssel gibt es nicht. Ein anderes Szenario haben die Akteure übrigens verworfen: die Schließung des Flughafens.

 
 

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