Dortmunder U-Turm schluckt noch mehr Geld

Michael Kohlstadt
Leuchtturm oder Fass ohne Boden? Das Dortmunder U. Bild: Helmuth Voßgraff /WAZ-Fotopool
Leuchtturm oder Fass ohne Boden? Das Dortmunder U. Bild: Helmuth Voßgraff /WAZ-Fotopool
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund. Wird der U-Turm zum Fass ohne Boden? Nicht nur die Investitionkosten laufen der Stadt davon — sondern auch die Betriebskosten. Jetzt tut sich offenbar ein neues Defizit von etwas über 1,7 Millionen Euro auf.

Anders als geplant wird der 70 Millionen Euro teure U-Turm das ansonsten ausgeglichene Betriebsergebnis der Dortmunder Kulturbetriebe für das Jahr 2010 nun doch mit einem Millionenbetrag belasten. Das geht aus Unterlagen hervor, über die der Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit am kommenden Dienstag beraten soll. Nicht nur als Investitionsobjekt, auch im Betrieb laufen der Stadt zurzeit die Kosten des Kreativzentrums davon.

Stadtdirektor Jörg Stüdemann betonte auf WAZ-Nachfrage, bei dem neuen Defizit von etwas über 1,7 Millionen Euro handele es sich um eine einmalige Deckungslücke. Der laufende Betriebsaufwand werde in Zukunft „deutlich darunter liegen.“

In ihrem Papier begründet die Verwaltung die Mehraufwendungen mit den außerordentlichen Kosten, die durch die anhaltende Bautätigkeit auf einzelnen U-Etagen entstanden sind. Eine Deckung aus dem Wirtschaftsplan der Kulturbetriebe sei nicht darstellbar. Das Geld muss nun die Stadt in den Kulturbereich pumpen - und zwar zusätzlich zu den knapp 2 Millionen Euro, die die Kulturbetriebe für 2010 ohnehin von der kommunalen Mutter als Zuschuss bekommen, um den Betrieb des Turms in Gang zu halten.

Einmalige Geldspritze — oder auch in den Folgejahren?

Ob es sich tatsächlich um eine einmalige Geldspritze handelt, die die Stadt für den teuren Turm zusätzlich aufziehen muss, oder ob das U den Etat auch in den Folgejahren über Gebühr belasten wird, das verrät die Vorlage nicht. Verbindlich planbar, so heißt es dagegen, seien die Betriebskosten frühestens ein Jahr nach vollständiger Nutzung des Gebäudes und Aufnahme des Regelbetriebs. Wann damit zu rechnen ist, lässt die Vorlage ebenfalls offen. In der Kulturverwaltung rechnet man - wie berichtet - mit einem Vollbetrieb des Turms kaum vor 2013.

Wie viel das U tatsächlich an Betriebskosten verschlingt, wäre somit erst 2014 klar. Stadtdirektor Stüdemann jedenfalls geht davon aus, dass die Zusatzkosten in den Griff zu bekommen sind. Schon jetzt sei für die Bewachung deutlich weniger Personal nötig als noch 2010.

Stadt prüft Regressforderung an die Architekten

Für die zur Rede stehenden 1,7 Mio Euro hofft Stüdemann zudem auf Kompensation von anderer Seite: Wie berichtet, will sich die Stadt wegen der durch die Bauverzögerungen am Turm entstandenen Mehrkosten bei den Architekten und Projektsteuerern schadlos halten. Zur Zeit wird geprüft, ob man die Summe über das Sondervermögen U-Turm nicht als Regressforderung an die U-Erbauer durchreicht. Offen ist allerdings, ob es zu einem möglicherweise jahrelangen Rechtsstreit zwischen Stadt und Architekten kommt und ob am Ende die Summe überhaupt komplett eingetrieben werden kann.

Keine Deckungsvorschläge dagegen gibt es für einen Vorstoß der Grünen und der Linkspartei im Kulturausschuss. Die beiden Fraktionen fordern eine Erhöhung der U-Betriebskosten um 250.000 Euro für 2011 und eine weiteren Anhebung ab 2012. Für den Vorschlag hatten Grüne und Linke nach WAZ-Informationen ursprünglich auch CDU und FDP an ihrer Seite, beide sprangen aber später ab. Stüdemann, bekanntlich auch oberster Kassenwart, kann keine Notwendigkeit erkennen, noch mehr Mittel in den U-Betrieb zu lenken: „Bevor der Laden nicht unter Volllast läuft, sollte man keine weitere Zuwendung beschließen.“