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Dortmund: Mann stirbt nach Polizei-Einsatz – „Er hat nach Hilfe geschrien“

In Dortmund starb am Mittwoch ein Mann bei einem Polizei-Einsatz. DER WESTEN war vor Ort, hat mit einem Anwohner gesprochen.

© Metin Gülmen / DER WESTEN

Verbrechen in NRW

So viel Arbeit hat die Polizei wirklich

In Dortmund starb am Mittwochmorgen (19. Oktober) ein Mann (44) bei einem Polizei-Einsatz. Die Polizei Recklinghausen ermittelt aus Neutralitätsgründen zum Vorfall. DER WESTEN war vor Ort, hat mit einem Anwohner gesprochen.

Um 4.36 Uhr wurde die Polizei wegen eines Randalierers zu einem Einsatz in der Wittener Straße in Dortmund-Dorstfeld gerufen. Ein Anwohner hatte die Polizei alarmiert, weil dort ein Mann schreiend umherlaufe und gegen Autos schlage. Der Mann habe Widerstand gegen die Einsatzkräfte geleistet, musste in der Folge wiederbelebt werden. Doch für den Mann kam jede Hilfe zu spät – er wurde um 6.18 Uhr im Krankenhaus für tot erklärt.

Anwohner aus Dortmund: „Habe Schreie gehört“

DER WESTEN hat mit einem Anwohner (52) gesprochen. Der Mann, der in der Wittener Straße wohnt, erzählt: „Ich habe in der Früh Schreie von draußen gehört, bin dann ans Fenster gegangen. Ich habe gesehen, wie ein Mann gegen die Haltestelle getreten und auf Autos eingeschlagen hat. Dabei hat er rumgeschrien.“ Der Mann weiter: „Danach hat er angefangen, um Hilfe zu schreien, ehe er ruhig geworden ist. Schüsse habe ich nicht gehört.“

Dortmund: Der Randalierer beschädigte auch einige Autos. Foto: Metin Gülmen / DER WESTEN

Der Randalierer hat laut Staatsanwaltschaft hat nach Eintreffen der Beamten auf den Streifenwagen eingeschlagen und hat versucht, durch die Beifahrertür in den Wagen einzudringen. Weil sie verriegelt war, begab er sich zur Fahrerseite, schlug dort dem ausgestiegenen Fahrer auf den Kopf, drang schließlich in den Polizeiwagen.


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Dortmund: Polizei setzt Taser gegen Randalierer ein

Daraufhin hat ein Polizist einen Taser eingesetzt, der Randalierer ist dann vorläufig festgenommen worden. In der Folge wurde er bewusstlos, musste reanimiert werden. Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte haben die Polizisten Erste Hilfe geleistet. Vergeblich. Um 6.18 Uhr wurde der Mann im Krankenhaus für tot erklärt.


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Die Obduktion des Verstorbenen hat am Mittwoch ergeben, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Taser-Einsatz und dem Todeseintritt gibt. Der Tote hatte laut Staatsanwaltschaft ein schwer vorerkranktes Herz.

Randalierer war gebürtig aus Dortmund und ohne Wohnsitz

Außerdem habe es Hinweise dafür gegeben, dass er stark betrunken war. Es wurden toxikologische Untersuchungen in Auftrag gegeben, um zu klären, ob der Randalierer auch unter Drogeneinfluss gestanden hat.

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Die Body-Cams der Polizisten und die Kameras aus dem Streifenwagen sind sichergestellt worden, werden ausgewertet. Aus Neutralitätsgründen ermittelt jetzt die Polizei Recklinghausen weiter. Bei dem Mann handelt es sich um einen gebürtigen Dortmunder, der ohne festen Wohnsitz gewesen ist.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hat eine gründliche Aufarbeitung des Vorfalls in Dortmund zugesagt. Die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang, sagte Reul am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. Einen ausführlicheren Bericht werde er in der Sitzung am kommenden Donnerstag abgeben. Derzeit seien die Erkenntnisse noch zu dürftig. „Wir wollen der Polizei Recklinghausen und der Staatsanwaltschaft auch die Zeit geben, um zu ermitteln.“

Gegen die an dem Einsatz beteiligten drei Polizeibeamten und eine Beamtin liegt laut Staatsanwaltschaft kein Anfangsverdacht vor. Auch Reul betonte, die Beamten seien nicht Beschuldigte eines Strafverfahrens. Aus Neutralitätsgründen übernahmen die Polizei aus dem benachbarten Recklinghausen die Ermittlungen in dem Dortmunder Fall. (mit dpa)