DEW baut wegen Kraftwerks-Verlusten 70 Stellen ab

Gerald Nill
DEW: Der Versorger macht jetzt ernst mit seinem Sparprogramm.
DEW: Der Versorger macht jetzt ernst mit seinem Sparprogramm.
Foto: WR
Der Dortmunder Versorger DEW baut 70 Stellen ab, um die erwarteten Millionenverluste durch das Gemeinschaftskraftwerk Gekko in Hamm auszugleichen. Details werden den Mitarbeitern diese Woche bei einer Belegschaftsversammlung mitgeteilt.

Dortmund. DEW21 muss kurzfristig 70 Stellen abbauen. Das sind die Spar-Vorgaben, die die Geschäftsführung der DEW den Mitarbeitern in dieser Woche verkünden wird. Die Mitarbeiter haben bis Ende Februar Zeit, über Vorruhestand, Teilzeit oder Abfindung nachzudenken. Bei der Spar-Initiative „Exzellenzprogramm“ sollen die erwarteten Verluste durch das Millionengrab „Gekko“, das Gemeinschaftskraftwerk in Hamm, ausgeglichen werden. Die Belegschaft zürnt, dass sie für Gekko bluten muss.

Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben, hatte die DEW-Geschäftsführung schon früher erklärt. Doch am Stellenabbau für 70 Mitarbeiter führt kein Weg vorbei - notfalls auch mit sanftem Druck, wie zu hören ist. DEW hat noch über 1000 Beschäftigte und soll zum 1. März 2013 unter diese Schwelle schrumpfen. Zwar erwartet der Versorger auch in diesem Jahr nochmals einen Gewinn in Höhe von 60 Millionen Euro, aber die Belastungen stehen vor der Tür: die Energiewende zum einen. Und - nach WR-Informationen - 14 bis 16 Millionen Verlust durch die Beteiligung bei Gekko zum anderen. Und zwar pro Jahr ab 2014! DEW-Chef Dr. Frank Brinkmann spricht von „zwei Rucksäcken, die das Unternehmen zu schultern hat“.

Die Zeit arbeitet gegen das Gemeinschaftskraftwerk Gekko, das RWE mit Beteiligung von Stadtwerken derzeit in Hamm errichtet.

Die Bauverzögerungen rächen sich jetzt bitter. Zum einen ist Steinkohle auf dem Weltmarkt derzeit noch relativ günstig zu bekommen, zum anderen werden sich CO2-Abgaben in Zukunft weiter verteuern. Und der Preis für konventionell erzeugten Strom fällt, weil regenerative Energie Vorrang hat. Der erste Bauabschnitt des Gekko soll in einem Jahr in Betrieb genommen werden. Der zweite Abschnitt erst ein weiteres Jahr später. Ursprünglich sollte das Kraftwerk seit über zwei Jahren laufen. DEW hat 120 Millionen Euro investiert.

Zur Erinnerung: Der Rat der Stadt Dortmund hatte die Beteiligung an dem Steinkohlekraftwerk beschlossen - mit einer Stimme Mehrheit. Heute weiß jeder: Das war eine schlechte Entscheidung. Die Beteiligung wird für DEW wohl zu keinem Zeitpunkt der 20-jährigen Laufzeit profitabel laufen.

Bleiklotz verhagelt goldene Bilanz

Gekko ist ein Bleiklotz, der die zurzeit noch goldene Bilanz des Versorgers in Zukunft verhageln wird. Ab 2014 müssen die Millionenverluste von Gekko für die DEW-Gesellschafter, Stadt (53%) und RWE (47%), wieder herausgeholt werden. In dieser Woche wird DEW der Belegschaft die Eckpunkte eines Einspar-Konzeptes unter dem Namen „Exzellenzprogramms“ mitteilen.

Besser sieht die Sache mit der Investition bei der Steag aus. Dort ist DEW mit 38 Millionen Euro eingestiegen. 4,5 Millionen Euro Gewinn fließen von dort im Jahr zurück. Eine gut verzinste Anlage, zumal die Steag-Kraftwerke bereits abgeschrieben sind. „Mit keinem neuen Kraftwerk kommen Sie heute in die Gewinnzone“, beklagte Dr. Brinkmann bereits beim Besuch von SPD-Chef Sigmar Gabriel. Dass er es ungerecht findet, dass die Energieversorger durch immer höhere Öko-Umlagen zum Prügelknaben der Nation werden, hatte Brinkmann dem SPD-Chef direkt ins Gesicht gesagt. Er übernehme den „Inkasso-Job“, wo es für die gesellschaftliche Aufgabe der Energiewende auch eine Art „Öko-Soli“ geben könnte. Dass er die Öko-Aufschläge für Privatkunden für eine „sozialpolitische Bombe“ hält, sagte er auch. Brinkmann hat schon häufig mit Prognosen Recht behalten. Das war bei der Skepsis zum Photovoltaik-Programm genauso wie mit der Skepsis gegenüber Offshore-Windkraftanlagen.