Zehntausende protestieren in Bochum gegen Erdogan

Massenprotest im Bochumer Fußballstadion. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Massenprotest im Bochumer Fußballstadion. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Tausende Demonstranten haben am Samstag in Bochum gegen die Missachtung der Menschenrechte in der Türkei und den türkischen Ministerpräsident Erdogan protestiert. Dieser hatte seine Teilnahme am Steiger-Award kurzfristig abgesagt und wird den Preis nach Angaben der Veranstalter nicht bekommen.

Bochum. Wir beenden unsere Live-Berichterstattung. Der Protesttag in Bochum nocheinmal zum Nachlesen:

18.30 Uhr: Die Demonstrationen in Bochum sind vorbei. Die Protestler auf dem Rückweg zu Autos und Bussen. Die Polizei schätzt die Zahl der Demonstranten auf insgesamt 23.000. Es war damit eine der größten Demos in Bochum in der Nachkriegszeit. Das erste Bilanz der Polizei: Es gab nur eine Anzeige, ansonsten blieb es friedlich.

17.56 Uhr: Kundgebung am Rathausplatz. Es gibt eine Schweigeminute für die Opfer von Unterdrückung. Auch hier verläuft alles friedlich.

17.45 Uhr: Die Kundgebung der Aleviten scheint sich so langsam aufzulösen. Bislang ist alles friedlich geblieben.

17.15 Uhr: Es sind auffallend viele junge Frauen bei der Demo der Aleviten. Sie tragen rote Stirnbänder auf denen steht: "Der 2. Juli wird nicht vergessen". Gemeint ist damit das Massaker von Sivas.

17. 02 Uhr: In der Innenstadt haben sich die Kurden und Armenier zusammengetan und demonstrieren jetzt gemeinsam.

16.55 Uhr: Die Kundgebung am Bergbaumuseum hat begonnen. Großer Protest am Umgang Erdogans mit dem Massaker von Sivas. Scharfe Kritik an Sascha Hellen, dem Initiator des Steiger-Awards.

16.48 Uhr: Türkische Gesänge bei den Aleviten am Bergbaumuseum. In der Innenstadt demonstriert der Bund gegen Antisemitismus gegen den schwedischen Autor Henning Mankell.

16.34 Uhr: Nun sind es doch schätzungsweise 2000 Kurden, die sich vor dem Hauptbahnhof versammelt haben. Sie tragen Transparente mit der Aufschrift "Erdogan ist ein Verbrecher". Andere haben auf ihren Schultern kleine Särge, um damit an die Massaker an Kurden zu erinnern. Der Zug setzt sich in Richtung Jahrhunderthalle in Bewegung - begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot.

16.20 Uhr: In zehn Minuten soll die Kurden-Demo vor dem Hauptbahnhof beginnen. 2000 Teilnehmer waren angemeldet. Bislang haben sich aber erst wenige hundert Menschen eingefunden.

16.14 Uhr: Kleiner Zwischenfall bei der Demo der Armenier in der Innenstadt. Türkische Fotografen wollten Bilder machen, was die Armenier ablehnten. Die Polizei ging bei dem Wortgefecht dazwischen.

16.09 Uhr: Die Polizei schätzt die Anzahl der Teilnehmer nun auf bis zu 25.000. In der Innenstadt ist es ruhig.

16.06 Uhr: Die Demonstranten aus dem Stadion setzen sich in Bewegung Richtung Bergbaumuseum und skandieren "Keine Preise für Massenmörder".

15.57 Uhr: Die Lage ist ruhig, die Demonstranten sind friedlich. Polizeisprecher Axel Pütter lobt die gute Zusammenarbeit mit den Organisatoren.

15.39 Uhr: Menschen legen im Stadion schwarze Kränze nieder mit dem Aufdruck "Hier werden Menschenrechte verSTEIGERt".

15.16 Uhr: Die Stimmung ist aufgeheizt. Auf Plakaten im Stadion werden Karikaturen von Erdogan gezeigt.

15.05 Uhr: Die Polizei bestätigt: Mehr als 20.000 Demonstranten sind im Stadion.

14.48 Uhr: Die Veranstalter der Aleviten-Demo schätzen die Anzahl der Teilnehmer im Stadion auf mehr als 20.000. Auf dem Parkplatz stehen demnach rund 300 Reisebusse. In den Niederlanden soll eine Parallel-Veranstaltung mit 4000 Teilnehmern stattfinden.

14.30 Uhr: Auf dem Busparkplatz fahren auch Gäste aus Frankreich, der Schweiz und Belgien ein. Viele junge Leute sind dabei; einige haben Transparente mitgebracht.

14 Uhr: In Bochum sind am frühen Nachmittag mehrere tausend Demonstranten eingetroffen. Sie wollen gegen die Verleihung des Steiger-Awards an den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan protestieren. Die Polizei meldet gegen 14 Uhr etwa 15.000 Teilnehmer am Stadion. Am Bochumer Hauptbahnhof herrscht allerdings noch wenig Betriebsamkeit.

Erdogan sagt Besuch in Bochum zu Preisverleihung ab

Erdogan hatte seinen für Samstag geplanten Besuch in Bochum bereits in der Nacht zu Samstag abgesagt. Dies teilte der Veranstalter Sascha Hellen mit. Als Grund wurde der Absturz eines türkischen Militärhubschraubers in Afghanistan mit 17 Todesopfern genannt. Erdogan sollte am Abend einen Steiger-Award für 50 Jahre deutsch-türkische Freundschaft stellvertretend für das türkische Volk in Empfang nehmen. Hellen sagte dazu: "Wir hätten Erdogan gerne bei uns begrüßt." Man habe aber Verständnis für die Absage. "Unser Mitgefühl gilt den Familien der Opfer."

Auf die Veranstaltung in Bochum werde sich die Absage nicht auswirken, sagte Hellen. "Wir haben noch zehn weitere Preisträger", sagte der Event-Manager. Der Fokus der Berichterstattung in den Medien habe sich zuletzt auf Erdogan konzentriert. Unter anderem werden die schwedische Königin Silvia und der frühere Bundespräsident Horst Köhler erwartet.

Der Preis wird Erdogan allerdings auch nicht in Abwesenheit verliehen. Wie ein Sprecher am Morgen erklärte, werde die Kategorie "Europa" ersatzlos gestrichen. Die Laudatio auf Erdogan sollte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder halten.

An der geplanten Preisverleihung hatte sich heftige Kritik entzündet. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte, einen Toleranz-Preis ausgerechnet an Erdogan zu vergeben, sei eine bizarre und geschmacklose Fehlleistung. In der Türkei herrsche Unterdrückung von religiösen und ethnischen Minderheiten, mangelnde Pressefreiheit und fehlende Gleichberechtigung von Frauen. (Mit Material von rtr)

Polizei warnt vor Behinderungen - die Demos in der Übersicht

Die Polizei in Bochum warnt ausdrücklich vor "erheblichen Verkehrsbehinderungen" in der Stadt.

Die Veranstaltungen im Überblick:

  • Alevitische Gemeinde - 14.30 Uhr Versammlung Revierpower-Stadion. Nach zwei Stunden Marsch Richtung Bergbaumuseum über Castroper Straße, Nordring, Herner Straße. 30 Minuten Kundgebung am am Bergbaumuseum. Dann zurück Richtung Stadion.
  • Kurden - 2000 Teilnehmer angemeldet. 16.30 Uhr Treffen am Kurt-Schumacher-Platz, Marsch über Südring bis Rottstraße, über Annastraße, Alleestraße. 30 Minuten Kundgebung, dann über Alleestraße zum Willy-Brandt-Platz. Abschlusskundgebung bis 20.30 Uhr.
  • Zentralrat der Armenier - 500 Teilnehmer angemeldet. 15 bis 17.30 Uhr Husemannplatz.
  • Bündnis gegen Antisemitismus - 50 Teilnehmer angemeldet. Kundgebung von 16 bis 18 Uhr, Dr.-Ruer-Platz.
  • Föderation türkischer Sozialdemokraten. 16 bis 19 Uhr Christuskirche.

Unter der Rufnummer 0234/909-4444 ist ein Bürgertelefon bei der Polizei geschaltet.

Kommentar: Warum Erdogan heute nicht zum Steiger-Award kommt

 
 

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