Widerstand gegen Abrisspläne für Nordbahnhof in Bochum

Der Nordbahnhof, wie er sich heute im Stadtbild präsentiert.
Der Nordbahnhof, wie er sich heute im Stadtbild präsentiert.
Foto: Kortumgesellschaft
Kortumgesellschaft setzt auf Denkmalschutz und möchte in den Dialog mit den Besitzern treten. Im Internet wurde eine Online-Petition gestartet.

Bochum.. Einen Sturm der Entrüstung hat die Ankündigung der Brüder Jürgen und Hugo Fiege ausgelöst, den 1874 errichteten Rheinschen Bahnhof (heute: Nordbahnhof) abreißen lassen zu wollen. Als einer der ersten äußerte sich Dr. Hans Hanke in seiner Funktion als Vorsitzender der einflussreichen Kortum-Gesellschaft: „Bevor nicht der Denkmalwert des Gebäudes Nordbahnhof erneut geprüft worden ist, kann eine Abrissgenehmigung nach Gesetzeslage nicht erfolgen.“

Hanke, der auch im Westfälischen Amt für Denkmalpflege tätig ist, hat bereits im Mai einen umfangreichen Schriftsatz der Unteren Denkmalbehörde in Bochum zukommen lassen. Ziel: Die Denkmalwürdigkeit zu überprüfen. Ein Versuch, das historische Gebäude, das neben seiner Architektur auch wegen seiner Bedeutung als Ort der Juden-Deportation in den 40Jahren großen Bedeutung für die Bochumer Geschichte hat, unter Denkmalschutz zu stellen, scheiterte 1997. Zuvor hatten die Denkmalpfleger positive Signale gegeben.

Der Ehrenvorsitzende der Bochumer SPD, Prof. Bernd Faulenbach, der sich mit zahlreichen anderen Wissenschaftlern und Persönlichkeiten in der „Nordbahnhof-Initiative“ für Erhalt und Nutzung mit einem Gedenkort einsetzt, fordert vehement: „Es fehlt im Innenstadtbereich ein authentischer Ort des Gedenkens. Dieser sollte aus unserer Sicht der Nordbahnhof sein.“

Noch Chancen für Dialog

Dr. Hubert Schneider, der sich sein ganzen Leben lang um die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte und insbesondere um die Besuche ehemaliger jüdischer Bürger der Stadt gekümmert hat, sagte angesichts des drohendes Abrisses: „Der Nordbahnhof gibt als letzter authentischer Ort in dieser Stadt Zeugnis von der Deportation der Juden.“

Hans Hanke sieht noch Chancen, um das Gebäude für die Stadt zu retten. Jetzt sei es an der Zeit, einen runden Tisch zu bilden. Gerade vor dem Hintergrund, dass in Bochum bald ein neuer Stadtbaurat seinen Dienst antrete und auch der Oberbürgermeister neu gewählt werde, seien jetzt keine voreiligen Entscheidungen zu treffen. Dabei nimmt er die Einlassung der Brüder Fiege sehr ernst, die gleichzeitig mit ihrer Ankündigung, den Bahnhof abreißen lassen zu wollen, verlauten ließen: „Bei allem, was wir tun, werden wir verantwortungsvoll mit dem Thema Nordbahnhof umgehen.

Bei der Frage, wie es weiter geht, möchten wir aktiv den offenen und konstruktiven Dialog mit Interessensgruppen anbieten, um möglichst viele Belange berücksichtigen.“ Dabei sei der Privatbrauerei, die sich seit vielen Jahren aktiv am Gemeinwohl der Stadt Bochum aktiv einbringe, sowohl die städtebauliche als auch die Bedeutung mit Blick auf die jüdische Geschichte bewusst. Fiege hatte dargestellt, dass sich eine wirtschaftliche Nutzung des vor rund 15 Jahren erworbenen Gebäudes nach umfangreichen Prüfungen nicht habe realisieren lassen.

Unterdessen sorgt eine vor zwei Tagen im Internet gestartete Online-Petition für Furore, Binnen 48 Stunden haben sich dort über 460 Menschen für den Erhalt ausgesprochen. „Mit dieser Petition fordern die Unterzeichner die Privatbrauerei Moritz Fiege mit Sitz in Bochum auf, umgehend von allen Plänen für einen Abriss des ehemaligen Bahnhofs Bochum Nord Abstand zu nehmen und das Gebäude einer sinnvollen Nutzung zuzuführen“, heißt es in der Ankündigung im Netz.

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