Wetterstudio der Meteogroup in Bochum wird geschlossen

Noch ist die Meteogroup in Bochum. Der Standort wird aber im Laufe des Jahres geschlossen.
Noch ist die Meteogroup in Bochum. Der Standort wird aber im Laufe des Jahres geschlossen.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
1999 von Jörg Kachelmann gegründet, wird das Wetterstudio Bochum vom jetzigen Eigentümer Meteogroup geschlossen. Auch die Unwetterzentrale schließt.

Bochum.. Die Tage des Wetterbüros und der Unwetterzentrale im Heintzmann-Zentrum an der Bessemerstraße sind gezählt. Im Laufe des Jahres werden sie geschlossen, bestätigt der Besitzer, die in Berlin ansässige Meteogroup auf Anfrage der WAZ. 16 Mitarbeiter sind davon betroffen, sie wurden nach Auskunft von Unternehmenssprecherin Katja Arnold am Montag über die Schließung informiert.

Ihre berufliche Zukunft scheint ungewiss. „Nach meiner Kenntnis wird ihnen nichts angeboten“, sagt Jörg Kachelmann, der 1999 mit seiner Firma Meteomedia das Wetterbüro und fünf Wetterstationen in Bochum aufgebaut hat und später aus dem Unternehmen ausschied. Er hatte die Schließung des Büros über den Kurznachrichtendienst Twitter publik gemacht.

Qualität der Unwetterwarnungen wird beständig bleiben

2013 hatte die Meteogroup, Europas größter privater Wetterinformationsdienst, Meteomedia übernommen. Aus strategischen Gründen, so Unternehmenssprecherin Arnold, erfolge nun die Konzentration auf den Hauptsitz in Berlin, geschlossen werde auch das Studio mit zwei Beschäftigten in Bad Dürrheim.

Die Aufgaben der Unwetterzentrale würden künftig von anderen europäischen Standorten aus betreut. Meteogroup unterhält zum Beispiel im schweizerischen Appenzell ein Büro mit 35 Mitarbeitern und ist weltweit an 17 Standorten vertreten, davon 14 in Europa. „An unseren Unwetterwarnungen und deren Qualität wird sich nichts ändern“, versichert Arnold.

„Ich kann das nur bedauern“, sagt Kachelmann, der einst bekannteste Wettervorhersager Deutschlands, über die Schließung des Standorts Bochum. Er hoffe, den Mitarbeitern würden Stellen angeboten. Er selbst möchte in diesem Frühjahr mit einem neuem Wetterdienst starten. „Natürlich wartet niemand auf uns“, aber er hoffe, Produkte anzubieten, die auf Nachfrage stoßen.

Die steile Karriere des mittlerweile 56-Jährigen als Journalist, Autor und Unternehmer wurde 2010 jäh unterbrochen, als er wegen des Verdachts der Vergewaltigung festgenommen und vor Gericht gestellt wurde. 2011 endet der Prozess mit einem Freispruch.

Bochum hatte wirkliches Interesse

Sollte sich seine „kleine Firma“ so gut entwickeln, dass er wieder einen Standort in Deutschland aufmacht, so der gebürtige Schweizer, „ist Bochum meine erste Wahl“ und dann würde er den jetzt von der Schließung Betroffenen „etwas anbieten“. Er habe gute Erinnerungen an die Stadt und ihr viel zu verdanken. Als er sich Ende der 1990er Jahre anschickte, einen WDR-Auftrag zu ergattern und daher aus strategischen Gründen einen Standort in NRW suchte, hätten unter den Kandidaten Köln, Dortmund, Bochum und Düsseldorf allein die Bochumer Wirtschaftsförderung wirkliches Interesse signalisiert. „Bochum war sehr aufgeschlossen, das vergesse ich nicht.“

1999 hatte sich Meteomedia mit sechs Mitarbeitern zunächst im Technologiezentrum niedergelassen und war bald ins Heintzmann-Zentrum umgezogen. „Das Wetter für Deutschland kommt aus Bochum“, schrieb damals die WAZ. 23 Meteorologen waren in Spitzenzeiten im dortigen Büro beschäftigt. Sie liefern gegenwärtig vor allem Wetterinformationen für die Wirtschaft, wie etwa für Versicherungen und die Bau-Branche.

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