Warmbandwerk von Thyssen-Krupp bekommt weniger Tonnage

Qualitätsstahl für beinahe alle Kundenwünsche werden in Bochum gewalzt.
Qualitätsstahl für beinahe alle Kundenwünsche werden in Bochum gewalzt.
Foto: Gero Helm
Das nächste Jahr wird trotz des Sanierungstarifvertrags für Thyssen-Krupp-Stahl in Bochum besonders schwer. Der Betriebsrat befürchtet, dass durch die Schließung des Outokumpu-Werkes auch das benachbarte Warmbandwerk leiden muss. Sicher scheint, dass die europaweit modernste Anlage dieser Art nur zu gut der Hälfte ausgelastet sein wird

Bochum. Der neue „Tarifvertrag Zukunft“ für die Thyssen-Krupp-Werke Duisburg, Bochum, Dortmund, Finnentrop und Siegen, schützt den Standort Bochum womöglich nicht vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Nach Recherchen der WAZ wird die mündliche Ankündigung, dem Werk die durch die Schließung des Outokumpu-Stahlwerks fehlende Tonnage zu ersetzen, nicht eingehalten. „Davon ist jetzt keine Rede mehr“, heißt es aus Gewerkschaftskreisen.

Der rückwirkend zum 1. Oktober 2014 geltende „Tarifvertrag Zukunft“ hat zwar den drohenden Abbau von allein in Bochum rund 200 von derzeit rund 2200 Arbeitsplätzen bei Thyssen-Krupp-Stahl verhindert. Doch die Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 34 auf 31 Stunden, wobei 32 Stunden bezahlt werden, hilft wohl nur kurzfristig. „Die Schließung des Bochumer Outokumpu-Nirosta-Stahlwerks trifft uns bis ins Mark“, räumt der Geschäftsführer des Bochumer Betriebsrats, Heinz Gerhardt, ganz offen ein.

Abbau von Arbeitsplätzen möglich

Das volle Ausmaß dieser Schließung lässt sich zunächst in Tonnen ausdrücken. Wie viel Arbeitsplätze dadurch – womöglich trotz des Tarifvertrags – in Bochum zusätzlich bei Thyssen-Krupp-Stahl abgebaut werden könnten, wird erst im Lauf des nächsten Jahres deutlich. Das vor ziemlich genau vier Jahren auf eine Kapazität von mehr als 360.000 Tonnen Bandstahl pro Monat regelrecht hochzüchtete Werk bekommt nun Fußfesseln angelegt. Die zusätzlich installierten Aggregate und Verbesserungen schlugen mit mehr als 100 Millionen Euro Investitionsvolumen zu Buche, allein in Bochum wohlgemerkt.

„Mehr als 200.000 bis 240.000 Tonnen pro Monat seien auf absehbare Zeit nicht drin, wurde uns mitgeteilt“, sagt Heinz Gerhardt. Grund dafür, dass von dem eigentlich versprochenen Ersatz (für das künftig fehlende Edelstahl) etwa aus den Duisburger Schmelzen nun nicht mehr die Rede ist, sind die weltweiten Überkapazitäten. Bis zum Ende des Jahres soll die 31-Stunden-Woche durch bis zu sechs zusätzliche freie Tage für die Mitarbeiter erreicht werden. Derzeit läuft das Warmbandwerk im Fünf-Schichtbetrieb.

Miese Nachrichten

Da jedoch für die rund 200.000 Tonnen im Monat weder vier, wahrscheinlich auch keine drei der äußerst energieintensiven Öfen zum Vorheizen der Stahlbrammen auf Schmiedetemperatur benötigt werden, fürchtet der Betriebsrat, dass dies auch Auswirkungen auf die Mitarbeiterzahl haben wird. „Schon jetzt ist sicher, zum 1. Januar müssen wir einen neuen Schichtplan ausarbeiten“, sagt Gerhardt.

Trotz dieser miesen Nachrichten, hält die 1. Bevollmächtigte der IG Metall, Eva Kerkemeier, das Konzept dieser sogenannten Sanierungstarifverträge: „Wir sind doch froh, dass wird dadurch betriebsbedingte Kündigungen vom Tisch bekommen.“ Installiert wurde dieses Instrument bereits 1996. Im Bochumer Bereich hätten bisher erst zwei Firmen davon Gebrauch gemacht. Der Fall Thyssen-Krupp sei aufgrund seiner Dimensionen sicher einzigartig. Für die Metall- und Elektroindustrie gebe es im Übrigen ähnliche als Tarifverträge festgeschriebene Regelungen.

 
 

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