Verletzte Polizisten bei NPD-Demo und Gegendemos in Bochum

Der DGB hat am Sonntagvormittag in Bochum demonstriert. Am Nachmittag folgen die rechtsextreme NPD und eine große Gegendemo.
Der DGB hat am Sonntagvormittag in Bochum demonstriert. Am Nachmittag folgen die rechtsextreme NPD und eine große Gegendemo.
Foto: dpa
  • Vier Polizisten wurden bei Auseinandersetzungen verletzt.
  • Gegendemonstranten blockierten Route der Neonazis.
  • Schon die Ortswahl gilt vielen als Provokation der NPD.

Bochum.. Rund 180 Anhänger der rechtsextremen NPD demonstrierten am Sonntagnachmittag in Bochum gegen das Recht auf Asyl – begleitet von einer großen Gegendemo, zu der sich mehr als 2400 Menschen einfanden. Bei Ausschreitungen rund um die Kundgebungen wurden vier Polizisten, eine Frau und drei Männer verletzt.

Schon bei der Anreise kam es am und im Hauptbahnhof ab Mittag zu Schwierigkeiten: Die Bundespolizei hatte es so eingerichtet, dass Linke und Gegendemonstranten den Hauptbahnhof über den Hinterausgang verlassen sollten. Die Rechten wurden zum Haupteingang in Richtung City hinausgeführt - auf den Vorplatz, wo ihre Demo starten sollte. Ein Konzept, dass einigen hundert Gegendemonstranten nicht in den Kram passte: Sie blockierten zeitweise die S-Bahn-Gleise und den Fußgängertunnel im Bahnhof und konnten erst gegen 14 Uhr bewegt werden, sich zum rückwärtigen Ausgang zu begeben.

Zudem versuchten einige Gegendemonstranten, eine Polizeisperre zu durchbrechen, berichtete Volker Stall, Sprecher der Bundespolizei. Die Beamten setzten Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Über Verletzte wusste Stall am Nachmittag nichts zu berichten, "bei unseren Sanitätern hat sich niemand gemeldet". Wohl aber seien "Personen mit Augenreizungen" beobachtet worden.

Drei Polizisten bei Ausschreitungen verletzt

Mit einer halben Stunde Verspätung setzte sich der NPD-Tross gegen 14.30 Uhr in Richtung Husemannplatz in Bewegung - von Protesten weitgehend unbehelligt. Im Umfeld der Wegstrecke kam es zu Ausschreitungen: Gegendemonstranten warfen Flaschen, Rauchbomben und andere Gegenstände. Vier Polizisten wurden im Verlauf des Tages verletzt - zwei, als Demonstranten versuchten, eine Polizeisperre zu überwinden, eine Beamtin durch eine Rauchbombe. Alle kamen ins Krankenhaus.

Die Polizei sprach bereits am Nachmittag von "schwersten Ausschreitungen": "Von dem friedlichen Charakter der Demonstration ist nichts mehr geblieben", sagte Polizeihauptkommissar Volker Schütte dem Evangelischen Pressedienst (epd). Schlagstöcke und Reizgas würden massiv eingesetzt, auch der Gebrauch von Wasserwerfern sei freigegeben worden - zum Einsatz kamen letztere nicht.

Insgesamt nahmen die Beamten im Laufe des Tages über 300 Menschen vorübergehend in Gewahrsam. 36 Anzeigen seien bislang geschrieben worden, teilte die Polizei mit. Die Ermittlungen dauerten noch an.

Dass die NPD sich ausgerechnet Bochum ausgesucht hatte, werteten viele als gezielte Provokation: Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte in diesem Jahr seine traditionelle Zentralkundgebung zum 1. Mai in Bochum abgehalten. Gesprochen hat dabei unter anderem NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Die Ereignisse rund um die NPD-Demo in unserer Chronik:

 
 

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