Sellgate baut Callcenter auf Ex-Nokia-Gelände in Bochum auf

Andreas Rorowski
In das ehemalige Hauptverwaltungsgebaeude von Nokia in der Bochumer Meesmannstrasse wir das Callcenter Sellgate einziehen.
In das ehemalige Hauptverwaltungsgebaeude von Nokia in der Bochumer Meesmannstrasse wir das Callcenter Sellgate einziehen.
Foto: WAZ FotoPool
Der Stromanbieter Extra Energie kommt doch nicht wie angekündigt selbst nach Bochum. Stattdessen wurde die Vertriebsagentur Sellgate beauftragt, ein Callcenter in Bochum-Riemke aufzubauen. Gegen Extra Energie läuft zudem momentan ein Verfahren vor dem Landgericht Düsseldorf.

Bochum. Die Meldung vom Aufbau eines Servicecenters auf dem früheren Nokia-Gelände in Riemke mit 500 Arbeitsplätzen hat Christian S. richtig froh gemacht. Kaum hatte der Bochumer in der WAZ gelesen, dass das Neusser Unternehmen Extra Energie Personal sucht für Telefonberatungen, aber auch im IT-Bereich, hatte sich der Diplom-Kaufmann für IT und Marketing beworben. „Nach einem Monat frohen Mutes, ein Mitarbeiter von 500 zu werden, kam heute die Absage“, schreibt er an die WAZ-Redaktion. Extra Energie hatte ihm geschrieben, es hätte „aktuell keine Vakanzen im Bereich IT und Marketing/Vertrieb zu vergeben“. Ernüchterung sei bei ihm eingekehrt.

Zugleich stellt sich die Frage nach dem Bochumer Engagement des Neusser Unternehmens, einem Shootingstar auf dem Sektor des Billigstroms. Schließlich hatte es Ende November in einer Meldung der Firma geheißen, es suche über die 50 bereits auf dem früheren Nokia-Gelände an der Meesmann-
straße tätigen Kräfte hinaus weitere Leute. Auch für den IT-Bereich.

Sellgate baut in Riemke

Tatsächlich stellt sich nun heraus, dass nicht der Stromanbieter selbst seine Zelte in Riemke aufschlägt, sondern die Vertriebsagentur Sellgate, „die sich durch den Einsatz von Personal mit unterschiedlichen Qualifikationen auf Umfang und Komplexität von Projekten einstellen kann“, so die Kölner in ihrer Eigendarstellung.

„Das ist richtig“, bestätigt Extra Energie-Geschäftsführer Samuel Schmidt. „Der Aufbau des Servicecenters geschieht in unserem Namen. Die Mitarbeiter werden bei Sellgate angestellt, aber abgestellt an uns. Das ist eine Art internes Outsourcing.“ Wer im Internet sucht, wird fündig. „Zum Aufbau unseres neuen Standorts in Bochum suchen wir ab sofort Mitarbeiter für die Position Teamleiter“, wirbt Sellgate. Und: „Das solltest Du mitbringen: Erfahrung als Teamleiter eines Callcenters. Morgens mit einem Lächeln aufstehen. Erfahrung in der Kundenbetreuung ist wünschenswert.“

Vorausschauende Personalsuche

80 bis 90 Mitarbeiter, so Samuel Schmidt, arbeiten bereits in Bochum. Und anders als früher, als man wegen des schnellen Wachstums dem Personal hinterher gelaufen sei, werde nun vorausschauend danach gesucht.

Zu zwei von der Verbraucherzentrale angestrengten Verfahren gegen Extra Energie, die im Februar vor dem Landgericht Düsseldorf verhandelt werden, äußert sich der Geschäftsführer nicht. Es seien laufende Verfahren. Nur so viel: Zu kämpfen habe seine Firma unter anderem mit „schlechten Informationen von Netzbetreibern“ gehabt, etwa was Zählerstände betrifft. Aber: „Wir haben auch Fehler gemacht“, räumt Schmidt ein.

Kritik an hohen Abschlagszahlungen

Die Kritik gegen die Neusser, die bereits in einem Prozess dem Mitbewerber Stromio unterlagen, betrifft vor allem vermeintlich zu hohe Abschlagszahlungen der Kunden und eine verhaltene Rückzahlung von Guthaben. Schmidt sagt: „95 Prozent unserer Kunden wollen keine Auszahlung, sondern eine Verrechnung.“ Im übrigen werde Extra Energie 2014 mit einem für den deutschen Markt revolutionären Angebot aufwarten.

Dass Jürgen Schröder, Energierecht-Jurist bei der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf, Extra Energie als „eines unserer großen Sorgenkinder“ bezeichnet, quittiert Schmidt so: „In meinen Augen ist das eine Aussage, die nicht der Realität entspricht.“

Und die Bewerbung von Christian S.? „Ich weiß nicht an wen sich der Mann gewendet hat. Da muss es zu einem Missverständnis gekommen sein. Wir suchen Leute auch im IT-Bereich.“