Schwache RWE-Aktie kostet die Stadt Bochum viel Geld

Klaus Buske
Die RWE-Aktie folgt nicht der positiven Entwicklung des Dax.
Die RWE-Aktie folgt nicht der positiven Entwicklung des Dax.
Foto: AP
100 Millionen Euro Verlust hätte die Stadt Bochum gemacht, wenn sie ihre Aktien sowie die Aktien der Stadtwerke-Tochter verkauft hätte. Seit längerer Zeit sind die RWE-Aktien, die die Stadtwerke-Tochter an der RWE AG hält, kein Renner mehr. Doch Panik scheint bei der Stadt nicht zu herrschen.

Bochum. Wenn die Stadt Bochum ihre 9489 Aktien und die 6.648.637 Aktien, die die Tochter Stadtwerke über die FHE an der RWE AG hält, am Montag (19.08.2013) beim Tageskurs von rund 21,20 Euro an der Börse verkauft hätte, dann hätte sie rund 100 Mio Euro Verlust gemacht. Denn dem Erlös von rund 141 Mio Euro stünde ein Buchwert von rund 227 Mio Euro (Stand 31.12.2012) gegenüber.

Mit exakt 34,25 Euro stehen die RWE-Aktien bei der Stadtwerke-Tochter in deren Bilanz. Schon seit längerer Zeit ist das RWE-Papier, das die Kämmerer vieler Revierstädte in den zurückliegenden Jahren wegen der durchaus achtbaren Dividenden erfreut hat, kein Renner mehr im Dax. Mehrfach haben die Stadtwerke den Kurs in den letzten Jahren nach unten korrigiert. Bei RWE haben sich, ebenso wie bei den anderen großen Stromversorgern in Deutschland nach der Energiewende, viele Anleger von der Aktie abgewendet. Zu besten Zeiten 2007/2008 wurde die RWE-Aktie mit über 100 Euro an der Börse notiert.

Verwaltung nennt falsche Zahl

Jüngst fragte die UWG-Fraktion im Rat der Stadt , ob eine Abwertung der RWE-Aktie zu Millionenverlusten bei der Stadt führte. In ihrer Antwort auf die Anfrage nannte die Verwaltung einen Buchwert der Aktie von 49,16 Euro - und sie nannte damit eine Zahl, die nicht mehr zutrifft. Ergänzend teilte die Verwaltung mit, man werde „ab 2013 den Bedarf einer Wertberichtigung prüfen“.

Panik scheint trotz der wenig erfreulichen aber höchstwahrscheinlichen Entwicklung bei der Bewertung der RWE-Aktie dennoch nicht zu herrschen - und das liegt an einer anderen sehr nennenswerten Beteiligung der Stadt und einer bemerkenswerten Gesamtschau der Verwaltung: Der stillen Last RWE AG stehe eine stille Reserve Gelsenwasser AG gegenüber, so die Argumentation. Buchhaltern in der Wirtschaft dürfte solch eine Sicht der Dinge kein Wirtschaftsprüfer durchgehen lassen.

Gemeinsame Tochter Wasser und Gas GmbH

Über die gemeinsame Tochter Wasser und Gas GmbH (je 50 Prozent Stadtwerke Bochum und Dortmund) werden 92,9 Prozent der Gelsenwasser-Papiere, das sind knapp 3,2 Mio. Aktien gehalten. Zu Buche stehen diese Aktien bei der gemeinsamen Tochter, die die Aktien 2003 für 900 Mio. Euro erwarb, mit 997 Mio. Euro (Ende 2012). Der Bochumer Buchwert ist die Hälfte, also 498,5 Mio. Euro. Der aktuelle Börsenwert für Gelsenwasser liegt bei rund 560 Euro je Aktie, was einem Tageswert des Bochumer Anteils an der Wasser und Gas GmbH von rund 900 Mio. Euro, also gut 400 Mio, über dem Buchwert ausmachen würde.