Opel-Belegschaft trotz Nein zum Vertrag gesprächsbereit

Klaus Buske
Betriebsratsvorsitzender Rainer Einenkel wartet weiter auf konstruktive Vorschläge von der Opel-Konzernführung. Das Foto entstand beim Solidaritätsfest am 3. März.
Betriebsratsvorsitzender Rainer Einenkel wartet weiter auf konstruktive Vorschläge von der Opel-Konzernführung. Das Foto entstand beim Solidaritätsfest am 3. März.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
In der Auseinandersetzung zwischen dem Opel-Vorstand und der Bochumer Belegschaft scheint die Luft raus zu sein. Laut Rainer Einenkel, sei ein Moment der Besinnung notwendig. Die Opel-Spitze sei am Zug. Mit dem Nein der Belegschaft zum Tarifvertrag hätte die Gesprächsbereitschaft nicht geendet.

Bochum. Die Luft scheint momentan ein wenig raus zu sein, in der existenziellen Auseinandersetzung zwischen Opel-Vorstand und Bochumer Belegschaft und Betriebsrat. Am Dienstag erklärte Rainer Einenkel, Betriebsratschef in Bochum, der WAZ: „Ich hoffe, dass dies ein Moment der Besinnung ist“. Der sei notwendig. Er sei notwendig bei der Opel-Spitze, die am Zuge sei und „aus dem Schützengraben kommen“ solle.

Mit Blick auf die strikte Ansage aus Rüsselsheim - nun sei schon 2014 Schluss mit der Zafira-Produktion in Bochum - müsse man nach wie vor die Frage der Kosten einer Produktionsverlagerung und der Kompetenz der Beschäftigten in Bochum stellen. Die sei nicht beantwortet. Dass der Zafira für eine Übergangszeit im polnischen Werk Gliwice produziert wird, hält Einenkel für wenig wahrscheinlich: „Anlagen müssten neu eingerichtet werden.“ Ob Rüsselsheim schon vor 2017 den Zafira bauen kann und will? Alles Spekulation.

Zunächst gelte es, das Thema „Aus der Getriebefertigung“ zum Ende 2013 zu lösen. Die Einigungsstelle hierzu ist wieder aktiviert, aber noch nicht tätig geworden: Es ist Urlaubszeit bei den entscheidenden Köpfen. Die Streichung einer der drei Schichten zum 2. Quartal 2013 ist angekündigt, doch klar ist noch nichts. Da es eine Zusage der Opel-Leitung gebe, die 3. Schicht (700 Mitarbeiter) bis Ende 2014 zu erhalten, sei sogar denkbar, das die Mittagschicht mit rund 1000 Mitarbeitern in Frage gestellt werden könnte, so Einenkel. Die Opel-Spitze hatte vor Ostern durchsickern lassen, dass man sich vorstellen könnte, die mittlere Schicht ausfallen zu lassen. Geklärt sei hierzu nichts, so Einenkel.

Immer weniger kauften einen Opel

Die Belegschaft und der Betriebsrat hätten mit ihrem Nein zum Tarifvertrag nicht die Gesprächsbereitschaft beendet. Sie hätten einen unakzeptablen Kahlschlag in Bochum verhindert. Einenkel: „Wir sind gesprächsbereit.“ Den Ball müsse die Konzernspitze, die die Partie abgepfiffen habe, wieder aufs Feld bringen.

Gute, mit Zahlen unterlegte Gründe zum Nachdenken müsse die Konzernleitung aus der jüngsten Kurzexpertise des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöfer ziehen. Der hatte einen überdurchschnittlich zurückgehenden Absatzrückgang für Automobile der Marke Opel festgestellt. Dies sei bedauerlich so Einenkel, aber die Politik der Opel-Zentrale sorge zum Bedauern aller vor Ort im Revier kaum dafür, den Absatz über ein positives Firmen- und Markenimage zu beflügeln.