„Onkel Wanja“ kommt zur Premiere

Jürgen Boebers-Süßmann
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto

Die neue Saison an der Königsallee beginnt mit dem Spielzeitauftakt-Fest am 14. September. Eine Woche später, am 20. September, steht dann das Premierenwochenende ins Haus, wobei Tschechows „Onkel Wanja“ den Auftakt macht. Einrichten wird den Klassiker Stephan Kimmig, ein gefragter Regisseur, der die Strahlkraft des Schauspielhauses weiter befeuern soll.

Wie man das Leben leben soll

Kimmigs Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet. Neben Einladungen zum Berliner Theatertreffen erhielt der 1959 geborene Regisseur u.a. den Wiener Nestroy-Preis und wurde 2011 mit dem Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ für seine Inszenierung von Maxim Gorkis „Kinder der Sonne“ geehrt. Mit Tschechow ist also wieder ein Russe „dran“. In „Onkel Wanja“ gerät das vertraute arbeitsame Zusammenleben von Wanja, seiner Nichte Sonja, des befreundeten Arztes Astrow und der anderen Personen auf dem Gut aus dem Lot, als Sonjas Vater, ein berühmter Professor, mit seiner jungen zweiten Frau Elena den Sommer dort verbringt. Vordergründig geht es um allerhand Liebelei, doch in Wirklichkeit geht es um nicht weniger als die Frage, welchen Sinn man seinem Leben gibt und wie man es leben soll.

Tschechow zu meistern, dazu bedarf es der Kunst der geduldigen Langsamkeit – man darf gespannt sein, wie Kimmig die Herausforderung lösen wird.

Die zweite Premiere folgt am Sonntag, 21. September, mit Peter Handkes „Die Unvernünftigen sterben aus“, das Alexander Riemenschneider in den Kammerspielen in Szene setzt. Der Jungregisseur (*1981) hat mit Handke bereits Erfahrung, 2011 gewann er mit „Kaspar“ (Theater Bonn) beim NRW Theatertreffen den Preis für die beste Inszenierung. „Die Unvernünftigen“ hatte 1974 Premiere; nach seinen experimentellen Arbeiten („Publikumsbeschimpfung“) kehrte Peter Handke damit zu traditionelleren Formen des illusionistischen Theaters zurück. Bei genauerer Betrachtung besteht diese Tragikomödie aus einem langen Monolog, in dem ein „Ich“ sich selbst befragt, und sein Leiden an sich und der Welt ausspricht.

Launiger geht’s eine Woche vor dem Premieren-Doppel zu, wenn das beliebte Spielzeiteröffnungsfest Groß und Klein beglücken wird (14.9.). Begonnen wird der Tag mit dem „Bochumer Frühstück“: die Besucher bringen Teller, Besteck, Brötchen und Essbares mit, die Theatercrew kocht Kaffee und Tee, und alle zusammen teilen, tauschen und frühstücken auf dem Theatervorplatz. Danach gibt’s wie gehabt Musik, Theater, Gespräche, eine Werkstattbesichtigung und die Kostümversteigerung. Das alles bei freiem Eintritt.

Apropos Eintritt: der Theaterbesuch wird ab Herbst teurer; das Theater sieht sich zu einer „Anpassung der Eintrittspreise an die allgemeine Preisentwicklung, z.B. in Bezug auf Personal-, Material- und Energiekosten“ gezwungen. Die Eintrittspreise im Großen Haus und in den „Kammerspielen werden in der Preisgruppe 1 um jeweils zwei Euro auf 30 (unter der Woche) und 32 (Wochenende) und in der Preisgruppe 2 auf 23 bzw. 25 Euro steigen.