Mit Thyssen-Krupp Gleistechnik stirbt eine Tradition in Bochum

Eine Aufnahme aus besseren Zeiten. Im Jahr 2009 liefen die Geschäfte im Weichenwerk noch gut.
Eine Aufnahme aus besseren Zeiten. Im Jahr 2009 liefen die Geschäfte im Weichenwerk noch gut.
Foto: WAZ FotoPool
Schon vor mehr als 120 Jahren wurden in Bochum Weichen und Schienenkreuzungen hergestellt. Doch der Verkauf des Werkes scheiterte. Jetzt droht der traditionsreichen Fabrik in Stahlhausen die Abwicklung. Die Gewerkschaft will noch um eine Perspektive kämpfen.

Bochum.. Knapp 100 Mitarbeiter sind in Bochum von der angekündigten Schließung der Thyssen-Krupp-Gleistechnik betroffen. Ursprünglich hatte der Essener Konzern die Sparte mit ihren insgesamt rund 260 Beschäftigten verkaufen wollen, doch dies ist gescheitert. Sollte die Schließung des Weichenwerks in Stahlhausen tatsächlich bis zum Ende des Jahres umgesetzt werden, endet eine bald 120-jährige Tradition in Bochum.

Für die IG Metall sind die Würfel jedoch noch lange nicht gefallen. Die erste Bevollmächtigte Eva Kerkemeier sieht das Engagement zur Schaffung einer Perspektive für das traditionsreiche Werk an erster Stelle. Zudem müssten betriebsbedingte Kündigungen in jedem Falle vermieden werden. Dies hatte der Thyssen-Krupp-Konzernbetriebsrat bereits am Donnerstag gefordert.

IG Metall kämpft für Perspektive

Mike Rotzoll ist Betriebsratsvorsitzender des Standorts Bochum der Gleistechnik-Sparte. „Wir sind wie vor den Kopf geschlagen. Die Schließungsankündigung kam für uns hier vor Ort völlig überraschend.“ Die Betriebsräte seien erst in dieser Woche über die Einzelheiten in der Essener Hauptverwaltung informiert worden. Mike Rotzoll berichtet, dass es zuletzt keine ernstzunehmenden Interessenten für einen Kauf der Sparte mehr gegeben habe. „Wir sind jetzt die Leidtragenden. Das wollen wir so nicht hinnehmen“, sagt der Betriebsratl. Damit spielt er darauf an, dass der einst wohlklingende Name durch das aufgedeckte Schienenkartell arg gelitten hätte. Thyssen-Krupp war mit einer Kartellstrafe in Höhe von rund 191 Millionen Euro belegt worden.

Von der Schließung des Bochumer Werkes wären außer den rund 80 festen Betriebsangehörigen auch etliche Leiharbeiter sowie sieben Auszubildende betroffen. Für den Betriebsrat gehe es jetzt vor allem darum, dass es ohne Kündigungen über die Bühne gehe.

Hoffnung auf einen Käufer

Obwohl der Konzern in seiner Erklärung von Anfang der Woche ankündigte, möglichst sozialverträglich vorzugehen, liegen der WAZ Informationen vor, dass das Ende möglicherweise schneller kommt. Es gebe deutliche Hinweise, dass bereits jetzt keinerlei neue Aufträge mehr entgegengenommen würden.

Rotzoll hofft trotz der schlechten Nachrichten, dass sich doch noch ein Käufer findet: „Andernfalls könnte hier schon vor Jahresende Schluss sein.“

 
 

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