IHK verlangt mehr Gebühren und Beiträge von tausenden Betrieben

Andreas Rorowski
Sitz der Industrie und Handelskammer (IHK) mittleres Ruhrgebiet in Bochum.
Sitz der Industrie und Handelskammer (IHK) mittleres Ruhrgebiet in Bochum.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Eine Millionen Euro mehr sollen so 2016 in die Kasse fließen. Gebühren steigen um 35 Prozent. Neuer Geschäftsführer will die Kammer „verschlanken“

Bochum. Auf höhere Grundbeiträge und steigende Gebühren müssen sich die 28 000 in der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet organisierten Betriebe vom 1. Januar 2016 an einstellen. Dies hat die IHK-Vollversammlung mit großer Mehrheit beschlossen. Damit soll der Rückgang der Einnahmen kompensiert werden, die der IHK zu schaffen machen.

Flossen 2012 noch etwa 8,2 Millionen Euro an Beiträgen in die Kasse, waren es im Vorjahr nur noch 7,2 Millionen Euro. Für 2015 werden noch einmal einige Hunderttausend Euro weniger erwartet. Die Beitragserhöhung soll 2016 ein Plus von eine Million Euro bewirken.

Konsolidierung im Fokus

„Wir müssen reagieren, um die Finanzen im Lot zu halten“, sagt IHK-Präsident Jürgen Fiege. Zwar müsse weiter gespart werden, so Hauptgeschäftsführer Eric Weik. „Aber die Erhöhung hilft uns bei der Konsolidierung.“ Vor allem Pensionsrückstellungen machen der Kammer zu schaffen.

Während 13 000 Mitgliedsunternehmen in Bochum, Herne, Witten und Hattingen von IHK-Beiträge befreit sind, kommen auf etwa 15 000 Firmen folgende Änderungen zu: Gewerbetreibende oder im Handelsregister eingetragene Firmen mit einem Jahresgewinn vor Steuern zwischen 5200 und 15 340 Euro bezahlen künftig jährlich 60 statt 50 Euro. Bis 30 700 Euro Gewinn sind 180 statt 150 Euro fällig. Die Beiträge für gewinnträchtigere Unternehmen, die bislang allesamt je 300 Euro bezahlten, werden künftig gestaffelt. Den höchsten Beitrag (900 Euro) bezahlen Unternehmen mit einem Jahresgewinn von 400 000 Euro. „Das ist verkraftbar“, so Weik. Viele andere IHK’s hätten höhere Beiträge.

Gebühren sollen Einnahmen steigern

Mehr Einnahmen soll es auch durch Gebühren geben. Die erste Anhebung seit 23 Jahren fällt happig aus und orientiert sich am Verbraucherpreisindex. Um 35 Prozent werden die Gebühren steigen. So werden für den Abschluss eines Ausbildungsvertrags einer Verkäuferin 104 Euro statt bisher 77 Euro fällig. Insgesamt 220 000 Euro mehr bis 2019 sollen allein für die Ausbildungsverträge in die Kasse fließen. Auch für andere Bereiche wie für Weiter- und Fortbildungen erhebt die IHK höhere Gebühren.

Eric Weik, Anfang November als Nachfolger des 2014 zurück getretenen Hauptgeschäftsführers Helmut Diegel angetreten, hat sich auf die Fahnen geschrieben, den „Bauchladen“ (O-Ton) IHK zu verschlanken, schloss aber weitere Entlassungen aus. Vermutlich bleiben auch die Regionalbüros über 2016 hinaus bestehen. „Wir werden uns auf zwei Säulen konzentrieren. Wir sind Dienstleister für unsere Mitglieder und werden herausfinden, was sie von uns benötigen. Und wir sind die Stimme der Wirtschaft im Mittleren Ruhrgebiet.“

Späte Erkenntnis - Ein Kommentar von Andreas Rorowski 

Beamtenähnliche Arbeitsverhältnisse werden bei der IHK seit 1997 nicht mehr abgeschlossen – als „Altlasten“ in Form von Pensionsrückstellungen freilich sind sie gegenwärtig.

Eine gewisse Beamtenmentalität ist der Kammer aber bislang immer noch zu eigen. Wie sonst ist zu erklären, dass sie erst jetzt – lange nach dem dies vieler ihrer Mitgliedsunternehmen längst schon vollzogen haben – schlanker und effektiver werden will und überhaupt ihre Kernaufgaben erst einmal identifizieren muss. So überraschen denn nicht Beitrags- und Gebührenerhöhungen, daran führt offenbar kein Weg vorbei, sondern die bisherige Trägheit einer Organisation, die in Sachfragen gerne Begriffe wie Flexibilität oder Marktorientierung anführt.

Der neue Hauptgeschäftsführer Eric Weik ist erst fünf Wochen im Amt. Zu kurz für ein Arbeitszeugnis. Eines aber ist spürbar: Mit ihm ist frischer Wind eingezogen.