Handwerksbetrieb flüchtet aus Bochum in die Nachbarstadt

Andreas Rorowski
Aus allen Nähten platzt der Betrieb von Markus Abitz in Langendreer. Zwei Jahre lang hat er nach einem anderen Standort gesucht.
Aus allen Nähten platzt der Betrieb von Markus Abitz in Langendreer. Zwei Jahre lang hat er nach einem anderen Standort gesucht.
Foto: Gero Helm
Weil sein bisheriger Standort in Langendreer „aus allen Nähten platzt“, hat Heizungsbauer und Installateur Markus Abitz einen neuen Firmensitz in Bochum gesucht. Vergeblich. Er zieht mit seinen 40 Beschäftigten nach Recklinghausen und erhebt Vorwürfe gegen die Wirtschaftsförderung.

Bochum. Er hat lange nach einem neuen Standort gesucht – in Bochum vergeblich. Nächsten Monat verlegt Markus Abitz seinen vor zehn Jahren gegründeten Installationsbetrieb mit knapp 40 Beschäftigten daher nach Recklinghausen. „Das ist eine Flucht“, sagt der 41-Jährige und erhebt Vorwürfe gegen Verwaltung und Wirtschaftsförderung der Stadt, in der er geboren wurde und lebt.

„In Recklinghausen bin ich willkommen, da hat man sich um mich bemüht und kommt auf mich zu.“ In seiner Heimatstadt habe er genau das vermisst. 600.000 Euro investiert er nun in der Nachbarschaft in den Kauf und den Umbau eines ehemaligen Bunkers und ein 3200 qm großes Grundstück im Stadtteil Hochlarmark. Die Gewerbesteuer geht künftig ins Recklinghäuser Stadtsäckel.

Vor zwei Jahren habe er sich mit der Wirtschaftsförderung in Verbindung gesetzt, weil sein Betrieb in Langendreer aus allen Nähten platze. Er suchte einen neuen Standort und hatte auch bereits einen Blick: in einem Gewerbegebiet in Hiltrop gegenüber dem Großhandel Elspermann. Von dort beziehe er seine Ware. Eine Ansiedlung in der Nachbarschaft hätte ihm eine eigene umfangreiche Lagerhaltung erspart. „Aber bei der Wirtschaftsförderung hieß es, die Ansiedlung eines Handwerksbetrieb sei dort nicht möglich, dabei ist da auch ein Autolackierer.“ Die angebotene Alternative, sich an der Gahlenschen Straße nieder zu lassen, kam für Abitz nicht in Frage. Er geht. „Wir sind zwar nur 40 Beschäftigte. Aber hier 40, da 40.“

Flächen sind Mangelware

Verbände und Dachorganisationen beklagen seit geraumer Zeit die mangelnde Bereitstellung von Flächen für die Wirtschaft – „im gesamten IHK-Bereich“, so Jörg A. Linden, Sprecher der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet. Die IHK setze in Bochum vor allem auf die Strukturveränderung im Bereich Wirtschaftsförderung, seit aus dem früheren Amt eine Gesellschaft unter dem Dach der stadteigenen Wirtschaftsförderung Holding geworden.

„Es gibt es die große Hoffnung, dass es zu einer nachhaltigen Standortentwicklung auf den Opel-Flächen kommt. Wir sind ganz sicher, dass die neue Spitze der Holding und der EGR sich der herausragenden Bedeutung der Flächenprobleme bewusst ist.“

Aus Sicht von Kreishandwerksmeister Johann Phillips hat es in der Vergangenheit oft Gerangel um Zuständigkeiten gegeben. Auch fehle die Nähe zu den Unternehmen. „Man muss raus in die Betriebe und ihre Belange kennen“, sagt er. Dass Markus Abitz unter den genannten Umständen die Stadt verlässt, dafür habe er Verständnis. Indes: „Ob ich genauso gehandelt hätte, steht auf einem anderen Blatt.“

Kritik überrascht Wirtschaftsförderer Heinz-Martin Dirks

Überrascht zeigt sich Heinz-Martin Dirks, Leiter der Wirtschaftsförderung Bochum GmbH und früherer Amts-Chef der Wirtschaftsförderung, von dem „Fall Abitz“. In dem betreffenden Gewerbegebiet gebe es sehr wohl die Möglichkeit auch für Handwerksbetriebe, sich anzusiedeln; zumindest auf der gegenüber Elspermann liegenden Straßenseite: „Ich kenne den Einzelfall nicht. Wir hätten garantiert eine Lösung gefunden, gerade Handwerksbetriebe sind sehr wichtig für uns.“ Er werde sich mit dem Firmeninhaber in Verbindung setzen. „Auch wenn ich an dem Umzug nichts mehr ändern kann, aber lernen können wir vielleicht davon.“

Was grundsätzlich die Betreuung von Firmen betreffe, so verfüge Bochums Wirtschaftsförderung über beste Möglichkeiten („wir sind hervorragend ausgestattet“). In seiner Amtszeit habe es lediglich einen Fall gegeben, in dem ein Unternehmen die Stadt verlassen habe. Ein Betrieb sei nach Herten gegangen, weil es zu diesem Zeitpunkt dort die besseren Fördermöglichkeiten gegeben habe. „Daran kann ich nichts ändern.“ Ansonsten könne er sich Kritik über eine mangelnde Betreuung eigentlich nicht vorstellen. Indes, so Dirks: „Es würde mich ärgern wenn wir jemanden nicht richtig betreut hätten. Ich möchte jeden Betrieb in der Stadt halten und darüber hinaus natürlich noch neue dazu gewinnen.“