Bochum

Gentrifizierung im Revier: So hat sich die Bochumer Alsenstraße verändert

Das Straßenfest auf der Alsenstraße in Bochum: Die alternative Szene hat sich hier ihren Kiez geschaffen.
Das Straßenfest auf der Alsenstraße in Bochum: Die alternative Szene hat sich hier ihren Kiez geschaffen.
Foto: Gero Helm/ WAZ FotoPool
  • In einigen Ruhrgebietsstädten tut sich in bestimmten Vierteln mächtig was
  • Besonders gut zu erkennen ist das in der Bochumer Alsenstraße
  • Wie es dazu kommt, dass sich Arbeiter ihr Viertel nicht mehr leisten könnten, erklärt ein Miet-Experte

Bochum. Gentrifizierung - das Wort hat jeder schon einmal gehört. Aber was steckt eigentlich wirklich dahinter? Welche Rolle spielt es im Revier?

Aichard Hoffmann vom Mieterverein Bochum kennt das Phänomen. Der Mietexperte erklärt, warum Gentrifizierung allgegenwärtig ist und vor allem sozial schwächere Viertel im Ruhrgebiet trifft.

Paradebeispiel Alsenstraße in Bochum

Gentrifizierung bezeichnet erst mal nicht viel mehr als einen sozialen und wirtschaftlichen Wandel in einem großstädtischen Viertel. Hoffmann unterteilt hierbei in vier Stufen. Als Beispiel dient die Alsenstraße südlich vom Bochumer Hauptbahnhof. Hier reihen sich graue Nachkriegsbauten aneinander.

„Hier ist bereits deutlich die zweite Stufe erkennbar“, so Hoffmann. Der Mietspiegel liegt zwar nur bei 5,70 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter, dennoch sind hier die Mieten in den letzten drei Jahren stark angezogen. Wo früher Arbeiter und Beamte wohten, flaniert heute ein gemischtes Publikum. Studenten, Künstler und Kreative haben auf der Alsenstraße ein zuhause gefunden.

Das Vier-Stufen-Modell nach Hoffmann

Die erste Stufe

Er erklärt sein Modell folgendermaßen: Zuerst werden häufig Studenten und Kreative von den günstigen Mieten angezogen. Das Viertel gewinnt an Attraktivität und gewinnt an Zuzug. Leerstand ist bald so gut wie gar nicht mehr vorhanden.

Die zweite Stufe

Im nächsten Schritt fängt die Szene an, sich einzurichten. Das Alsenwohnzimmer, betrieben von einem Verein, bildetet einen zentralen Treffpunkt auf der Alsenstraße für die kreative Szene. Im Hinterhof wird sogenanntes „Urban-Gardening“ betrieben. Der Verein bewirtschaftet den Garten, an dem sich auch andere Straßenwohner bedienen dürfen.

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„Die Szene schafft sich hier ihren eigenen Kiez“, bestätigt Hoffmann.

Arbeiter können sich das Viertel nicht mehr leisten

Die dritte Stufe

„Im dritten Schritt steigen die Mieten an. Das liegt vor allem daran, dass die Wohnungen modernisiert werden“, so der Wohnungsexperte. Häufig entstehen neue Spielplätze, Grünflächen oder Fassaden werden erneuert. Durch die Aufwertung des Wohnraums wird ein zahlungskräftiges Publikum angelockt.

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Exemplarisch steht hierfür ein Wohnhaus am Anfang der Alsenstraße. Der ursprüngliche Vermieter konnte sich irgendwann Renovierungsarbeiten nicht mehr leisten. Die Folge: Zwangsversteigerung, ein Investor kauft die Immobilie auf, modernisiert sie und bietet den Wohnraum für den dreifachen Preis an.

Die vierte Stufe

In der vierten und letzten Stufe kann sich das ursprüngliche Publikum, zumeist Arbeiter, die Gegend nicht mehr leisten. Die Preise sind so stark angestiegen, dass langjährige Bewohner ausziehen müssen. Die Gentrifizierung ist abgeschlossen.

Die Anwohner wünschen sich häufig eine Aufwertung ihres Stadtteils. Häufig werden sie aber Opfer des Gentrifizierungsprozess und müssen ausziehen.

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