Angehende Ärzte der Ruhr-Uni wollen nicht aufs Land ziehen

Markus Rensinghoff
Gruppenbild mit Ministerin Svenja Schulze. Vertagsunterzeichnung zwischen der Ruhr-Uni und den klinischen Kooperationspartnern.
Gruppenbild mit Ministerin Svenja Schulze. Vertagsunterzeichnung zwischen der Ruhr-Uni und den klinischen Kooperationspartnern.
Die Ruhr-Uni erweitert ihr Uni-Klinikum. Vertrag mit vier Häusern aus Ostwestfalen-Lippe unterzeichnet. Studierende protestieren gegen die Aufteilung.

Bochum. Für das Gespräch zwischen Medizin-Studentin und Ministerin war nur wenig Zeit. Sie tauschten kurz ihre Meinungen aus und das letzte Wort nahm sich die lächelnde Ministerin. „Wir haben 60 Studienplätze mehr geschaffen. Das ist doch begrüßenswert.“ Totschlagargument nennt man so etwas. Die Medizin-Studierenden der Ruhr-Uni haben dennoch so ihre Zweifel, ob das dann wirklich so gut werden wird, was am Mittwoch endgültig beschlossen, verkündet und unterschrieben wurde.

RUB-Rektor Weiler, NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) sowie die Vertreter sämtlicher zum Klinikum der Ruhr-Uni gehörenden Träger, elf Menschen also, leisteten Unterschriften unter einen Vertrag, mit dem die Ruhr-Uni ihr Universitätsklinikum um vier Häuser aus Ostwestfalen-Lippe erweitert. Sie werden ab dem Wintersemester 2016 den klinischen Ausbildungsabschnitt Bochumer Studierender mit übernehmen. 60 zusätzliche klinische Studienplätze werden dadurch pro Jahr geschaffen. Die Medizinerausbildung in Ostwestfalen-Lippe ist Teil des sogenannten Bochumer Modells. Die Landesregierung unterstützt das mit Landesmitteln in Höhe von sechs Millionen Euro pro Jahr. Die Unterschriften gingen entsprechend leicht von der Hand.

Allgemein-Mediziner ins Ostwestfälische holen

Die Männer und Frauen sind sich einig darüber, etwas Gutes zu tun. „Die Erweiterung des Bochumer Modells stellt nicht nur für die neuen Partner in Ostwestfalen, sondern für ganz NRW ein wichtiges, zukunftsweisendes Projekt der praktischen Medizinausbildung dar“, sagte Schulze dazu.

Im Grunde geht es darum, Allgemein-Mediziner aufs Land, also ins Ostwestfälische zu bringen. Dort fehlen Ärzte. Ein Umstand, den die Politik mit diesem Modellversuch ändern möchte. Die Hoffnung ist, das Studierende, die in Ostwestfalen ausgebildet werden, danach vor Ort bleiben. Sogenannte Klebeeffekte sollen das bewirken. Die aber wirken aktuell eher in Bochum.

Studierende sollten sich bewusst für Standort entscheiden können

Dort finden nicht alle Studierenden die Ärzte-in-spe-Landverschickung toll. „Die Angebote, die die Ruhr-Uni bietet, wie VRR-Ticket, Sportangebote oder Theaterflat“, sagt zumindest Max Joisten (25), Medizinstudent im zehnten Semester und Mitglied des Fachschaftsrates, „sind deutlich besser als die in Ostwestfalen. Ich glaube nicht, dass sich ausreichend Freiwillige finden lassen.“ Die Medizin-Studierenden sehen in ihrer Aufteilung auf verschiedene Standorte eine Ungleichbehandlung.

Sie stören sich vor allem am Tempo, das die Verantwortlichen für dieses Modellprojekt vorlegen. „Unsere Kernforderung ist“, sagt Joisten, „dass ein Verfahren ermöglicht wird, dass sich die Studierenden bewusst für einen Standort entscheiden können.“ Bislang werden zunächst Freiwillige gesucht. Gibt es sie nicht in ausreichender Zahl wird gelost – so nennen es die Studierenden. Das wiederum hören die Vertragsunterzeichner nicht so gern. Sie sprechen lieber von einem Auswahlverfahren und davon, dass es bestimmte Kriterien gibt, damit die Wahl leichter fällt.

Einig aber sind sich alle Beteiligten bei der Beurteilung der Qualität der Ausbildung in Ostwestfalen-Lippe. Die sei wirklich außerordentlich gut.