Veröffentlicht inStädte

Älteste Ruhrschnellweg-Tanke musste schließen

30735427--543x199.jpg
Foto: WAZ FotoPool

Bochum. 

Die wohl älteste Tankstelle am Ruhrschnellweg musste am Mittwoch dem Ausbau des Bochumer Westkreuzes weichen.

Der Lastwagen mit dem tschechischen Kennzeichen kommt im Rückwärtsgang angezuckelt. Der Fahrer war an der bereits gesperrten Ausfahrt vorbeigefahren und kam über die Abfahrt zurück. „Das kommt vor“, sagt Matthias Habelmann, stellvertretender Stationsleiter, einer Tankstelle, die es seit Mittwoch, 12 Uhr, nicht mehr gibt. „Wegfallend“ steht seit Monaten knapp auf einem Internetautobahnführer. Was da weggefallen ist, geht aus der Mitteilung von Straßen.NRW nicht hervor. So wundert es kaum, dass der verschwitzte Tscheche auf die Mitteilung des Personals, „Closed“, nur mit Kopfschütteln reagiert.

Kein Wunder: Mehr als 50 Jahre lang verkauften Generationen von Tankwarten an dieser Stelle Benzin und Diesel, wenn auch unter wechselnden Markennamen. Closed, geschlossen, ist eine Institution. Das weiß auch Matthias Habelmann, der drei Jahre Dienst am Ruhrschnellweg geschoben hat. Zuletzt arbeiteten rund zehn Menschen in dieser Tankstelle, die in den ihr Aussehen kaum veränderte, siehe Foto unten. Vier Tankwarte arbeiteten im Schichtdienst. „Wir waren hier ein tolles Team“, ruft Mitarbeiterin Sara ihrem Chef zu.

Kein Sprit mehr auf der A 40 zwischen Straelen und Dortmund

Keine Schönheit, diese Station, aber sie lief gut, sehr gut sogar. Das hat seinen Grund. Jedermann, der von Holland über den Straelen die A 40 entlang durchs Ruhrgebiet brauste, wartete sehnlichst auf diese Tankstelle. Dort gab es kein Motel, kein klimatisiertes Bistro oder einen preisgekrönten Rastplatz nach neuestem Schick. Nein, dort gab es Sprit. Seit Schließung der Tankstelle Dückerweg wenige hundert Meter weiter westlich, war dies die einzige Stelle zwischen Straelen und Dortmund, Fahrtrichtung Osten, für den Lebenssaft der mobilen Welt. Genau 72,3 Kilometer nach der Grenze. Eine lange Strecke, vor allem wenn Ebbe herrscht im Tank. Dies musste selbst Rolf Witte, Projektleiter bei Straßen.NRW, und für den Ausbau der A 40 verantwortlich, vor rund 30 Jahren feststellen. „Ich kam mit meiner Familie aus Holland. An der Grenze gab es keine Tankstelle. Da wurde es ganz eng.“ Gerade rechtzeitig habe er damals bei Moers eine Tankstelle gefunden.

Pro Tag stoppten rund 300 Fahrzeuge im Schatten der Brücke Wattenscheider Straße, darunter etwa 100 Lastwagen. Viele Holländer, Engländer oder Belgier waren darunter. Als 1957 mit dem Ausbau des Teilstücks auf Bochumer Gebiet begonnen wurde, gab es ganz rasch eine Tankstelle, wahrscheinlich die erste überhaupt an der neuen Strecke. Denn schon seit den 30er Jahren wurde direkt an der Wattenscheider Straße Kraftstoff verkauft, im Namen des Rheinpreussen AG. Die weißen Zapfsäulen mit dem grasgrünen Emblem gelten heute als Sammlerstücke, stehen sie doch für eine Bewegung, die Bergwerksunternehmer hin zur Benzinherstellung und -vermarktung trieb.

Doch diese Traditions-Tanke musste jetzt einem Plan weichen, der beinahe gleich alt ist. Der Bau des Westkreuzes benötigt Platz, viel Platz. Zwar ist ein Autohof auf der Nordseite der A 40, neben der Hansastraße, geplant. Aber das kann dauern.

Stationsleiter Wolfgang Kuhlmann hat an diesem letzten Tag, wenig Zeit für Rück- oder Ausblicke. Er muss Akten einpacken und Abrechnungen kontrollieren. Er ist kein Mann großer Worte, aber leicht fällt ihm der Abschied ebenfalls nicht. Sein Vertreter Matthias Habelmann wird wenigstens nicht arbeitslos. Er wechselt das Gewerbe: „Ich mach’ mich selbstständig und zwar mit einem Reptilienhandel.“ Die lockeren Sprüche seiner Kollegen werden ihm da sicherlich fehlen…