Weltcup-Siegerin Corinna Martini beendet ihre Karriere

So jubelte Corinna Martini beim Heimsieg in Winterberg noch auf dem Schlitten liegend.
So jubelte Corinna Martini beim Heimsieg in Winterberg noch auf dem Schlitten liegend.
Foto: Thomas Nitsche
Den erneuten Sprung in das deutsche Weltcup-Team verpasst, die Karriere beendet: Corinna Martini vom BSC Winterberg freut sich nun auf die Zeit nach dem Rennrodeln. Der Heimsieg 2012 auf der Bobbahn in Winterberg war der größte Erfolg der 28-Jährigen.

Winterberg.. Als Corinna Martini auf die Straße tritt, fährt sie sich mit einer Hand durch das Haar, rückt ihre modische Mütze in Position und sagt: „So, jetzt fahre ich erstmal shoppen.“

So gewöhnlich diese Situation für manch’ 28-jährige junge Dame erscheint, so ungewöhnlich fühlt sich die Freiheit, spontan einfach die Dinge zu tun, nach denen gerade der Sinn steht, für die Winterbergerin an. Besonders Anfang November, wenn die Kälte langsam ins Sauerland kriecht und das Eis der Bobbahn auf perfekter Betriebstemperatur ist.

22 Jahre bestimmte nicht nur der Eiskanal an der Kappe den Takt in Corinna Martinis Leben. 22 Jahre lang verschrieb sich die Sauerländerin voll und ganz dem Rennrodeln. Damit ist nun Schluss: Corinna Martini, die Weltcup-Starterin und Vorzeigerodlerin des BSC Winterberg, beendet ihre Karriere. „Natürlich trauert man im ersten Augenblick ein wenig, obwohl es auch die eine oder andere Entscheidung gab, mit der ich nicht einverstanden war“, sagt sie, um schnell zu ergänzen: „Aber nach so vielen Jahren im Leistungssport freue ich mich jetzt ziemlich doll auf das, was folgt.“

Sentimentale Rückfahrt

Zumal die Lage vor der am Wochenende mit dem Weltcup im norwegischen Lillehammer beginnenden Saison eindeutig war: Schafft Martini in den Selektionsrennen den Sprung in das deutsche Team nicht - war’s das. Noch mal die Ochsentour durch den Nationencup „hätte keinen Sinn gemacht“, sagt sie gelassen.

Obwohl: Als das Karriere-Ende nach den Rennen in Altenberg Gewissheit wurde, überkam Martini schon eine gehörige Portion Wehmut. Denn damit platzte auch ihr Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen im kommenden Februar in Sotschi als Laufbahn-Höhepunkt und -Abschluss. „Nach dieser Saison wäre ohnehin Schluss gewesen“, erklärt sie.

Also schaltete Martini, die ihr Debüt im Weltcup am 14. Januar 2007 in Oberhof als Ersatz für die nur wenige Tage zuvor zurückgetretene Rennrodel-Legende Sylke Otto feierte, ihr Handy ab und igelte sich erstmal bei ihrer Familie im Winterberger Ortsteil Elkeringhausen ein. „Allerdings half auch die gut fünfstündige Fahrt alleine im Auto aus Altenberg zurück ins Sauerland, den ersten Frust loszuwerden“, sagt sie lachend und verrät ihr Gute-Laune-Motto: „Ich denke einfach an die schönen Momente meiner Karriere.“

Von denen gab es viele, nachdem „die Nervensäge, die immer auf den Schlitten wollte“, so beschreibt ihre Schwester Diane die kleine Corinna, mit sechs Jahren erstmals rodelte. „Mit vier Jahren übte sie bereits in der Badewanne den Start mit Paddelschlägen und sorgte für etliche Überschwemmungen“, verrät Diane Koch außerdem.

Mehrfach gewann Corinna Martini die deutsche Juniorenmeisterschaft, holte zweimal die Bronzemedaille bei den Juniorenweltmeisterschaften und feierte 2001 den Gesamtsieg im Juniorenweltcup. Bei der EM 2010 rast Martini zwar zur Silbermedaille, aber der größte Erfolg gelingt ihr am 22. Januar 2012 - in Winterberg.

„Der Höhepunkt meiner Karriere war natürlich der Weltcup-Sieg auf meiner Heimbahn“, erzählt sie mit leuchtenden Augen stolz. Details der anschließenden Feier will sie allerdings nicht preisgeben. Nur soviel: „Das gesamte Wochenende war phänomenal.“

„Es klafft eine Lücke“

Und nun? Adieu Leistungssport, tschüss BSC Winterberg?

„Wenn es die Zeit zulässt, helfe ich dem BSC natürlich bei der einen oder anderen Veranstaltung“, sagt Corinna Martini. Vielleicht gibt sie ab und an ihre Erfahrung auch an die Nachwuchsrodler weiter. „Aber fest werden wir sie nicht einbinden“, erklärt BSC-Vorsitzender Jens Morgenstern. Er begleitete die Winterbergerin fast von Kindesbeinen an als Trainer durch ihre Karriere. „Es hat auch auf Grund ihres fröhlichen Wesens sehr viel Spaß gemacht“, sagt Morgenstern, der erneut vor der schweren Aufgabe steht, eine gewisse Leere in der Disziplin Rodeln mit Leben zu füllen. „Erstmal klafft eine Lücke“, sagt er.

Für Corinna Martini gibt es andere, neue Prioritäten. Zuerst will die Bundespolizistin versuchen, eine Stelle in Heimatnähe zu bekommen, wenn sie ab dem nächsten Frühjahr regelmäßig Dienst schieben muss. „Mein Traum wäre es, Hundeführerin zu werden“, ergänzt die tierliebe Sauerländerin.

Noch aber muss die einstige Profisportlerin „abtrainieren“ - und zwischendurch einfach mal shoppen gehen.

 
 

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