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Wirth präzisiert Dopingvorwürfe gegen Ullrich

Bad Berleburg. Der Biathlon-Sport kommt nicht zur Ruhe. Ex-DDR-Biathlet Jürgen Wirth, der in Bad Berleburg lebt und arbeitet, präzisierte seine Doping-Vorwürfe gegen Männer-Bundestrainer Frank Ullrich. Der bestreitet allerdings, Dopingmittel verabreicht zu haben.

Jürgen Wirth wirft Ullrich Mitwisserschaft sowie Kontrolle der Dopingeinnahme vor. „Ich habe nie behauptet, dass er mir die Tabletten in die Hand gegeben hat“, sagte Jürgen Wirth, der aus Thüringen stammt und nach der Wende mit seiner Familie in Südwestfalen eine neue Heimat gefunden hat, in der ARD.

Für die Verabreichung seien Ärzte und Physiotherapeuten verantwortlich gewesen. „Aber Frank Ullrich war bei den Teambesprechungen dabei und hat die Einnahmen überwacht“, stellte Jürgen Wirth klar.

„Anweisung gegeben“

Der 43-Jährige, der 1987 mit der DDR-Staffel Biathlon-Vizeweltmeister geworden war, erklärte außerdem, dass seine ehemaligen DDR-Trainer Wilfried Bock und Frank Ullrich „Anweisung gegeben haben, die trainingsunterstützenden Mittel zu nehmen“.

Zu diesen Vorgängen hat der Bad Berleburger Wirth zudem eine eidesstattliche Versicherung abgegeben. „Aus meiner Sicht ist alles gesagt“, so Wirth zur Westfälischen Rundschau, die ihn am Donnerstag telefonisch erreichte.

„Die Trainer sollen dazu stehen“

In dem Gespräch erklärte Wirth auch, warum er erst jetzt, und damit 20 Jahre nach dem Doping, an die Öffentlichkeit getreten ist. „Ich wurde auf das Thema angesprochen und habe geantwortet.“ Weitere Beweggründe äußerte er in der ARD. „Ich will niemanden schädigen. Aber die Trainer, die damals Bescheid wussten, sollen dazu stehen und die Wahrheit sagen.“

„Ungeheuerliche Vorwürfe“

Der Deutsche Skiverband, Frank Ullrichs Arbeitgeber, zweifelt an der Glaubwürdigkeit von Wirth, prüft aber die massiven Doping-Vorwürfe. Ullrich selbst hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet und will juristische Schritte gegen die, seiner Meinung nach, „ungeheuerlichen Vorwürfe“, einleiten. „Ich habe in keinster Weise einem Athleten Dopingmittel verabreicht. Weder im DDR-System noch heute“, sagte der Bundestrainer.

Die Doping-Vorwürfe von Wirth gegen Männer-Bundestrainer waren am vergangenen Sonntag öffentlich geworden. „Die Trainer Wilfried Bock und Frank Ullrich haben die Einnahme kontrolliert, damit jeder die Tablette nimmt”, hatte Wirth in der ARD-Sportschau gesagt. Jens Steinigen, ebenfalls Ex-DDR-Athlet und 1992 mit der gesamtdeutschen Staffel Olympiasieger, stützt die Wirth-Aussagen.

Laut Steinigen sei Ullrich Mitte der 1980er Jahre bei Gesprächen, in denen es um Dopingmittel-Vergabe ging, anwesend gewesen. Ullrich, damals Assistenztrainer des DDR-Kaders und seit zehn Jahren Bundestrainer der deutschen Männermannschaft, wehrt sich.

Der Deutsche Skiverband (DSV) will Ullrich bis zur Klärung der Vorwürfe nicht beurlauben. Entgegen eigener Darstellung soll dem Verband aber eine Empfehlung vorgelegen haben, Ullrich wegen dessen Verstrickungen ins DDR-Dopingsystem nicht mehr zu beschäftigen.

Nach Informationen des WDR hatte das Präsidium des ehemaligen Deutschen Sportbunds (DSB), der inzwischen mit dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aufgegangen ist, im Mai 1991 dem DSV eine entsprechende Mitteilung gemacht. Demnach sei eine Kommission des damaligen DSB-Präsidiums zu Doping-Fragen überzeugt gewesen, dass „im Biathlonsport der ehemaligen DDR flächendeckend gedopt worden ist und hierüber alle Trainer, Ärzte und Funktionäre“ informiert gewesen seien.

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