Veröffentlicht inSportmix

Trabrennfahrer Nimczyk ist erst 27, hat aber schon 1200 Siege

Der frühere Europameister der Lehrlinge ist in diesem Jahr der erfolgreichste Fahrer in Deutschland. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Sein einziger Freizeit-Luxus: Eine Dauerkarte für Borussia Mönchengladbach. Nimczyk tritt am Sonntag beim Derby in Berlin-Mariendorf an. Ein Sieg? „Wäre nicht schlecht“.

Willich. 

Das Pferd will nicht in den Transporter. Mit vier Leuten stehen sie um den Traber herum und versuchen, ihn irgendwie in den Anhänger zu kriegen.

Michael Nimczyk lächelt. „Haben wir gestern schon versucht, hat auch nicht geklappt.“ Dabei kennt sich der 27-Jährige doch bestens aus mit Pferden. Er ist in diesem Jahr der erfolgreichste Trabrennfahrer Deutschlands, insgesamt hat er in seiner Karriere schon über 1200 Rennen gewonnen. Am Sonntag startet er beim Deutschen Traber-Derby in Berlin.

Interessiert das Pferd aber nicht, es will nicht in den Hänger.

Nimczyk überlässt seinen Leuten das Problem. Er hat die riesige Reitanlage in Willich von seinem Onkel gepachtet. 49 Pferde von unterschiedlichen Besitzern trainiert er dort. Eigene Trainingsbahn, eigene Führmaschine, die die Pferde automatisch bewegt, herrliche Koppeln.

Nimczyk weiß gar nicht so genau, wann er erstmals in einem Sulky gesessen hat. „Da war ich neun“, sagt er. „Vielleicht war ich aber auch zehn.“ Sein Vater Wolfgang war damals, als die Traber-Zeiten noch wesentlich bessere waren, auf den Bahnen in Gelsenkirchen, Dinslaken, Recklinghausen und Mönchengladbach unterwegs. „Ich war so oft wie möglich dabei“, sagt der Sohn.

Er wurde älter, hielt sein Abschlusszeugnis von der Schule in der Hand und wollte Profi werden, doch sein Vater war nicht einverstanden. Sie einigten sich so: Der Sohn sollte erstmal Speditionskaufmann lernen. Nach vier Wochen warf er die Lehre hin und stand wieder im Stall. Vater Wolfgang gab auf: Sohn Michael machte die Ausbildung zum Pferdewirt.

Nimczyk ist Trabrennfahrer und mittelständischer Unternehmer

Er hatte Talent, Glück und Durchsetzungswillen. 2005 holte er sich den Europameister-Titel der Lehrlinge, 2008 und 2009 gewann er den Goldhelm, die Krone für den erfolgreichsten Trabrennfahrer Deutschlands. Und er hatte den richtigen Onkel. Hans Brocker ist der größte Möhren-Produzent Deutschlands, und er liebt Pferde. Der Werbespruch seines Unternehmens lautet: „Willst du, dass deine Pferde laufen, musst du Brockers Möhren kaufen.“

Also kaufte Onkel Hans die Reitanlage in Willich, ließ sie umbauen fürs Traben, und Michael Nimczyk pachtete das ganze Gelände. In der Hochsaison ist er jetzt nicht mehr nur Trabrennfahrer, sondern auch ein mittelständischer Unternehmer mit zehn Angestellten.

Morgens um sechs kommt er auf die Anlage, Füttern, Vormittags-Training, dann bringt die Oma das Mittagessen für die Belegschaft („Bei ihr schmeckt einfach alles“), nachmittags Pferdepflege, abends zu den Rennen. Manchmal bis nach Berlin oder Hamburg. „Vor dort fahren wir nachts zurück“, sagt der 27-Jährige. Morgens um vier kommen die Traber zurück in ihre Box, zwei Stunden später wird schon wieder gefüttert.

Sieben Tage die Woche, Pferde kennen kein Wochenende. Nur den Mittwochnachmittag hält Nimczyk sich frei. Endlich Zeit, um Fußball zu spielen. Und eine Dauerkarte für Borussia Mönchengladbach hat er auch. Sein einziger Freizeit-Luxus. „Mehr Zeit habe ich einfach nicht.“

Das Pferd auf dem Hof will immer noch nicht in den Hänger. Brockers Möhren helfen auch nicht. „Wird schon irgendwann“, sagt Nimczyk. Er hat im Moment anderes im Kopf: Das Traber-Derby am Sonntag in Berlin. Ein Sieg? Er überlegt. „Wäre nicht schlecht“, antwortet er dann und lacht.