Zum Tode von Jochen Hageleit

Foto: imago sportfotodienst

Essen. Jochen Hageleit war jahrelang eine der markanten Fußball-Radio-Stimmen. Am Dienstag wurde er zu Grabe getragen. Unser Kolumnist Manni Breuckmann erinnert an den Reporter.

Am Dienstag ist Jochen Hageleit zu Grabe getragen worden. Weil die Erinnerungen überfließen, soll ihm hier ein kleines Denkmal errichtet werden. Jochen Hageleit, der 71 Jahre alt wurde, war lange Jahre eine der markanten Fußball-Radio-Stimmen. Zu einer Zeit, als es Bundesliga live nur bei „Sport und Musik“ gab.

In den Siebzigern bildete Hageleit mit Heribert Faßbender und Armin Hauffe einen unschlagbaren Dreier-Sturm der Fußball-Reportagen aus dem Westen. Persönlich habe ich ihn zum ersten Mal im Stimberg-Stadion in Erkenschwick erlebt: Wie ein Square-Dancer tänzelte er auf dem mit Teerpappe verkleideten Toiletten-Flachdach, er durchlebte seine Stakkato-Schilderungen körperlich.

Ganz besonders liebten ihn die Anhänger des Wuppertaler SV; bei einem Auswärtsspiel berichtete er über extra aufgestellte Lautsprecher exklusiv für die vielen WSV-Fans, die nicht mehr ins Stadion kamen. Hageleit war auch ein Schlitzohr; er sperrte mal einen Schiedsrichter in der Halbzeit in seiner Kabine ein, um so die Reportage-Zeit zu verlängern. Denn es wurde damals nach Minuten bezahlt. Offensichtlich hatte er auch magische Kräfte, denn es gab eine Phase, da fiel fast jedes Mal ein Tor, wenn Jochen Hageleit gerufen wurde.

Hageleits dynamische Stimme zog die Zuhörer sofort in ihren Bann. Er war unverwechselbar, nach ein paar Sekunden wusste jeder: Jetzt reportiert der Hageleit. Und das ist auch die Botschaft an seine Nachfolger, jenseits aller nostalgischen Anwandlungen und Idealisierungen: Nur wer nicht beliebig austauschbar ist und Duftmarken setzt, wird dauerhaft in Erinnerung bleiben. Wie Jochen Hageleit.

 
 

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