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Volker Finke ist immer noch Freiburg-Fan

Volker Finke war 16 Jahre Trainer SC Freiburg. Am Samstag trifft der Sportdirektor des 1. FC Köln zum ersten Mal auf seinen ehemaligen Klub. Wir haben mit Finke vor diesem besonderen Spiel gesprochen.

Köln. 

Von 1991 bis 2007 trainierte Volker Finke (62) den SC Freiburg. Seit 1. Februar ist er Sportdirektor des 1. FC Köln. Am Samstag treffen die Kölner auf Freiburg. Wir haben mit Volker Finke gesprochen.

Herr Finke, Sie waren 16 Jahre in Freiburg. Am Samstag treffen Sie mit dem 1. FC Köln zum ersten Mal auf Ihren ehemaligen Klub – voller Emotionen?

Volker Finke: Es ist natürlich kein normales Spiel für mich, weil ich in den vielen Jahren in Freiburg wunderschöne Erlebnisse hatte und mich mit diesem Klub sehr stark identifiziert habe – jetzt immer noch als Fan. Ein paar Dinge aus meiner Zeit haben sich dort auch gut gehalten, wie zum Beispiel die Nachwuchsarbeit. Das freut mich, da bin ich mit vielen Sympathien dabei.

In Freiburg haben Sie den Fußball mit einer ganz speziellen Marke versehen. Was Sind Ihre Ziele in Köln?

Finke: Köln hat einen Standortvorteil gegenüber Freiburg. Während wir in Freiburg gute Spieler wie Cardoso, Todt oder Heinrich immer wieder abgeben mussten, gibt es hier die Möglichkeit, die Spieler länger im Verein zu halten. Aber die Möglichkeiten, die der Standort Köln bietet, haben sich in den vergangenen Jahren nicht in den Ergebnissen widergespiegelt. Der 1. FC Köln ist kein Verein, der jedes Jahr um den Klassenerhalt spielen sollte – Köln muss im Mittelfeld marktgerecht einlaufen. Nicht oben auf den Plätzen eins bis sechs, aber auf sieben bis zwölf. Man kann als Klub eine langfristige Perspektive entwickeln – wie man es jetzt ja auch in Dortmund sieht, wo Jürgen Klopp gerade im dritten Jahr arbeitet. Diese langfristige Perspektive versuche ich, auch hier in Gang zu setzen.

Gilt das auch für Trainer Frank Schaefer, der bisher ja nur einen Vertrag bis zum Ende der Saison hat?

Finke: Der Trainer hat nach dem Wechsel im Herbst genau die richtigen Impulse gesetzt, die Mannschaft arbeitet jetzt wieder deutlich besser zusammen. Frank Schaefer und ich schmeißen alle unsere Gedanken in einen Topf, damit wir unser Ziel erreichen. Unser Verhältnis ist von großem Vertrauen geprägt, und an der Stelle, an der es um den Vertrag geht, ist es besonders vertrauensvoll. Das heißt, wir wollen das jetzt gar nicht zum Thema machen und brauchen uns derzeit nicht über dezidierte Dinge wie einen Ein-, Zwei-, Drei- oder Vierjahresvertrag zu unterhalten. Wir konzentrieren uns auf den Klassenerhalt.

Sie haben in den vergangenen Jahren in Japan gearbeitet: Nimmt man aus dieser Zeit etwas mit in die Bundesliga?

Finke: Durch das Leben, das dort ein Stück langsamer geht, wird man gelassener – es ist so, dass man nicht mehr so leicht explodiert. Und ich habe nicht das Gefühl, dass mir das hier schadet.

Ist Köln bisher so, wie Sie es erwartet haben?

Finke: Von außen betrachtet habe ich die Wahrnehmung gehabt, dass in Köln Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt besonders krass zusammen liegt. Das ist sicher ein Klischee, aber es steckt auch ein Stück Wahrheit darin. Köln ist eine besonders verrückte Fußball-Stadt, und die versuche ich zu stabilisieren.

Haben Sie sich schon richtig eingelebt?

Finke: Meine Frau und ich haben gerade eine Wohnung gefunden, in zwei, drei Wochen hört das Hotelleben auf. Aber wir brechen unseren Stamm-Wohnsitz in Freiburg nicht ab – wir werden unsere wohnlichen Verhältnisse dort beibehalten. Wir behandeln Köln so wie Tokio.