VfL-Chef Altegoer stiftet mit Rücktritt Chaos

Trat zurück, nachdem die Mitglieder dem Aufsichtsrat die Entlastung verweigert hatten: Werner Altegoer.
Trat zurück, nachdem die Mitglieder dem Aufsichtsrat die Entlastung verweigert hatten: Werner Altegoer.
Foto: WAZ FotoPool

Paukenschlag beim VfL Bochum: Werner Altegoer (75) ist am späten Montagabend auf der Jahreshauptversammlung überraschend zurückgetreten.

Nach einem beispiellosen Hickhack um die Entlastung des Aufsichtsrates, an deren Ende dieses Gremium nicht entlastet wurde, sagte der Mann, der jahrzehntelang die Geschicke des Vereins führte: „Somit ist für mich persönlich die Arbeit für den VfL beendet.“ Da war es 22:30 Uhr am Montag, 4. Oktober. Es herrschte Chaos, Ratlosigkeit, Fassungslosigkeit im mehr als voll besetzten Saal des RuhrCongress’. Und Altegoer, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, schob sogar noch nach: „Die Herren Horst Christopeit, Heinz Hossiep, Volker Goldmann, Gerd Kirchhoff hören ebenfalls auf." Alles Bochumer-, VfL-Urgesteine. Damit ist über die Hälfte des bisherigen Rates nicht mehr an Bord des VfL.

Der Verein, der Bundesliga-Absteiger, versinkt im führungslosen Chaos.

Und Frank Goosen, der Autor und Kabarettist, stand oben auf der Bühne und wusste gar nicht, wie ihm geschah. Er sollte gewählt werden in den Aufsichtsrat an diesem denkwürdig-dramatischen Abend, als zehntes Mitglied. „Ich bin jetzt ratlos und von der Situation überfordert. Dieser Verein ist gerade dabei, sich selbst um die Ohren zu fliegen. Ich würde es mir sehr wünschen, wenn die Leute, die gerade zurückgetreten sind, es sich nochmal überlegen.“ Dennoch nahm er dann, gegen 23 Uhr, seine Wahl zum neuen Aufsichtsrat-Mitglied an.

Nach der Erschütterung setzten, nicht nur von Goosen, die ersten Appelle ein, das VfL-Schiff nicht führungslos sinken zu lassen. Wie es weiterging und weitergeht beim VfL, war völlig unklar. Um 23 Uhr war die Versammlung noch in vollem Gange.

Zu dieser schicksalhaften Wende war es nach verhaltemem Beginn gekommen, als Vorstand und Aufsichtsrat entlastet werden sollten - normalerweise eine schnell abgehandelte Formalie. Diesmal ein Erdbeben für den Verein.

257 Mitglieder, so die erste offizielle Verkündung, stimmten gegen eine Entlastung des Aufsichtsrats um deren Vorsitzenden Werner Altegoer, 54 enthielten sich, womit noch eine „entlastende“ Mehrheit von 346 geblieben wäre. Diese „Gegenprobe“ der Ja-Stimmen aber war nicht abgefragt worden. Mitglieder drängten auf eine Wiederholung - und erhielten sie unter tosendem Applaus. Ergebnis: Am Ende waren 309 gegen eine Entlastung und nur noch 213 dafür.

Auch der Vorstand kam ganz schlecht weg bei der Entlastung: Mit 196 Gegenstimen und 115 Enthaltungen bei 346 Ja-Stimmen kamen Thomas Ernst und Ansgar Schwenken wohl mit einer kräftigen Watsch’n davon, das ging nach Altegoers Rücktritt erstmal unter.

Bereits vor den ersten Abstimmungen war der sichtlich angeschlagene Sportvorstand Ernst unverhohlen zum Rücktritt aufgefordert worden aus der Mitgliederversammlung heraus. Auch das gab es noch nie beim VfL. Ernst’ Reaktion: „Ich werde heute Abend nicht zurücktreten.“

Schon vor dem Beginn war der VfL um eine Peinlichkeit reicher. Lange Schlangen noch um kurz vor 19 Uhr vor dem RuhrCongress, die Veranstaltung begann mit halbstündiger Verspätung. „Mit so vielen Besuchern hatten wir nicht gerechnet“, entschuldigte sich Altegoer da noch. Auch dafür, dass einige sogar stundenlang stehen mussten.

 
 

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