Bochum

VfL Bochum: Das ist der neue Top-Manager Ilja Kaenzig

Ilja Kaenzig ist der neue Finanzvorstand des VfL Bochum.
Ilja Kaenzig ist der neue Finanzvorstand des VfL Bochum.
Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Bochum. Dieser Karneval 2018 verdient mal das Wort „historisch“ für den VfL Bochum. Von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch hat der Zweitligist eine komplett neue Führung vorgestellt. Nach Sportvorstand Sebastian Schindzielorz und Trainer Robin Dutt, der am Rosenmontag sein Amt antrat, präsentierte sich gestern erstmals Ilja Kaenzig.

Der 44-Jährige erhält als neuer Finanzvorstand und Sprecher des Vorstandes einen Vertrag über drei Jahre. Ein paar Tage werde sein Vorgänger Wilken Engelbracht, der im Dezember von sich aus seinen Rückzug bis spätestens Sommer angekündigt hatte, ihm noch zur Seite stehen, erklärte Aufsichtsrats-Vorsitzender Hans-Peter Villis. Am 1. März tritt Kaenzigs Vertrag in Kraft.

Kaenzig ist laut Villis der gesuchte „Top-Manager“, der sich in allen erforderlichen Facetten auskenne: im kaufmännischen Bereich ebenso wie im sportlichen. Darüber hinaus soll der 44-jährige Schweizer den Bereich „Kommunikation“, der bisher noch in Christian Hochstätters Sportvorstands-Ressort fiel und einem Fiasko gleichkam beim VfL, mit Leben füllen. Als Sprecher des Vorstandes ist Kaenzig nun, anders als zuvor Engelbracht, ein Stück weit über Sportvorstand Sebastian Schindzielorz gestellt; in die Entscheidungen für seinen neuen Kollegen „Sesi“ (39) und für Trainer Robin Dutt war Kaenzig bereits mit einbezogen, erklärte Villis.

Kaenzig ist also der neue starke Mann beim VfL. Es ginge ihm aber, so der weit gereiste Betriebswirt, der unter anderem in Leverkusen und Hannover Erfahrungen als Manager sammelte (die WAZ berichtete), zwar um einen gepflegten „Austausch“ und gute „Zusammenarbeit“. Aber: „Jeder hat seinen Hut auf“, betont er mit Blick auf Transfers. „Sesi ist für die sportlichen Entscheidungen zuständig.“

Schindzielorz und Kaenzig bilden also das neue Führungsduo. Dabei bleibt es, wenn der VfL seine Profiabteilung ausgliedert und diese in die neue GmbH & Co. KGaA überführt wird. Dann fungieren sie als Geschäftsführer, und auch Kaenzig weiß, was der VfL Bochum vor der Zustimmung von 80 Prozent der Mitglieder erklärt hat: „Wir werden 50 +1 beibehalten, dazu stehen wir“, betonte Villis am Mittwoch.

Aktuell wird ja bundesweit heiß diskutiert, ob die noch gültige Regel gekippt wird. Sie verhindert, dass Investoren die Mehrheit und damit die Macht übernehmen in einem Fußballklub.

Kaenzig war einst ein Befürworter der Abschaffung, „Aber man darf seine Meinung in zehn Jahren auch ändern“, sagt er. „Der Markt hat sich verändert. Deutschland hat mit 50 +1 ein Alleinstellungsmerkmal, der Weg der strategischen Investoren ist erfolgreich. Es gibt eine enorme Wertschöpfung, die Stadien sind voll, die Vorbilder kommen aus der eigenen Jugend. Ich sehe keinen Vorteil, hier 50 +1 abzuschaffen.“

Smart, beredt, mitunter allerdings auch unverbindlich präsentiert sich der Schweizer, der die Sprache der Diplomatie und des Schmeichelns zweifelsfrei beherrscht. Es gelte, die „Balance“ zu finden zwischen der Wahrung der Identität, von der der VfL lebe, Wirtschaftlichkeit, Professionalisierung. Bochum sei eben kein „normaler Verein“, sagt Kaenzig; sondern einer mit viel Tradition, Erfolg; ein Klub, der im In- und Ausland als Erstligist gefühlt wird.

„Das verdient Respekt. Ich bin stolz, hier zu sein“, sagt Kaenzig und deutet das seit Jahren immer wieder kehrende Ziel, den Aufstieg, an. „Natürlich ist es auch unsere Mission, den Verein wieder da hinzuführen, wo er mal war.“

Aktuell allerdings gehen andere Themen vor. Stabilität ist ein Stichwort, von „Ruhe und Befriedung“ spricht Kaenzig und davon, „dass wir erstmal die 3. Liga verhindern müssen“.

Freitag spielt Bochum in Heidenheim. Abstiegskampf pur.

 

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