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Rein van Duijnhoven: „Ich will zurück zum VfL Bochum“

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Unter Neururer führte er den VfL in den UEFA-Cup, unter Verbeek hofft er auf eine Rückkehr nach Bochum. Im Interview spricht der Kultkeeper Klartext.

Bochum/Helmond. 

Herr van Duijnhoven: Wenn sie “VfL Bochum” hören, denken Sie sofort…?

Rein van Duijnhoven: An die schönste Zeit meiner Karriere zurück. Ich verfolge den VfL nach wie vor jeden Tag, lese in den Fanforen, im Teletext, online. Nach sieben Jahren in Bochum kann ich sagen: Der VfL, das ist mein Verein. Das Umfeld, die Fans, alles war großartig.

Dabei war es nach ihrer Verpflichtung gar nicht sicher, ob sie zunächst überhaupt regelmäßig zum Einsatz kommen würden.

Van Duijnhoven: Ich sollte den Konkurrenzkampf mit Thomas Ernst annehmen. Im ersten Jahr haben wir uns noch abgewechselt, danach war ich aber die Nummer eins.

Sie waren sogar drei Jahre lang laut Kicker notenbester Spieler der Liga.

Van Duijnhoven: Das stimmt. Ein Jahr in der 2. Liga und danach zwei Jahre hintereinander in der Bundesliga. Das war eine tolle Zeit.

Viele VfL-Fans fragen sich: Warum arbeiten sie jetzt bei Helmond Sport in der zweiten niederländischen Liga und nicht in Bochum?

Van Duijnhoven: Das frage ich mich auch.

Sie haben also nie ein Angebot erhalten?

Van Duijnhoven: Nein. Ich habe mich immer gefragt, wann es denn endlich passieren könnte. Aber der VfL hat jetzt mit Gertjan Verbeek einen niederländischen Trainer. Vielleicht klingelt ja bald mal das Telefon. Zuhause ist das auch Thema. Es gäbe doch nichts Schöneres, oder? Aber in den sieben Jahren kam nichts von Vereinseite aus, das ist schade.

Dabei waren sie Publikumsliebling, Leistungsträger. Haben sie eine Erklärung dafür?

Van Duijnhoven: Nein. Mein Draht zu Marcel Koller war nicht der beste, aber das war kein Problem. Ansonsten hatte ich zu allen eigentlich eine gute Beziehung. Im Umgang mit mir gab es nie Probleme. Daran kann es nicht gelegen haben.

Als Reaktion darauf haben sie das Angebot von Helmond Sport angenommen?

Van Duijnhoven: Zunächst habe ich nur sehr wenig gemacht im Jahr nach meiner Zeit in Bochum, danach habe ich in Helmond angefangen, auch kommerzielle Dinge geregelt, aber vor allem Torwarttraining. Das tue ich nach wie vor neben anderen organisatorischen, technischen Aufgaben. Es macht unheimlich viel Spaß, aber das alles hier ist natürlich ein kleines Stückchen kleiner als in Bochum.

Sie haben also höhere Ambitionen als Helmond und hoffen auf ein Angebot des VfL?

Van Duijnhoven: Ja, natürlich. Die Kinder sind größer, 13 und 16. Alles würde passen von meiner Seite aus.

Derzeit sind sie Torwarttrainer. Wären Sie auch offen für andere Bereiche?

Van Duijnhoven: Jetzt bin ich Torwarttrainer der ersten Mannschaft, nebenher bin ich involviert bei Spielertransfers, das Regeln des Trainingslagers, solche Geschichten. Das ist, was ich derzeit mache. Aber natürlich steht mein Engagement als Torwarttrainer an erster Stelle. Mit meiner Erfahrung kann ich den Keepern nach wie vor sehr viel beibringen. Vor allem in Sachen Stellungsspiel: Wo ist der Ball? Wie stimme ich mich mit der Viererkette ab?

Haben sie noch Kontakt zu alten Teamkollegen?

Van Duijnhoven: Von damals sind ja kaum noch Leute an Bord, nur mit Heiko Butscher habe ich noch zusammengespielt.

Wann waren sie zuletzt im Bochumer Stadion?

Van Duijnhoven: Letztes Jahr. Mit “Woszi” (Darius Wosz) habe ich noch intensiven Kontakt. Meine Kinder und ich hatten uns eigentlich schon um Karten gegen Erzgebirge Aue gekümmert, doch nach der Neururer-Entlassung und der Verbeek-Geschichte habe ich davon abgesehen, ins Stadion zu gehen. Den Moment fand ich einfach unpassend. Das hätte nur für unnötiges Gerede gesorgt und niemandem geholfen. Aber im Januar, Februar werden wir noch einmal vorbeischauen.

Sie sagten, sie verfolgen nach wie vor den VfL sehr intensiv. Welchen Eindruck haben sie derzeit vom Verein?

Van Duijnhoven: Zu Saisonbeginn lief es gut, doch immer, wenn es “big points” zu vergeben gab oder man die Möglichkeit hatte, Zweiter oder Dritter zu werden, verlor die Truppe. Der VfL steht natürlich zu weit unten in der Tabelle. Bochum sollte nie nach unten schauen müssen, sondern nach oben, dies sollte man auch ausstrahlen. Aber die 2. Bundesliga ist ein harter Wettbewerb. Man sieht beispielsweise, dass 1860 München schon seit Jahren Probleme hat. Ingolstadt hat sie mittlerweile eingeholt. Darmstadt kommt aus der 3. Liga und sorgt gleich für Furore.

Geld ist also doch nicht entscheidend?

Van Duijnhoven: Nein, es ist wichtig, nach Charakter zu scouten. Man braucht Siegermentalität und ich glaube, die VfL-Profis sind derzeit etwas angeschlagen.

Die VfL-Fans sind kritisch geworden und äußern ihren Unmut über die Entwicklung des Vereins oder bleiben dem Stadion fern. Wie haben sie das zu ihrer Zeit als Spieler wahrgenommen?

Van Duijnhoven: Als ich kam war der VfL ebenfalls in der 2. Liga und auch damals lief es nicht rund. Auch da waren die Fans kritisch, gingen zur Geschäftsstelle. Das Publikum hat ebenfalls höhere Ansprüche, will lieber jede Woche gegen Bayern, Hamburg, Bremen und Dortmund spielen. Auswärts sind sie dann auch schon mal auf die Barrikaden gegangen oder Fans haben sich vor den Bus gesetzt. Aber das gehört irgendwie auch dazu. Solche Aussprachen sind wichtig. Das ist kein Problem, solange alle normal bleiben. Worte verletzen nicht. Als Spieler muss man damit umgehen können.

Peter Neururer war ihr Trainer von 2001 bis 2005. Wie war ihr Verhältnis?

Van Duijnhoven: Gut, ich habe nach wie vor einen sehr guten Draht zu Peter. Wir haben gemeinsam die gute Phase in Bochum miterlebt, haben den UEFA-Cup erreicht, Rekorde gebrochen. Dann hat man ein gutes Team, wenn man in einer Liga mit Dortmund, Bremen, Leverkusen und Bayern bestehen kann.

Neururer hatte Hochzeiten mit dem VfL, hat den Verein im vergangenen Jahr vor dem Absturz in die 3. Liga bewahrt, doch der Klub hat ihm scheinbar nicht zugetraut, eine neues Team der Zukunft zu formen. Er wird sein Feuerwehrmann-Image nicht los. Finden sie, er hatte zu wenig Kredit?

Van Duijnhoven: Peter ist ein Motivator, kann den Druck von einer Mannschaft nehmen. Das ist auch heute ein wichtiges Instrument seiner Arbeit. Damals ist die Truppe für ihn durchs Feuer gegangen. Einsatz und Wille waren da. So etwas gehört auch zum VfL, dem Ruhrgebiet. Die Fans kaufen Tickets und wollen sehen, dass malocht wird. Meine Rolle als Torwarttrainer übe ich mittlerweile auch wie ein Motivator aus. Man muss dafür sorgen, dass die Jungs ständig Gas geben.

Nutzen sich solche Motivationssprüche und Maßnahmen nicht irgendwann ab?

Van Duijnhoven: Es ist zehn Jahre her, dass ich unter Peter Neururer gearbeitet habe. Ich weiß nicht, wie letztes Jahr sein Ansatz war. Vielleicht hat er sich auch geändert? Das ist für mich schwer einzuschätzen aus der Entfernung heraus. Jetzt ist frisches Blut gekommen – ein frischer Wind ist auch nie verkehrt. Peter ist ein Mann, der eine Meinung hat und die spricht er auch aus. Der nimmt kein Blatt vor den Mund.

Das wurde ihm zum Verhängnis. Es kam zum Bruch mit Sportdirektor Hochstätter, nachdem sich Neururer hinter seinen Keeper und Kapitän Andreas Luthe gestellt hat, der den Vorstand kritisiert hatte.

Van Duijnhoven: Auch das habe ich mitbekommen. Es ist schade, dass es so enden musste – für alle Beteiligten.

Ihr liebster Neururer-Moment?

Van Duijnhoven: Wir haben ein Heimspiel gegen Bayern. In der Teambesprechung sagt Peter: Wenn wir gleich ein Tor schießen, das 1:0 machen, fischt ihr den Ball aus dem Netz und rennt zur Mittellinie. Als wäre es das Normalste auf der Welt. Tatsächlich geraten wir 1:0 in Führung, Peter Madsen schnappt sich den Ball und eilt zum Mittelkreis und die Bayern-Stars schauen sich nur an und fragen sich: Was ist denn hier los? Aber wir standen unter Strom, haben am Ende auch das 1:0 gehalten und gewonnen. Gegen die Bayern!

Jetzt ist ein Niederländer Neururers Nachfolger geworden. Ist Gertjan Verbeek eine gute Wahl?

Van Duijnhoven: Ja, ich denke schon. Er legt Wert auf Kraft und Disziplin und nimmt einen sehr guten Co-Trainer mit, der wie ein zweiter Cheftrainer ist. Beide haben die holländische Schule im Blut, sind taktisch sehr fortgeschritten. Sie wissen, wie man eine Mannschaft guten Fußball spielen lässt.

Verbeek hätte auch in der Eredivisie arbeiten können, entschied sich jedoch für die 2. Liga in Deutschland.

Van Duijnhoven: Aber in der 2. Liga in Deutschland kommen zu den Spielen teilweise mehr Zuschauer als bei vielen Eredivisie-Paarungen. In Deutschland hat man mehr Möglichkeiten, nicht nur in Sachen Etat. Für Gertjan Verbeek ist der VfL Bochum wie ein Eredivisie-Klub. Er hat den Anspruch, ganz nach oben zu kommen und der VfL hat diese Ambitionen ebenfalls.

Seine Zeit in Nürnberg war rasch vorbei, doch “Club”-Fans haben sogar eine Anzeige geschaltet und baten den Verein um eine Rückkehr Verbeeks zum FCN. Seine Arbeit scheint Eindruck hinterlassen zu haben.

Van Duijnhoven: Gertjan Verbeek steht für Kampf und Leidenschaft. Er will harte Arbeit sehen, 90 Minuten Gas geben. Das passt zum VfL. Es muss nicht immer der schönste Fußball sein, aber die Fans wollen sehen, dass man alles gibt. Wenn man sich immer maximal anstrengt, kommen die Punkte schon von selbst.

Verbeek ist eine sehr direkte, schroffe Persönlichkeit, eckt auch bei niederländischen Journalisten an. Passt seine Art nach Deutschland, meinen sie?

Van Duijnhoven: Ja. Bochum ist schon einige Jahre nur Mittelmaß und vielleicht schafft er es ja so, den Verein wachzurütteln. Er hat seine eigene Art, die sich von Kollegen unterscheidet, aber als Spieler weiß man bei ihm, woran man ist. Er sagt deutlich, warum man spielt oder auch nicht. Seine Disziplin kann dem Verein gut. Dass er schon mal in Deutschland gearbeitet hat, sehe ich als Vorteil an. Er hat die Kultur kennengelernt, kann die Sprache. Wenn er kein Deutsch könnte, könnte er höchstens Torwarttrainer werden (lacht).

Sie denken also unter Verbeek geht es wieder aufwärts für den VfL?

Van Duijnhoven: Ja, es sind nur wenige Punkte bis nach oben. Eine Serie starten – denn Unentschieden bringen nichts – dann kann man noch Zweiter oder Dritter werden.

Sie trauen dem Kader den Aufstieg zu?

Van Duijnhoven: Ja, natürlich. Jeder Einzelspieler hat das Potenzial, es braucht nur jemanden, der daraus ein Team formt, das bereit ist, durchs Feuer zu gehen und so noch stärker wird.

Hatten Sie bereits Kontakt zu Verbeek?

Van Duijnhoven: Nein, aber ich habe seine Nummer und habe ihm per SMS zu seinem neuen Job gratuliert. Dann hat er jetzt ja auch meine Nummer.