Schalker und FCN-Fans sind seit über 35 Jahren befreundet

Sogar die jüngsten Fans wachsen mit der Fanfreundschaft zwischen Schalkern und Nürnbergern auf.
Sogar die jüngsten Fans wachsen mit der Fanfreundschaft zwischen Schalkern und Nürnbergern auf.
Foto: firo Sportphoto
  • Die Schalke-Fans und die Nürnberg-Anhänger sind befreundet
  • Wir haben mit FCN-Fanboss Jürgen Bergmann über die Fanfreundschaft gesprochen
  • Am Mittwoch spielt Schalke gegen Nürnberg

Gelsenkirchen.. Es vergeht kaum auf Spiel auf Schalke, bei dem die Fans in der Nordkurve nicht „Schalke und der FCN“ rufen. Schalke 04 und den 1. FC Nürnberg verbindet seit über 35 Jahren eine Fanfreundschaft der ganz besonderen Art. Ja, es ist Liebe. Heute Abend stehen sich beide Vereine in der 2. Runde des DFB-Pokals gegenüber. Wir sprachen mit dem FCN-Fanbeauftragten Jürgen Bergmann über den Pokal-Abend, Alessandro Schöpf und natürlich über mehr als 35 Jahre Fanfreundschaft.

Herr Bergmann, ist die Fanfreundschaft zwischen Schalkern und Nürnbergern die engste in Deutschland?

Jürgen Bergmann: Die Freundschaft der Fans von Schalke und Nürnberg ist nicht nur die engste. Sie dauert seit über 35 Jahren an und ist damit auch die am längsten bestehende Fanfreundschaft im deutschen Fußball. Es gibt viele Freundschaften unter Fans, aber diese ist unvergleichbar. Ich würde sogar sagen: in ganz Europa. Sie wird von den verschiedensten Fangruppierungen getragen. Von den Ultras genauso wie von fast allen kleineren Fanclubs. Schalke und Nürnberg ist wie eine gute Ehe. Zwar sind die Schmetterlinge im Bauch ein wenig verflogen, es gab auch schon mal eine kleine Krise, aber wenn es drauf ankommt, ist der eine für den anderen da.

Warum passt es so gut?

Bergmann: Eine Erklärung dafür habe ich nicht. Es gibt da sicher verschiedene Ansätze und Sichtweisen. Ich finde es beeindruckend, dass diese Freundschaft mittlerweile in der vierten Fangeneration gelebt wird. Dass Schalker und Nürnberger Freunde sind, ist ein Gesetz. Damit werden die Fans in beiden Vereinen groß. Bei uns in Nürnberg sagt der Vater zu seinem Sohn: Das da sind die Schalker, die sind unsere Freunde. Unter den Fanclubs gibt es unzählige Patenschaften. Spielt der Club im Westen, sind die Schalker da und feuern den FCN an. Spielt Schalke im Süden, stehen wir mit im Fanblock. Auch bei internationalen Spielen unterstützen die Nürnberger die Schalker immer gerne.

Dass Alessandro Schöpf im Januar von Nürnberg nach Schalke gewechselt ist, ist also kein Problem?

Bergmann: Nein, überhaupt nicht. So ist Fußball. Wer bei uns zu den Besten gehört, der ist eben für die besten Klubs in der 1. Liga interessant. Zu denen gehört Schalke nun mal. Den Schalkern geht es ja nicht anders. Wer dort der Beste ist, ist automatisch für die besten Klubs in Europa interessant. Von daher ist das kein Thema. Wir freuen uns, dass Alessandro diese Chance bekommen hat. Wenn er allerdings zu den Schwarz-Gelben gegangen wäre, würde ich es anders sehen (lacht).

Was sind Ihre schönsten Erlebnisse mit Schalkern?

Bergmann: Ich bin ja quasi seit der ersten Stunde der Fanfreundschaft dabei und habe deshalb eine ganze Menge erleben dürfen. Dazu gehören auch nicht so schöne Momente wie der letzte Spieltag der Saison 2013/14, als wir auf Schalke abgestiegen sind. Wenn aber 50 000 Schalker plötzlich anfangen zu singen „Der FCN steigt wieder auf“, dann tröstet einen das schon in dieser schweren Stunde. Schalke ist 1981 in Nürnberg abgestiegen. Unsere Fan-Ehe hat eben auch schon dramatische sportliche Ereignisse überstanden. In besonderer Erinnerung ist und bleibt aber natürlich der Uefa-Cup-Sieg 1997. Ich schätze, dass über 1000 Nürnberger in Mailand dabei waren. Ich habe drei Tage Urlaub genommen. Mehr ging leider nicht.

Es gibt so einige Versionen, wie die Fanfreundschaft entstanden sein soll. Kennen Sie die richtige?

Bergmann: Ich denke schon. Die Schalker waren Anfang der 80er Jahre auf der Rückreise von einem Auswärtsspiel und die Nürnberger waren auf dem Weg zu einem Spiel irgendwo im Westen. Auf der Zugfahrt haben sich dann eine Handvoll Fans von beiden Vereinen unterhalten und festgestellt, dass die anderen ja gar nicht so blöd sind, wie vorher angenommen. Beim nächsten Spiel haben sich die Fans, die in den Fanlagern das Sagen hatten, erneut getroffen und so ist diese Fanfreundschaft entstanden und immer weiter gewachsen.

Was wünschen Sie Ihrer Mannschaft und den Schalkern in dieser Saison?

Bergmann: Mein größter Wunsch wäre natürlich, dass Nürnberg aufsteigt und wir somit in der nächsten Saison wieder in der Bundesliga gegeneinander spielen. Aber Fußball ist manchmal eben komisch. Nach vier Niederlagen haben wir jetzt vier Spiele hintereinander gewonnen. Jeder kann jeden in der 2. Bundesliga schlagen. Den Blauen wünsche ich alles erdenklich Gute für die Saison, am besten die Qualifikation für die Champions League. Und natürlich irgendwann mal die Meisterschale. Niemand hat diese Schale mehr verdient als die Schalker Fans.

Auch auf Schalke läuft es nach schwachem Saisonstart jetzt besser. Was erwarten Sie denn für ein Spiel?

Bergmann: Ein Unentschieden ist im DFB-Pokal ja nicht möglich. Von daher sage ich: die bessere Mannschaft soll gewinnen. Da es bei beiden Teams sportlich bergauf geht, erwarte ich ein sehr interessantes Spiel. Ich hoffe auf viele Zuschauer. Unseren Schalker Freunden wünsche ich auf jeden Fall eine gute Anreise. Wir freuen uns auf einen schönen Pokal-Abend mit Euch.

 
 

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