Schalke schafft das Wunder von Mailand

Schalke gewinnt in Mailand: Raúl (r.) und Jose Manuel Jurado (l.) jubeln.
Schalke gewinnt in Mailand: Raúl (r.) und Jose Manuel Jurado (l.) jubeln.
Foto: REUTERS
Schalke 04 schaffte das Wunder von Mailand! Die Königsblauen setzten sich nach einer überragenden Leistung bei Inter Mailand mit 5:2 (2:2) durch und stehen so gut wie sicher im Halbfinale der Champions League.

Mailand.. Als Manuel Neuer vor dem Spiel gefragt wurde, was die Schalker vom Scheitern der Bayern im Achtelfinale gegen Inter Mailand lernen könnten, da sagte er: Vor allem bis zum Schluss der beiden Spiele die Konzentration hochhalten, weil Inter immer wieder zurückkommen kann. Schalke ist tatsächlich noch nicht im Halbfinale der Champions League, auch wenn den Blauen im Hinspiel bei Inter Mailand ein ja geradezu sensationeller Paukenschlag gelang: Schalke gewann beim Titelverteidiger auswärts nach zweimaligem Rückstand mit 5:2 – der pure Wahnsinn.

Ralf Rangnick hatte die Flucht nach vorne angetreten. Weil Christoph Metzelder aufgrund seines Nasenbeinbruchs doch passen musste, rückte Joel Matip zurück in die Abwehr und Jose Manuel Jurado dafür ins Mittelfeld. Eine sehr optimistische, mutige Ausrichtung mit fünf offensiven Spielern in der Start-Elf. Und beide Mannschaften kämpften tatsächlich mit offenem Visier.

Bei Schalke war das umso bemerkenswerter, weil die Gäste sich auch von einem Start nicht umwerfen ließen, der in jedes Kuriositäten-Kabinett passt. Nach gerade mal 26 Sekunden lagen die Königsblauen mit 0:1 in Rückstand – und was war das nur für ein Treffer? Manuel Neuer wollte mit einem Hechtkopfball außerhalb des Strafraums vor Diego Milito klären, der Ball kam an der Mittellinie zu Dejan Stankovic, und der traf mit einem Volleyschuss aus fast 50 Metern ins leere Schalker Tor.

Doch irgendwie spürte man, dass es den Gelsenkirchenern an der Stätte des Uefa-Pokal-Triumphes von 1997 auch diesmal nicht an Mut und Entschlossenheit mangelte. Die Schalker rissen um den enorm starken Jurado das Spiel sofort an sich und erstarrten auch nicht in Ehrfurcht vor den großen Namen des Titelverteidigers. Das war schon beeindruckend, und nach 17 Minuten wurden sie mit dem 1:1-Ausgleich belohnt. Nach einem Eckball von Farfan konnte Inter-Torwart Julio Cesar einen Kopfball von Kyriakos Papadopoulos nur abklatschen, und Joel Matip traf aus dem Gewühl zum Ausgleich. Zwei Minuten später hatte Jurado sogar die große Chance zur Führung, doch diesmal war Cesar auf dem Posten.

Schalke hatte offenbar genau hingeschaut, wie Inter im Achtelfinale gegen die Bayern gespielt hatte: Die Italiener sind in der Abwehr verwundbar – aber im Angriff immer noch eine Klasse für sich. Das Trio Sneijder, Milito und Eto’o kann Fußball aus der Feinkostabteilung zelebrieren – wie in der 34. Minute: Sneijder flankte auf den von Sarpei einen Moment außer Acht gelassenen Cambiassio, der köpfte in die Mitte, wo Milito am Fünfmeterraum völlig ungedeckt zum 2:1 vollstreckte. Doch es unterstreicht die Klasse dieses Spiels, dass Schalke nur sechs Minuten später wiederum zurück schlug. Baumjohann hatte Edu steil geschickt, der im ersten Versuch noch an Cesar scheiterte, eher er das Leder im Nachsetzen zum 2:2 ins Netz bugsierte.

Es war wirklich ein Spiel ohne Atempause. Inter kam stürmisch aus der Kabine, hatte durch Milito (47.) und Eto’o (48.) zwei Riesen-Chancen, doch dann schlugen die Blauen eiskalt zu: Nach Vorarbeit von Farfan (der aufgrund einer Gelbsperre im Rückspiel fehlt) traf Raúl in der 53. Minute zur 3:2-Führung – unfassbar. Und vier Minuten später fragten sich die 4000 mitgereisten Fans, ob sie ihren Augen noch trauen konnten: Ranocchia grätschte eine Flanke von Jurado zum 2:4 ins eigene Tor. Und nachdem Mailands Chivu die Gelb-Rote Karte gesehen hatte (62.) traf Jurado sogar noch den Pfosten und Edu erhöhte auf 5:2 (74.). Die Schalker Fans hatten fast Tränen in den Augen und sangen immer wieder: „Seht ihr, Bayern, so wird das gemacht.“

 
 

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