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Rakitics Weg vom Mitläufer zum Leistungsträger

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Gelsenkirchen. 

Die Stimme des Knirpses überschlägt sich. „Da kommt ein blaues Auto, das isser.“ Aufregung in der Gruppe. Klarer Fall: blaues Auto gleich königsblauer Kicker. Das muss er sein. Er ist es nicht. Ungeduldiges Warten. Fachsimpeln unter Siebenjährigen. „Der hat bestimmt viele Bodyguards.“ Hat er, Ivan Rakitic, nicht.

Die SpVg. Hagen 1911 ist ein stolzer Landesligist. Am diesem Montagnachmittag gibt es dort eigentlich nicht viel mehr zu sehen als einen Fußball-Platz aus roter Asche, den verkohlten Rest eines Osterfeuers und ein paar durstige Gestalten am Tresen des Vereinsheims. Eigentlich.

Ivan Rakitic hat bei Schalke 04 trainingsfrei, auch wenn man das nicht glauben kann, weil ja sein Trainer der Medizinball-Liebhaber und Sonderschichten-Spezialist Felix Magath ist. Mit seinem Kumpel Goran Miletovic, Torwart in der vierten Mannschaft von Hagen 11, stattet Rakitic dem Loheplatz einen Besuch ab. Dutzende Trikots, in denen winzig kleine Körper stecken, drängeln sich am Eingang. Sie gehören zu denen, die Wind von der Sache bekommen haben. Ein Autogramm. Ein Foto. Einmal anfassen. Der freundliche Ivan Rakitic lacht.

„Uns allen ist klar, was in dieser Saison möglich ist“

Die königsblauen Sympathien für den kroatischen Nationalspieler sind in den vergangenen Wochen und Momaten exorbitant gestiegen. Was selbstredend mit dessen Leistungen zu tun hat. Mehr als zwei Jahre lang spielte er so vor sich hin, eher Mitläufer denn Leistungsträger. Doch unter Felix Magath änderte sich alles. Seit Rakitic defensiver in der Schaltzentrale des Schalker Spiels agiert, ist er unumstrittener Stammmspieler. Mehr noch: In der entscheidenden Phase der Meisterschaft entwickelt sich der gerade mal 21-Jährige zu einem, der die Spiele regelmäßig entscheidet.

So wie am Samstag gegen Gladbach: zum 3:1-Sieg steuerte er ein Traumtor aus 25 Metern und einen souverän verwandelten Elfmetertreffer bei. Sechs Tore in den vergangenen acht Spielen – Ivan Rakitic ist im spannenden Fernduell mit Bayern München um die deutsche Meisterschaft auf einer neuen Ebene angekommen. „Ich fühle mich auf der neuen Position einfach sehr wohl“, sagt er und blickt auf die restlichen drei Spiele gegen Berlin, Bremen und Mainz. „Uns allen ist klar, was in dieser Saison möglich ist.“

Das 7:0 der Bayern gegen Hannover hat er Zuhause am Fernsehen verfolgt. Er gibt sich unbeeindruckt. „Es war klar, dass die Bayern gewinnen. Ob nun 1:0 oder 7:0 – das gibt eben auch nur drei Punkte.“ Er hält sich aus guter Erfahrung lieber an die Worte von Magath. Der sagt: bei drei Siegen wird Schalke Meister. „Der Trainer ist der Chef“, sagt Ivan Rakitic und lächelt wissend: „Und was der sagt, ist einfach so.“ Dann geht er. Ivan, der Freundliche.