Gelsenkirchen

E-Sport-Profi Elias Lipp tötet Monster für Schalke 04

Hochkonzentriert: S04-Profi Elias Lipp beim Training.
Hochkonzentriert: S04-Profi Elias Lipp beim Training.
Foto: FC Schalke 04 E-Sports
Am Freitag startet die neue Saison des Computerspiels „League of Legends“. Top-Spieler werden wie Fußballprofis behandelt: Elias Lipp erzählt vom Alltag.

Gelsenkirchen. Der Wecker klingelt gegen 10 Uhr morgens. Aufstehen, essen, dann an den Computer. Einzeltraining bei „League of Legends“ oder, wie Elias Lipp es nennt, „im Einzelmodus spielen“. Um zwölf Mittagessen mit dem Team in Berlin-Charlottenburg, danach Mannschaftstraining, Fünf gegen Fünf, Monster, Vasallen und Gegner eliminieren, um das gegnerische Hauptgebäude zu zerstören. Stunden um Stunden. Dann wieder essen, dann wieder Einzelmodus. Bis in die Nacht.

Ein Tag im Leben des E-Sport-Profis Elias Lipp. „Meistens trainieren wir zwölf bis vierzehn Stunden am Tag. Es ist ein Fulltime-Job“, sagt der 18-Jährige von Schalke 04.

Am Freitag (18 Uhr) startet für die Königsblauen die „League of Legends Championship Series“ (LCS), die europäische Top-Liga.

200.000 Menschen werden die Partie gegen die Unicorns of Love in der Zentrale des Spieleentwicklers Riot in Berlin verfolgen.

DFB-Präsident Grindel: „E-Sports ist für mich kein Sport“

Auf der anderen Seite der Welt werden derweil Köpfe geschüttelt. „E-Sports ist für mich kein Sport“, so hat etwa DFB-Präsident Reinhard Grindel gesagt. Zu wenig Bewegung, zu wenig körperlicher Wettkampf, dazu in manchen Spielen gewalttätige Handlungen.

Aber Grindel ist auch 38 Jahre älter als Elias Lipp. Das Klischee der blassen Jungs, die sich in dunklen Kellern die Nächte mit Chips und Cola schmackhaft machen, gelte „auf keinen Fall“, sagt der Teenager. „Besonders bei Schalke wird Wert darauf gelegt, dass wir uns gesund ernähren und Sport machen.“ Ob er trotzdem ein Nerd sei? „Kommt drauf an, wie man das definiert“, sagt Lipp lachend. „natürlich spiele ich viel Computer, weil es mein Beruf ist. Aber ich bin kein klassischer Nerd.“

Schalke 04 sieht in dem animierten Wettkampf mehr als nur einen Nischensport. Wie der VfB Stuttgart und der VfL Bochum, so wollen die Gelsenkirchener mitspielen mit den Großen, mit Gruppen, die nicht FC Bayern München, sondern „Fnatic“ heißen.

Im Mai 2016 baute der Verein eine eigene Abteilung „eSport“ auf und legte den Schwerpunkt auf das Fußball-Simulationsspiel Fifa und das Strategiespiel „League of Legends“, bei dem zwei Mannschaften auf einer Karte gegeneinander antreten.

Seitdem hat sich viel getan auf Schalke. Wenn die Königsblauen einen Neuzugang verpflichten, wie vor kurzem Maurice Stückenschneider, schickt der Verein eine Pressemitteilung raus: Ziele, Erwartungen, Vertragslaufzeit werden wie bei Fußballprofis benannt.

Wenn Elias Lipp über die kommende Saison spricht, hört sich das an wie bei manchem Bundesliga-Profi. „Im Frühling haben wir knapp die Play-offs verpasst. Ein Spiel hätte den Unterschied gemacht. Das war sehr ärgerlich. Wir konnten die Erwartungen, auch an uns selbst, nicht erfüllen“, sagt er.

Nun soll auch der teameigene Sportpsychologe Fabian Broich helfen. „Wir wollen um einiges erfolgreicher sein als beim vergangenen Split (Saison). Wir wollen uns einfach darauf konzentrieren, als Team besser zu spielen. Dann sollten die Ergebnisse auch kommen.“

Elias „Upset“ Lipp war gerade 17, als ihn Schalke 04 verpflichtete. Er spielte schon lange „LoL“ – spielen für Schalke war dann jedoch etwas ungewohnt für seine Eltern. „Für sie war das überraschend, weil sie nicht vertraut waren mit der E-Sport-Szene“, erinnert sich Lipp. „Ich habe ihnen versucht, näher zu bringen, was das Spiel ist und dass ich das wirklich machen möchte. Seitdem haben sie mich auch mehr unterstützt.“

Jetzt lebt Elias Lipp in einer Wohnung in Berlin-Charlottenberg, jetzt arbeitet er für sein großes Ziel. Etwa sieben bis acht Jahre, schätzt der 18-Jährige, kann er auf diesem Niveau spielen. Bis dahin will er sich einen Traum erfüllen. „Ich würde mich gern mit Schalke für eine Weltmeisterschaft qualifizieren.“ Das wäre auch für Reinhard Grindel eine Überraschung.

 
 

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