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Metzelder sieht BVB im Revierderby auf Schalke im Vorteil

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Verabschiedung auf Schalke: Am 11. Mai 2013 drehte Christoph Metzelder mit seiner Tochter eine Ehrenrunde in der Arena. Nun verfolgt er das Derby zum ersten Mal als neutraler Zuschauer. Foto: Getty Images
Der Ex-Schalker und Ex-Dortmunder Christoph Metzelder setzt im Revierderby am Samstag auf Borussia Dortmund. Die Stabilität, die Trainer Jürgen Klopp dem BVB gab, sieht Metzelder bei den Königsblauen nicht: „Die Unruhe ist der Grund für die unkonstanten Leistungen.“

Essen. 

Wenn Christoph Metzelder den Raum betritt, wird sogar Preußen Münster schlagartig zum Thema. In der vergangenen Saison spielte der Verteidiger noch für den FC Schalke 04 in der Bundesliga. Im Sommer beendete er mit 32 Jahren seine Profikarriere. Aber: „Ich verfolge als Mitglied alle Vereine, in denen ich gespielt habe – von Münster bis Madrid.“

Vize-Welt- und Europameister ist Metzelder geworden und jüngst Stadtmeister mit seinem Heimatverein, dem TuS Haltern. Vor dem Derby am Samstag in Gelsenkirchens Arena (15.30 Uhr, live in unserem Ticker) kreisen seine Gedanken aber natürlich um die beiden großen Revierklubs, um Schalke, wo er von 2010 an spielte, und um Borussia Dortmund, wo er sieben Jahre seiner Karriere verbrachte, von 2000 bis 2007. Eine nicht immer leichte Zeit.

Metzelder erlebte Beinahe-Konkurs des BVB hautnah

Den Beinahe-Konkurs des BVB erlebte Metzelder hautnah. Dortmund aber hat den Umbruch geschafft und steht heute sportlich und finanziell gut da. Für Königsblau mit dem „Schulden-Rucksack“, meint Metzelder, könne das Verpassen der Champions League in der aktuellen Spielzeit dramatische Folgen haben: „Der Verbleib von Benedikt Höwedes, Julian Draxler oder Klaas-Jan Huntelaar wäre gefährdet.“ Eine Stabilität, wie sie Trainer Jürgen Klopp dem BVB gab, sieht er bei S 04 nicht. „Die Unruhe ist der Grund für die unkonstanten Leistungen.“

Metzelder, derzeit als Sky-Experte vor den Kameras, sieht beim Blick zurück zu seiner letzten Karierestation viel Schatten: „Im Kader herrscht eine extreme Unausgeglichenheit zwischen offensiver und defensiver Qualität. Da sieht man den besagten Rucksack: Schalke ist nicht in der Lage, in allen Mannschaftsteilen für prominente Summen einen Knaller wie Kevin-Prince Boateng zu verpflichten.“ Dazu das ständige Rumoren, die hohen Ansprüche. Beispiel: Torhüter. Wer auch vor das Netz tritt, er wird in Frage gestellt: „Es ist ein Riesenthema, wenn der Torhüter nach einem abgefangenen Ball kurz mit der Spieleröffnung zögert. Natürlich merkt man allen drei Keepern an, dass die Zuschauer ihnen nicht das volle Vertrauen aussprechen. Dass sie mit ihrem Vorgänger Manuel Neuer verglichen werden, lässt sich nicht vermeiden.“

Am Samstag wird das 143. Pflichtspielduell der lustvoll verfeindeten Nachbarn natürlich wieder die Emotionen durchschütteln. Die Zeiten, in denen auf Überläufer mit Dortmunder Vergangenheit auf Schalke heftig reagiert wurde, sind für Metzelder, den Überläufer, der auf dem Umweg über die Königlichen von Real Madrid kam, jedoch vorbei. Felipe Santana wurde unaufgeregt aufgenommen. Boateng, der auch ein halbes Jahr unter Klopp kickte, wird gar als Heilsbringer gefeiert. „Sprüche“ hört Metzelder noch, der Schalke 2007 in seinem letzten BVB-Spiel im Westfalenstadion die Meisterschaftshoffnungen raubte. „Aber in Kreisen, in denen das nach wie vor eine Verletzung des Wertesystems ist, halte ich mich nicht auf.“ Außerdem fallen seine Sympathien für die beiden Ruhrpott-Rivalen ausgeglichen aus. Und nur weil die Schalker trotz Heimvorteil als Underdog in das Derby gehen, drücke er ihnen die Daumen.

Metzelder fehlte „das nötige Feuer für den Hochleistungssport“

Und zuckt es nicht vielleicht doch noch bei ihm, wenn es zu dieser Partie kommt? Würde der 47-malige Nationalspieler nicht vielleicht doch noch gerne dabei sein, wenn das Stadion brodelt, wie es nur bei dieser einen Begegnung möglich ist? Nein, kein Neid auf den Schalke-Rückkehrer Gerald Asamoah, der sich dem Konkurrenz-kampf der Generationen immer noch ein wenig stellt. Metzelder: „Ich erkannte frühzeitig, das nötige Feuer für den Hochleistungssport nicht mehr zu haben. Das wollte ich den Zuschauern nicht mehr antun.“