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Hrubesch: „Ich bin keine Zwischenlösung“

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Kamen. Während sich die deutsche A-Nationalmannschaft in Leipzig auf die WM-Qualifikationsspiele vorbereitet, hat Bundestrainer Horst Hrubesch (57) seine U21 im SportCentrum Kaiserau versammelt. Der Nachwuchs hat im Gegensatz zu den „Großen” im Sommer ein wichtiges Turnier.

Für die U21-EM in Schweden stehen am Freitag gegen die Niederlande (in Ahlen) und am Dienstag gegen Weißrussland (in Paderborn) die letzten Testländerspiele an. In Schweden soll und will der deutsche Nachwuchs den Titel holen. Ein Gespräch über die Erwartungshaltung, Spielertypen und eine Titel-Sammlung.

Herr Hrubesch, Sie leben schon lange in Norddeutschland, sind aber gebürtig aus Hamm. Kommen beim Besuch in Kaiserau Heimatgefühle auf?

Horst Hrubesch: Ja. Meine Mutter wohnt noch in Hamm, meine Geschwister in Hamm und Umgebung. Die besuche ich natürlich. Ich kann ja schlecht hierhin kommen und meine Mutter sitzen lassen und einfach vorbeirauschen.

Freitag und Dienstag stehen für Ihre U21 die letzten Testländerspiele vor der EM an. Hätten Sie sich insgesamt mehr Vorbereitungszeit gewünscht?

Hrubesch: Sicher, aber bei den Trainingsmöglichkeiten ist die U21 ja immer noch ein Stiefkind. Wir treffen uns meist erst sonntags, müssen dann dienstags spielen. Da haben wir vorher nur eine Einheit. Hier sind wir mal zehn Tage zusammen, haben zwei Spiele. Das ist fast Luxus. Aber es gibt auch viel zu tun.

Sie haben das Problem, dass Sie einerseits fast 40 Spieler haben, die in der Bundesliga Stammkräfte sind. Andererseits sind immer wichtige Spieler verletzt, wie gerade Khedira, Özil oder Hummels. Daneben werden immer wieder Jungprofis wie Marko Marin zur A-Elf berufen.

Hrubesch: Deshalb muss ich hier versuchen, eine Grundordnung in die Mannschaft zu bringen. Bisher haben wir kein Spiel mit den gleichen Spielern bestreiten können. Wir haben genug Teamspieler, sehr viele Individualisten, aber keine Führungsspieler. Aus diesem Topf muss ich bis zur EM eine intakte Mannschaft formen.

Was gehört zu dieser intakten Mannschaft?

Hrubesch: Eine Mannschaft braucht eine klare Hierarchie und die fehlt uns im Moment noch. In ihr dürfen nicht nur Individualisten sein, die für wenig Ordnung sorgen, aber das I-Tüpfelchen sind und ein Spiel entscheiden können. Und in die gehören drei, vier Führungsspieler, die die Sache in die Hand nehmen, wenn es eng wird. Daran arbeiten wir. Wir haben nicht mehr viel Zeit.

Die Erwartungshaltung für die EM ist groß. Sportdirektor Sammer fordert 2009 mindestens einen Titel.

Hrubesch: Das ist für mich kein Druck. Mit Spielern dieser Qualität kann ich nicht was von „Halbfinale überleben” erzählen. Unser Ziel muss es sein, um den Titel zu spielen. Aber ich kann nur den Weg ebnen, Europameister müssen die Spieler werden. Sie müssen das Ziel fixieren, sich in einen Top-Zustand bringen. Bei der EM müssen sie eine Gemeinschaft sein, die auch in schweren Zeiten zueinander steht und bereit ist, alles zu geben.

Sie könnten innerhalb eines Jahres drei Titel feiern. Letztes Jahr wurde Ihre U19 Europameister. Jetzt führen Sie als Interimstrainer und Zwischenlösung die U21 zur EM. Und danach steht gleich für Ihre U20 die WM in Ägypten an.

Hrubesch: Moment. Ich bin keine Zwischenlösung. Ich habe ja angeboten, bei der U21 zu helfen. Ich habe aber kein Problem damit, drei Titel mitzunehmen.

Angeln als Hobby

In der Bundesliga wurde Hrubesch respektvoll als Kopfball-Ungeheuer bezeichnet. Für Horst Hrubesch, der 1979, 1982 und 1983 mit dem Hamburger SV die Meisterschaft und den Landesmeisterpokal gewann, mit der Nationalmannschaft 1980 Europameister wurde, pflegte neben dem Toreschießen (136 Bundesligatore) ein Hobby besonders: Angeln. Darüber schrieb er auch ein Buch.

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