Schalke gegen BVB: Hier frotzeln die Marketing-Chefs Jobst und Cramer

BVB-Marketing-Chef Carsten Cramer (l.) mit Schalkes Alexander Jobst.
BVB-Marketing-Chef Carsten Cramer (l.) mit Schalkes Alexander Jobst.
Foto: Jakob Studnar / FUNKE Foto Services (Archiv)

Gelsenkirchen/Dortmund. Die Marketing-Chefs kennen sich lang und verstehen sich gut: Wir haben Schalkes Alexander Jobst und Dortmunds Carsten Cramer vor dem Derby am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) elf Fragen gestellt. Lesen Sie selbst!

Sie laden den Kollegen zum ­Essen ein. Was gibt es?

Alexander Jobst: Ich koche gerne. Carsten würde von mir einen Strammen Max serviert bekommen, damit beide am Tisch wissen: Es geht herzhaft und ehrlich zu, nicht überkandidelt. Und danach würde ich ihm Currywurst anbieten.

Carsten Cramer: Selber zu kochen, zählt nicht zu meinen ausgesprochenen Stärken. Von daher: Tiefkühlpizza. Es versteht sich aber von selbst, dass ich mir für andere Gäste mehr Mühe geben würde (lacht)

Was trinken Sie dazu?

Jobst: Selbstverständlich frisches Veltins. Ich würde sogar eine Zapfanlage aufbauen.

Cramer: Ein Stößchen Brinkhoff’s. Es ist mir wichtig, dass Alex auch mal ein leckeres Bier bekommt.

Was schätzen Sie an Ihrem Kollegen?

Jobst: Seine direkte Art. Carsten redet nicht drumherum. Man weiß immer, woran man bei ihm ist. Wir kommen meist gut miteinander zurecht.

Cramer: In den etwa zehn Jahren, in denen wir uns nun kennen, habe ich seine Verlässlichkeit und Gradlinigkeit zu schätzen gelernt.

Was bei Ihnen zu Hause trägt die Farben des Rivalen?

Jobst: Aus der Vergangenheit gibt es ein gelbes Armband, was es vor Jahren mal für die Krebsstiftung des Radrennfahrers Lance Armstrong gab. Aber das kommt nicht mehr zum Einsatz, seit er des Dopings überführt wurde. Selbst meine beiden Töchter verabscheuen die Farbkombination schwarz-gelb.

Cramer: Extrem wenig. Selbst bei Textilien versuche ich darauf zu achten, was bei Anzügen und Jeans nicht so leicht ist (lacht). An manchen ­Tagen ist Blau aber strikt verboten, am Sonntag zum Beispiel.

Welcher Klub ist leichter zu vermarkten?

Jobst: Beide Klubs stoßen auf riesiges Interesse und sind sich in ihren Grundwerten sehr ähnlich. Durch die Historie und den Ruhrgebiets-Charakter haben sowohl der BVB als auch wir hervorragende Werte. Je nach sportlichem Erfolg fällt das Vermarkten einfacher. In anderen Worten: Wenn du binnen weniger Jahre zweimal Meister wirst, rennst du offene Türen ein. Schalke musste in dieser Zeit zwar die Türen erst aufstoßen, doch wir marschieren gerade durch.

Cramer: Dass ich Borussia Dortmund für grundsätzlich attraktiver halte – auch aufgrund der Erfolge vor allem dieses Jahrzehnts –, versteht sich von selbst.

Welcher Klub besitzt die größere Strahlkraft?

Jobst: Aufgrund der letzten Jahre hat der BVB anhand von Zahlen einen Vorsprung. Ich bin aber sicher, dass wir mit Schalke diese Lücke schließen können.

Cramer: Das fängt ja schon bei den Vereinsfarben an: Schwarz-Gelb schlägt Blau-Weiß eindeutig in Sachen Intensität und Strahlkraft. Und Weiß ist doch gar keine Farbe, oder?

Welcher Klub ist moderner, innovativer?

Jobst: Schalke 04. Weil wir uns in der Digitalisierung enorm entfalten. Zudem ist der Bereich E-Sports für uns ein spannendes Geschäftsfeld, mit dem wir eine neue, junge Zielgruppe erreichen. Es wäre töricht, sich damit nicht zu beschäftigen. Ich glaube, es wird der Tag kommen, an dem der Nachbar dazu auch umdenken wird.

Cramer: Für jeden Verein geht es darum, sich zukunftsfähig aufzustellen, das im Vergleich zu definieren, ist schwierig. Ich halte Borussia Dortmund mit seiner weltoffenen, toleranten, vorwärtsgewandten Art für extrem zukunftsfähig. Wir nehmen uns aber ganz bewusst heraus, nicht jeden Trend für den schnellen Euro mitzumachen. Wir sind ein echter Fußballklub, wir stehen für Sport, für Bewegung. Im Optimalfall findet die nicht nur an der Spielekonsole statt. Wenn diese Meinung unmodern ist, dann sind wir es gern.

Welcher Klub ist bodenständiger?

Jobst: Schalke 04 ist in der Bundesliga mit weitem Abstand der bodenständigste Verein. Ich bin jetzt 17 Jahre im Fußballgeschäft tätig. Eine solche Fan-Nähe wie hier habe ich noch nie erlebt. Bodenständigkeit und Professionalität können sich übrigens sehr gut ergänzen.

Cramer: Ich glaube, da sind die Unterschiede nicht sehr gravierend, weil beide Vereine wissen, wo sie herkommen und dass die Wurzeln dort tief liegen.

Wie viele Spiele des Gegners schauen Sie pro Saison?

Jobst: Wenn meine Familie mich nicht bremst, schaue ich ungefähr die Hälfte aller BVB-Spiele im Fernsehen. Als Borussia Dortmund in der Champions League gegen Real Madrid gespielt hat, war ich mit Real-Schal im Stadion, weil ich früher bei den Madrilenen gearbeitet habe. Dieses unsägliche Westfalenstadion betrete ich aber nicht gerne. Die Verkehrsführung dorthin ist eine Katastrophe.

Cramer: Zwei auf jeden Fall. Die anderen müssen nicht unbedingt sein (lacht).

Was wünschen Sie Ihrem Gegenüber für Sonntag?

Jobst: Eine angenehme Anreise, gute Gespräche vor dem Spiel. Ich würde mich freuen, wenn Carsten mir nach dem Spiel die Hand reicht. Auch, wenn ich weiß, dass Handreichen schwerer fällt, wenn man verloren hat.

Cramer: Ein harmonisches Frühstück im Kreise seiner Familie. Damit er wenigstens ein bisschen Freude an diesem Tag hat (lacht).

Welcher Spieler trifft am Sonntag?

Jobst: Guido Burgstaller. Und unabhängig davon, wie es zu dem Zeitpunkt steht, Naldo: in der letzten Minute.

Cramer: Wer von uns den Siegtreffer erzielt, ist mir eigentlich relativ egal.

 
 

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