BVB-Star Götze "nervt der Rummel manchmal"

Nils Hotze und Thorsten Schabelon
Mario Götze hat es zum Nationalspieler und zum Meistertitel mit Borussia Dortmund geschafft. Im BVB-Trainingslager erzählt er vom Urlaub, seinem neuen Auto und davon, welche Auswirkungen dieser rasante Aufstieg auf seinen Alltag hat.

Bad Ragaz. Mario Götze hat eine unglaubliche Saison hinter sich. Mit 19 Jahren hat er es zum Fußball-Nationalspieler und zum Meistertitel mit Borussia Dortmund geschafft. Im BVB-Trainingslager in Bad Ragaz in der Schweiz erzählt er vom Urlaub, seinem neuen Auto und davon, welche Auswirkungen dieser rasante Aufstieg auf seinen Alltag hat.

Herr Götze, die zwei kleinen Löcher in Ihrem linken Ohr, Spuren vom Laktattest oder vom Ohrring?

Mario Götze: Ohrring, also zwei Ohrringe. Da war ich 16. Die kommen jetzt aber nicht mehr rein.

Mit 16, im Mai 2009, wurden Sie U17-Europameister. Fast alle Spieler dieser Elf sind in Vergessenheit geraten.

Götze: Es geht. Marc-André ter Stegen steht bei Gladbach im Tor, Matthias Zimmermann ist auch dorthin gewechselt, Florian Trinks und Lennart Thy sind bei Bremen, Bienvenue Basala-Mazana in Köln, Reinhold Yabo bei Aachen.

… und Sie sind Meister mit dem BVB und A-Nationalspieler.

Götze (lacht): Nach der U17-EM ging es damals für mich richtig los. Vor allem im letzten Jahr ist alles ziemlich schnell gegangen. Und am Ende waren wir Deutscher Meister.

Haben Sie sich zum Titel was Besonderes gegönnt?

Götze: Einen guten Urlaub auf Ibiza. Das waren 16 richtig tolle Tage. Und im August kommt ein neues Auto. Ein Audi A5. Das reicht jetzt aber auch.

Bisher ging es für Sie immer nur aufwärts. Doch je höher man kommt, desto tiefer könnte auch ein möglicher Fall sein.

Götze: Nein. Eine Karriere hat immer Schwachpunkte und Brüche. Diese Zeit wird kommen, und es ist eine Herausforderung, dann damit umzugehen. Aber mit diesen Gedanken beschäftige ich mich nicht. Ich weiß ja nicht, was passiert. Also kann ich mich schlecht darauf vorbereiten.

Wie hat sich Mario Götze in dieser erlebnisreichen Zeit entwickelt und wie verändert?

Götze: Dadurch, dass man von Außen anders gesehen wird, verhält man sich anders. Vor allem in der Öffentlichkeit, wenn ich in der Stadt unterwegs bin, schaue ich, wie ich mich gebe. Ich will mich aber nicht grundlegend ändern. Und das kriege ich, denke ich, ganz gut hin. In meinem Freundeskreis habe ich mich nicht sehr gewandelt, bin immer noch der ganz normale Mario Götze.

Lars Ricken, BVB-Nachwuchskoordinator und Fan von Ihnen, hat als Jungstar mal einen provokanten Werbespot für Nike gedreht, den mit den Männern in Nadelstreifen, und damit für viel Aufregung gesorgt.

Götze: Ich kenne den Spot. Aber das steht momentan nicht zur Debatte. Das wäre auch noch zu früh.

Gibt es Dinge im Alltag, die Sie nicht mehr machen können?

Götze: Die gibt es. Als junger Mensch feiert man ja gerne mal, geht einfach weg und hat Spaß. Dazu habe ich jetzt nicht mehr oft die Gelegenheit. Aber das bereue ich nicht. Als Sportler bin ich es gewöhnt, diszipliniert zu sein. Ein gesundes Maß Spaß gehört dazu, aber man verliert nie das Ziel aus den Augen.

Welche Rolle spielt Ihre Familie?

Götze: Ich komme gerne nach Hause, bin froh, dass ich dort noch wohne. Eigentlich muss ich so gut wie nichts machen. Um mein Zimmer kümmere ich mich. Essen, Wäsche waschen und solche Dinge übernimmt meine Mutter.

Also ein Ruhepol und Rückzugspunkt?

Götze: Ja. Auf jeden Fall. Der ganze Rummel um mich nimmt ja weiter zu, gehört aber auch dazu. Es macht nicht immer Spaß, und manchmal nervt es auch, wenn du mal in Ruhe ins Kino gehen willst. Aber ich kann damit umgehen. Und ich muss es auch. Obwohl es auch mal unangenehm werden kann.

Inwiefern?

Götze: Ach, da sind zwei oder drei Dinge passiert. Neulich, bei einem Testspiel, hat mir jemand nach der Pause Bier über den Kopf geschüttet. Einfach so. Da musste ich noch mal duschen. Und ich wurde bei einem Fest meiner ehemaligen Schule mal blöd angemacht. Das ist dann nicht so schön.

Sie stehen vor Ihrer zweiten kompletten Bundesliga-Saison. Tragen Sie, wie Lukas Podolski, ein engeres Trikot, oder sind Sie kräftiger geworden?

Götze: Es stimmt, ich habe zulegt. Ich musste über die letzte Saison was tun. Ich will robuster und standfester sein, damit ich nicht mehr so leicht weggedrückt werde.

Ihre Gegenspieler wissen inzwischen, was Sie können. Werden sie dem flinken Techniker mit mehr Härte begegnen?

Götze: Das kann ich nicht sagen. Aber das könnte passieren. Nur muss man bei uns auf viele Spieler aufpassen, auf Shinji, auf Lucas, auf Kevin. Da sollte man besser nicht nur auf Mario Götze achten.

Nuri Sahin hat den BVB verlassen. Werden Sie sein Nachfolger – als Elfmeterschütze, zumindest solange Lucas Barrios nicht da ist?

Götze: In der Jugend habe ich immer Elfer geschossen. Aber das entscheidet der Trainer. Neven kann schießen, Shinji auch. Ich würde sicher nicht nein sagen.

Ihr Sportdirektor Michael Zorc wünscht sich, dass das Team als Gruppe die Lücke schließt, die Nuri Sahin hinterlassen hat. Er denkt vor allem an die neuen Nationalspieler. Also auch an Sie.

Götze: Die Verantwortung ist schon gestiegen. Nuri hat uns geführt. Wir haben zu ihm hochgeschaut. Aber wir haben viele Nationalspieler. Von denen kann jeder Verantwortung übernehmen. Unsere Mischung stimmt.

Im Wintertrainingslager 2010 in Spanien haben wir Sie nach einer Schlagzeile gefragt, die Sie in fünf Jahren über sich lesen wollen. Sie haben aufgeschrieben: „Zwei Götze-Tore bringen den Sieg gegen Barca.“Dazu könnte es schon in dieser Saison kommen.

Götze (lacht): Wir freuen uns alle auf die Champions League. Gegen Barca würde ich schon gerne spielen. Wobei, gegen Nuri und Real wäre auch was. Ach, es wird auf jeden Fall ein geiles Erlebnis.