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32 Spiele in Deutschland unter Manipulationsverdacht

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Foto: AP

Bochum. Die Fußballwelt wird von einem Betrugsskandal nie dagewesenen Ausmaßes erschüttert. Insgesamt sollen rund 200 Spiele, in Deutschland 32 Partien manipuliert worden sein. Gegen drei Osnabrücker Spieler liegen Haftbefehle vor.

Der europäische Fußball wird von einem nie dagewesenen Manipulationsskandal erschüttert. Bislang stehen rund 200 Partien unter dem Verdacht der versuchten oder tatsächlich vollzogenen Wett-Manipulation, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag in Bochum erklärten. 17 Personen wurden verhaftet. Insgesamt werde gegen rund 200 Tatverdächtige ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Täter sollen ihre Aktivitäten vom Ruhrgebiet aus gesteuert haben.

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler sind auch 32 Spiele in Deutschland betroffen. Laut Staatsanwaltschaft Bochum besteht konkreter Verdacht, dass vier Spiele der 2. Bundesliga, drei Spiele der 3. Liga und 18 Partien der Regionalligen, fünf Spiele der Oberligen sowie zwei U19-Begegnungen manipuliert wurden. Spiele der ersten Bundesliga sind nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Andreas Bachmann, Leiter der Ermittlungen.

„Zweifellos der größte Betrugsskandal“

Insgesamt sollen etwa 200 Spiele in neun Ländern betroffen sein. Neben Deutschland sind dies Belgien, die Schweiz, Kroatien, Slowenien, die Türkei, Ungarn, Bosnien-Herzegowina und Österreich. Hinzu kommen mindestens drei Champions-League- und zwölf Europa-League-Spiele sowie ein Qualifikationsspiel zur U21-EM. Alle verdächtigen Spiele fanden 2009 statt.

„Das ist zweifellos der größte Betrugsskandal, den es im europäischen Fußball jemals gegeben hat“, sagte Peter Limacher, Experte der Europäischen Fußball-Union (UEFA) für Bekämpfung von Spielmanipulationen. „Wir müssen jetzt alles dafür tun, dass die verwickelten Schiedsrichter, Spieler, Sportler und Funktionäre der Sportjustiz zugeführt werden.“

Ein Schwerpunkt des Skandals soll in Herten liegen. Dort wurden nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» (Samstagausgabe) am Donnerstag mindestens sechs Verdächtige festgenommen.

Spiele von Osnabrück und Ulm im Visier

Medienberichten zufolge gibt es erste konkrete Verdachtsmomente im Zusammenhang mit Partien des VfL Osnabrück und des SSV Ulm 1846. Nach Informationen der «Neuen Osnabrücker Zeitung» verdächtigt die Staatsanwaltschaft Bochum unter anderem einen 34-Jährigen aus Lohne, der mit Hilfe von Spielern des VfL Osnabrück zwei Spiele aus der vergangenen Zweitliga-Saison manipuliert haben soll. Der Mann sei am Donnerstag verhaftet worden. Betroffen sind demnach die beiden Auswärtsspiele beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai.

Nach Information von „Welt Online“ liegen Haftbefehle gegen die Osnabrücker Spieler Thomas Reichenberger, Thomas Cichon und Marcel Schuon vor. Ihnen wird vorgeworfen, in den fraglichen Partien absichtlich schlecht gespielt zu haben. „Wenn das stimmt, wäre das eine Katastrophe – das könnte dann ein Grund für den Abstieg gewesen sein“, sagte Osnabrücks Präsident Dirk Rasch der „NOZ“.

Die „Süddeutsche Zeitung“ meldete, dass auch das Freundschaftsspiel zwischen dem SSV Ulm und Fenerbahce Istanbul unter Manipulationsverdacht steht. Der deutsche Regionalligist verlor am 14. Juli 2009 0:5 gegen die Mannschaft von Trainer Christoph Daum. Für den Fall einer Niederlage in genau dieser Höhe sollen Spieler des SSV einen niedrigen fünfstelligen Betrag erhalten haben. „Bislang gibt es nur einen Anfangsverdacht, deshalb müssen wir uns zunächst schützend vor die Mannschaft stellen. Aber wir werden als Verein alles zur Aufklärung beitragen“, sagte SSV-Vizepräsident Mario Meuler.

Insgesamt rund 200 Verdächtige

In Berlin waren nach Angaben der „Südeutschen Zeitung“ bereits gestern die Brüder Ante und Milan S. verhaftet worden. Die beiden Kroaten waren vor fünf Jahren in den Wettskandal um den Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt und sollen auch im aktuellen Skandal eine zentrale Rolle spielen. Hoyzer hatte gestanden, 67 000 Euro für die Manipulation von Spielen erhalten zu haben.

Am 17. November 2005 wurde Hoyzer wegen des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Diese trat er am 18. Mai 2007 an. Der Kroate Ante S. war damals wegen Wettbetrugs zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden, sein älterer Bruder Milan war mit einer Bewährungstrafe davongekommen. Hoyzer und Ante S. wurden 2008 nach der Hälfte ihrer Haftzeit auf Bewährung entlassen. Nach „SZ“-Informationen wurde Ante S. am Donnerstag nach Bochum gebracht, sein Bruder kam in Berlin in Unterschungshaft.

Laut Staatsanwaltschaft ist davon auszugehen, dass sich sowohl die Zahl der Tatverdächtigen als auch die Anzahl der betroffenen Spiele durch weitere Ermittlungen erhöhen wird. Aus ermittlungstaktischen Gründen werden zur Identität der beteiligten Personen sowie der betroffenen Mannschaften derzeit keine Auskünfte erteilt. (sid/ddp/ap)