Cartoonzeichner Oli Hilbring - Die Nasen sind immer dick

Artur vom Stein
Markenzeichen dicke Nasen: Oli Hilbring zeigt stolz seine Cartons.
Markenzeichen dicke Nasen: Oli Hilbring zeigt stolz seine Cartons.
Foto: WAZ FotoPool
Oli Hilbring ist Bochumer, Art Director, und als Cartoon-Zeichner macht er sich gerade einen Namen. Liefert er spät, werden seine Fans schon zappelig

Bochum. Es kann passieren, dass Oli Hilbring spät dran ist. Als Art Director einer Düsseldorfer Werbeagentur hat er beruflich viel um die Ohren, und deshalb dauert es manchmal ein bisschen länger, bis er freitags nach Feierabend dazu kommt, seinen „flachen Freitag“ fertig zu stellen. Seine Anhänger werden dann schon zappelig und wollen wissen, was los ist: „Wo bleibt der flache Freitag?“, stand letztens auf der Facebook-Seite des Bochumers. Und nur einen Kommentar später gab der nächste Wartende freimütig zu: „Auch ich lechze schon.“

Über solche Einträge kann man nicht meckern. Das findet natürlich auch Oli Hilbring, der gar nicht so genau sagen kann, wann die Geschichte mit seinen Karikaturen so richtig ans Laufen gekommen ist. Er sitzt in einem Essener Café, er streicht sich nachdenklich mit der rechten Hand durch die dunklen Haare, und er widerspricht nicht, als er den Vorschlag hört, ein Cartoon mit Felix Magath hätte wie ein Beschleuniger gewirkt.

Es ist schon ein bisschen her, Magath war Trainer auf Schalke, es hatte ein paar erfolglose Spiele der Königsblauen gegeben, was Hilbring auf die Idee gebracht hatte, den Fußball-Lehrer mit einem Einkaufswagen an der Kasse im Supermarkt zu zeichnen. „Tach Herr Magath, sammeln Sie Punkte?“ kräht die Kassiererin in den Raum, und dem genervten Trainer fällt nicht mehr ein, als sich ein ironisches „Sehr witzig“ herauszupressen. Ein Spaß, der sich im Internet so rasend schnell verbreitete, dass auch Zeitungen hellhörig wurden und nachfragten, ob man seine Dicknasen drucken könne.

Vom Zeichnen leben kann er nicht

Eine Erfolgsstory? Der 43-Jährige hebt sofort abwehrend die Hände, als er das Wort hört. Auch wenn die Nachfrage mächtig steigt, vom Zeichnen leben kann er nicht. Zumindest noch nicht. Für Hilbring, verheiratet, drei Kinder, sind die Cartoons vor allem eins, nämlich ein Hobby, für das „ein erheblicher Teil der Freizeit draufgeht.“

Angefangen hat die Geschichte Anfang der 90er. Damals hat er für das inzwischen eingestellte Bochumer Szenemagazin Marabo gezeichnet. Es war, erinnert sich Hilbring, sehr aufwändig, weil die Technik noch nicht so weit war. Unmöglich also, Job und Hobby unter einen Hut zu bringen. Die Konsequenz: eine lange Pause. Erst der Fortschritt brachte Hilbring wieder richtig auf den Geschmack. Heute, da man mit einem elektronischen Zeichenbrett ganz andere Möglichkeiten hat, geht das Zeichnen viel schneller.

Hilbring nimmt einen Schluck Kaffee und erzählt von seinen Projekten: Aktuell arbeitet er für die Sport-Zeitung „Revier-Sport“, liefert dort einmal wöchentlich einen Fußball-Cartoon ab. Zusätzlich zeichnet er für die eigene Webseite (www.oli-hilbring.de/blog) den „flachen Freitag“. Und auch „Ballender“, ein Kalender für 2013, ist schon fertig.

„Gehört habe ich natürlich nix“

Nicht zu vergessen das Fernsehen. Obwohl es nicht einfach ist, eine Zeichnung TV-tauglich zu animieren, werden seine Cartoons, die auch schon in der „Sportschau“ der ARD zu sehen waren, mittlerweile regelmäßig bei „Sky“ von Moderator Uli Potofski in der Sendung „Mein Stadion“ präsentiert.

Nachdem er vor drei, vier Jahren wieder anfing, intensiv zu zeichnen, ging alles so schnell, dass Oli Hilbring kopfschüttelnd lächelt, als er eine Geschichte aufgreift. Zum Beispiel die von seinem Buchprojekt. Als er vor zwei Jahren einen Verleger suchte, habe er gehört, das sei ganz lustig, er würde von den Leuten hören. „Aber gehört hab ich natürlich nix“, sagt er.

Was nicht ganz richtig ist. Denn „fiesbook“ gibt es mittlerweile längst im Buchhandel, nachdem mindestens ein Verleger gemerkt hat, dass Oli Hilbring ankommt bei den Leuten. „Ich bin einer, der einen Kalauer raushaut, auch wenn er flach ist“, gibt er zu. „Mit einer Auflage von 7000 ist „fiesbook“ gestartet, jetzt wird die zweite Auflage gedruckt. Nicht schlecht für ein Erstwerk, findet er. Und da kann man nur zustimmen.

Es läuft rund für den Bochumer, er ist gut drauf, er lacht gerne und viel. Und der Fotograf hat leichtes Spiel. Hilbring macht jeden Spaß mit, jeder Motivwunsch wird professionell erfüllt. Ob er sich vorstellen mag, seinen Hauptjob in der Werbeagentur aufzugeben, um sich voll auf seine Cartoons konzentrieren zu können? „Das Schöne ist, dass ich mir in beiden Bereichen viele Sachen ausdenken darf“, antwortet er.

Die Zeit drängt. Die Kaffeetasse ist leer. Es ist Freitag, und es gibt noch etwas zu tun für Oli Hilbring. Seine Cartoonfreunde warten schon. Der „flache Freitag“ muss noch ins Netz gestellt werden.